Barack Obama ist ein Mann ohne Beziehungen zur traditionellen Macht. Trotzdem hat er gute Chancen, im November zum mächtigsten Mann der Welt gewählt zu werden. Besser als jeder andere Politiker versteht der 46-jährige Senator aus Illinois, wie heute wirkungsvolle Geflechte entstehen. Geknüpft werden sie in seinem Fall nicht in verrauchten Hinterzimmern, sondern online mittels sozialer Netzwerke. Seine ausgeklügelte Website MyBarackObama.com bildet den Kern der als richtungweisend geltenden Kampagne. Online treffen sich Millionen von Gleichgesinnten. Sie tauschen Informationen aus, kündigen Veranstaltungen an, sie chatten, sie verlinken, sie offerieren freiwillige Dienste. Vor allem aber spenden sie hier das nötige Kapital für Obamas Wahlkampf – bisher fast 200 Millionen Dollar, mehrheitlich kleine Spenden. Hetzten Konkurrenten von einer Geldsammel-Party zur anderen, trieb er allein im Februar 55 Millionen Dollar ein, ohne einen einzigen Fundraiser-Event zu besuchen.

Der in Hawaii und Indonesien aufgewachsene Sohn einer US-Anthropologin und eines kenianischen Ökonomen verspricht seiner Internet Community eines – Veränderung.

Seine Mitstreiter

Obama möchte Washington ändern und vom Joch der Lobbyisten befreien. Zudem setzt er auf eine ölunabhängigere Energiepolitik. Es sind Ansinnen, die New Yorks parteiungebundener Bürgermeister ­Michael Bloomberg teilt. Seit einem gemeinsamen Frühstück in New York tauschen sie regelmässig Ideen aus. Edward Kennedy gilt als politischer Ziehvater. Der Senator aus Massachusetts sieht in Obama den legitimen Erben seines ermordeten Bruders John. Financier und Philanthrop George Soros ist angetan von Obamas Absicht, die USA zur Welt hin zu öffnen. Soros ermög­lichte ihm Kontakte zur Hochfinanz. Als Architekten des glänzenden Wahlkampfes gelten zwei Politberater und Freunde aus Obamas Wahlheimat Chicago: David Axelrod und David Plouffe. Der 38-jährige Ökonomieprofessor und Zentrist Austan Goolsbee von der University of Chicago liefert ihm wirtschaftspolitische Ideen. Goolsbee drängt darauf, wie in den neunziger Jahren das Defizit im Staatshaushalt zu mindern. Zum Wirtschaftsteam zählt auch Jeffrey Liebman von der Harvard University.

Seine Widersacher

Die beiden Radio-Talker Rush Limbaugh und Sean Hannity – Lautsprecher des konservativen Amerika – prangern ihn als ultraliberalen Politiker an, der Staatsquote und Steuern erhöhen werde und der Wirtschaft gegenüber feindlich gesinnt sei. Letzten Februar kritisierte Obama den Ölkonzern ExxonMobil und dessen CEO, Rex Tillerson, wegen «exzessiver Gewinne». Zu Recht bangt die Ölbranche, Obama würde erneuerbare Energiequellen fördern. Robert Portman, früherer US-Handelsminister mit Schweizer Wurzeln und möglicher Vizepräsidentschaftskandidat von John McCain, bezeichnete ihn an einem Abendessen in New York unlängst als «handelsfeindlich». Tatsächlich: Obama ist das Nafta-Freihandelsabkommen ein Dorn im Auge, er möchte zugunsten der US-Arbeiter nachbessern.

Sein Wirtschaftsdraht

Die Risikokapitalisten Mark Gorenberg und Steve Spinner sammeln für Obama im Silicon Valley und online Geld. Seit der Musikproduzent David Geffen den Clintons die Freundschaft aufgekündigt und Obama in dessen Villa in Malibu ­hofiert hat, steht der liberale Teil der Unterhaltungsbranche hinter ihm. Im November 2005 lud der reichste Mann der Welt Obama in seine Stube nach Nebraska: «Sie sind der begehrteste Mann der Welt», grüsste ihn Investor Warren Buffett. Zu Obamas Freunden zählen Chris Hughes, Mitbegründer von Facebook, der Internet-Browser-Erfinder Marc Andreessen und der Chef des Hedge Fund ­Citadel Investment, Kenneth Griffin. Letzte Woche nannte ihn Medienzar und «Wall Street Journal»-Besitzer Rupert Murdoch «einen Rockstar» und prognostizierte seinen Wahlsieg. «Ich will ihn unbedingt treffen», so Murdoch.

Seine Familie

Gattin Michelle und er absolvierten die Harvard Law School. Beim ersten Rendezvous sahen sie Spike Lees Film «Do the Right Thing». Im Jahr 2000 betrug das Familieneinkommen 240  000 Dollar. Letztes Jahr verdienten sie 4,2 Millionen Dollar, hauptsächlich mit Tantiemen aus Obamas Büchern. Mit ihren Töchtern Malia (9) und Sasha (6) bewohnen sie ein Haus südlich von Chicago. Michelle brachte den nicht religiösen Barack zur evangelikalen ­United Church of Christ. Deren umstrittener Pastor Jeremiah Wright ehelichte das Paar und taufte die Kinder. Obamas Eltern trennten sich, als er zwei Jahre alt war.

Seine Hobbies

Pokerfreunde beschreiben Obama als «vorsichtigen» und «fiskalisch konservativen» Gambler. Mit Bier und Zigaretten zockte er mit Mitgliedern des Senats von Illinois, insbesondere mit dem Demokraten Terry Link und dem Republikaner Bill Brady. Seine Frau stimmte der Präsidentschaftskandidatur erst zu, nachdem er die Zigaretten durch Nicorette-Kaugummi ersetzt hatte. Er ist ein passionierter Basketballspieler. Während der Kampagne wirft er mit seinem Assistenten Reggi Love Körbe. Chicagos Bürgermeister Richard Daley hofft, dass Obama mit Basketball-Legende und Freund Michael Jordan die Olympischen Spiele in die Windy City holt.

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