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Machtnetz von Beatrice Weder di Mauro: Auf dem Olymp

Beatrice Weder di Mauro

Die Basler Ökonomin Beatrice Weder di Mauro wird neu Verwaltungsrätin der UBS. In Deutschland ist sie in Polit- und Wirtschaftszirkeln bestens vernetzt.

Von Stefan Barmettler
07.02.2012

Eine Karriere im Overdrive: Mit ihrer Wahl in den UBS-Verwaltungsrat – diesen Frühling ist es so weit – ist die Ökonomin und Hobbykletterin Beatrice Weder di Mauro auf dem Olymp der Weltkonzerne angekommen. Das gilt für die 46-jährige Baslerin auch finanziell: Mit ihren VR-Mandaten bei UBS (520 000 Franken), Roche (350 000), ThyssenKrupp (100 000) und ihrem Beirat-Engagement bei Deloitte Deutschland dürfte sie locker eine Million Franken im Jahr einstreichen – das Fünffache ihres Professorengehalts an der Universität Mainz.

Mit dem Sprung ins UBS-Aufsichtsgremium kann Weder leicht verschmerzen, dass sie künftig auf ihr prestigeträchtiges Amt im deutschen Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (dem Pendant zur Eidgenössischen Kommission für Konjunkturfragen, die längst abgeschafft ist) verzichten muss. Türöffner für die polyglotte Wissenschaftlerin ist der designierte UBS-Präsident Axel Weber, den sie 2004 im Sachverständigenrat ersetzte, nachdem dieser an die Spitze der Deutschen Bundesbank berufen worden war.

Weber, selber Ökonomieprofessor und im UBS-Präsidium Nachfolger von Kaspar Villiger, ist längst daran, den Bank-VR nach seinem Gusto umzukrempeln. Neben Weder wird auch Rechtsanwältin Isabelle Romy (46) ins Gremium einziehen.

Die Freunde

Weder di Mauro hat in den letzten fünf Jahren ein enges Beziehungsnetz in der Corporate Community geknüpft. Türöffner war Wolfgang Clement, deutscher Wirtschaftsminister, der die Professorin 2004 in den Sachverständigenrat zur Beratung der Bundesregierung ­holte. Beide kritisieren den zu starren Arbeitsmarkt Deutschlands, der das Wachstum hemme. Mit ihrem Förderer Clement sitzt Weder im Frankfurter Zukunftsrat, ­einem Think Tank an ihrem Wohnort.

Das Ticket nach ganz oben erhielt Weder 2006 mit der Berufung in den Roche-Verwaltungsrat. Dort trifft sie auf Schwergewichte wie Nestlé-Chef Paul Bulcke oder Shell-Chef Peter Voser. Beim Pharmakonzern dürfte sie auch Bruno Gehrig, Vizepräsident des Verwaltungsrates, aufgefallen sein. Gehrig sitzt im Verwaltungsrat der UBS – noch. Zeitgleich mit ihrer Wahl in den UBS-VR im Frühling wird er aus dem Rat zurücktreten.

Mit Peer Steinbrück, Ex-Finanzminister Deutschlands, sitzt ­Weder seit 2010 im Aufsichtsrat des Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Weiter ist sie Beirätin der Revi­sionsfirma Deloitte Deutschland, wo sie den früheren ­Innenminister (und Clement-­Vertrauten) Otto Schily trifft. Der (gestrauchelte) Notenbank-Chef Philipp Hildebrand hatte sie 2008 in die SNB-Stiftung Studienzentrum Gerzensee gerufen, wo sie bis 2011 Einsitz hatte.

Die Gegner

Als Ökonomin ist Weder schwer einzuschätzen; ihre Positionen sind unideologisch-pragmatisch. Gleichwohl geben die Gutachten des deutschen Sachverständigenrates, die jeweils im November der Bundeskanzlerin präsentiert werden, Anlass zu Diskussionen. Für SPD-Politiker wie den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Franz Müntefering oder Peter Struck produzieren die fünf Professoren «nur heisse Luft», die Gewerkschaften keilen gegen Vorschläge zur Arbeitsmarktderegulierung, die FDP sieht sich meist bestätigt, und die CDU wird sowohl gelobt wie kritisiert. Was auch nicht zum Standing des Gremiums beiträgt, sind interne Streitigkeiten. Der Sachverständige Peter Bofinger ist ein Keynesianer, der für eine antizyklische Haushaltspolitik steht und – im Sinn der Gewerkschaften – höhere Lohnabschlüsse fordert. Sein Gegenpart ist Lars Feld, der einst in St. Gallen lehrte und sich am Schweizer Modell orientiert: Schuldenbremse, direkte Demokratie, Steuersenkungen. Einfluss auf die Politagenda hat das disparate Gelehrtengremium keinen. Ihr Novembergutachten, das 2011 exakt 443 Seiten umfasste, wurde als «Märchenwelt» («Spiegel») beschrieben. Weder soll im jüngsten Bericht das Bankenkapitel verfasst haben.

Borner-Boys

Der Basler Wirtschaftsprofessor Silvio Borner ist Fixpunkt von Weders wissenschaftlicher Arbeit. Er machte sie dank ihren Spanischkenntnissen zur Assistentin. So fand «Bea», wie sie in Basel geannt wird, zu den Borner-Boys, die alle als Ökonomen Karriere machten. Zum Zirkel gehört ­Aymo Brunetti, lange Chefökonom des Bundes und neu Professor an der Uni Bern. Borner, Brunetti und Weder haben gemeinsam Aufsätze verfasst. Aus der Borner-Schule stammen Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts, Rolf Weder, Professor an der Uni Basel, und Eric Scheidegger, der ­soeben die Nachfolge von Brunetti als Chefökonom der Eidgenossenschaft antrat.

Die Familie

Weder wuchs in Guatemala und in Basel auf. Ihr Vater, ein Pflanzenschutzexperte, arbeitete für Ciba-Geigy. Mit seiner ­Familie zog er für das Basler Chemieunternehmen zum Zentralamerika-Headquarter in Guatemala. Weders Grosseltern stammen aus ­Lienz im St. Galler Rheintal, wo sie einen Bauernhof und die Dorfbeiz bewirtschaf­teten; Beatrice und ihre Schwester verbrachten oft ihre Ferien in der Ostschweiz und waren als Spanischsprechende die ­Attraktion im Dorf.

Beatrice Weder ist verheiratet mit Filippo di Mauro, einem ­Sizilianer aus Catania, der in Rom, Chicago und Boston Ökonomie studierte und lehrte. Anschliessend ­arbeitete er für die Italienische Nationalbank in Rom und Tokio sowie für den IWF. In ihrer Währungsfonds-Zeit lernten sich die beiden kennen. Das Doppelbürgerpaar hat einen gemeinsamen Sohn.

Die Karriere

Nach ihrer Promotion und der Assistenz an der Uni Basel wechselte Weder zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds (IWF) in ­Washington. Das Engagement für den IWF brachte sie nach Nicaragua und Kirgistan, wo sie nach dem Zusammenbruch des Kommunismus mithalf, eine Nationalbank aufzubauen. Dem IWF ist sie bis heute verbunden: Sie sitzt in dessen European Advisory Board.

1999 kehrte sie als Titularprofessorin nach Basel ­zurück. Ihre Karriere als Wissenschaftlerin in der Schweiz war aber nur von kurzer Dauer. Schon 2001 wechselte sie als Professorin für internationale Makroökonomie an die ­Johannes Gutenberg Universität in Mainz. Diese Lehrstätte gehört nicht gerade zu den ersten Adressen unter Ökonomen, doch Weder folgte Ehemann Filippo di Mauro, der als Abteilungsleiter bei der Europäischen Zentralbank ­unter Jean-Claude Trichet forschte.

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