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Machtnetz von Axel Lehmann: Der Risikomanager

Schon bald sitzt Axel Lehmann im Verwaltungsrat der UBS – und vielleicht auch im Chefsessel der Zurich Financial Services.

Von Harry Büsser
27.03.2009

«Die dümmsten Entscheidungen treffen Unternehmen immer dann, wenn sie zu viel Geld haben», sagte Axel Lehmann (50), der oberste Risikomanager von Zurich Financial Services, im «Handelsblatt». Er wird bald im Verwaltungsrat der UBS sitzen. Dort dürfte es also nicht mehr viele dumme Entscheidungen geben, denn zu viel Geld hat die Bank ja nicht mehr.

Die Ernennung Lehmanns zum Kandidaten für den UBS-VR ehre die Zurich, denn das zeige, wie gut der Konzern im Umgang mit Risiken sei, ist aus internen Quellen bei der Zurich zu vernehmen. Ist diese Ehre also das Tüpfelchen auf dem i, das Lehmann noch brauchte um Nachfolger von Zurich-Chef James Schiro zu werden? Vor seinem jetzigen Job war er von 2004 bis 2007 Chef der Zurich in Nord­amerika. Jahrelang verdiente die Firma dort wenig Geld. Lehmann liess darum die Versicherungskontrakte der Einheit systematisch durchforsten und kürzte nichtrentable Bereiche. Das Resultat im Jahr 2007: Die Einheit verdiente 1,5 Milliarden Dollar – rund ein Fünftel des Betriebgewinns des Gesamtkonzerns. Lehmann ist aber keiner, der nur Kosten sparen kann, sondern auch einer, der Risiken eingehen will: «Der Finanzsektor lebt davon, Risiken einzugehen – aber sie müssen bedacht eingegangen werden», sagte er gegenüber der «Financial Times».

DIE FÖRDERER
Lehmann hatte 1996 schon einen Vertrag bei der damaligen Rentenanstalt (heute Swiss Life) als Leiter der Unternehmensplanung unterschrieben. Aber Peter Eckert, damals noch Chef der «Zürich» Schweiz und heute Präsident des Verwaltungrates der Bank Clariden Leu, wollte ihn unbedingt und machte ihm ein so gutes Angebot, dass er bereits in der Probezeit bei der Swiss Life kündigte und direkt in die Geschäftsleitung der «Zürich» Schweiz wechselte. Dort wurde Eckert sein Förderer, und Lehmann stieg die Karriereleiter empor – im Jahr 2000 war er bereits Mitglied der erweiterten Konzernleitung der «Zürich», und 2006 verdiente er als Chef der Nordamerika-Tochter bereits rund drei Millionen Franken pro Jahr.

Durch Matthias Haller, früher Professor an der Universität St.  Gallen, lernte er die Versicherungswelt kennen. Zuerst studierte er bei ihm am Institut für Versicherungswirtschaft (IVW). Dort zeichnete er sich durch Bestnoten aus und doktorierte 1989. Nebenbei leitetete Lehmann Projekte des Instituts und stieg zum Abteilungsleiter auf. Rund 15 Jahre verbrachte er am IVW und führte dort auch Weiterbildungsveranstaltungen für Generaldirektoren von Versicherungsunternehmen durch. So lernte er die oberste Führungsetage der Assekuranz kennen, unter anderem auch Eckert.

DIE KONKURRENTEN
Ende Jahr geht James Schiro, Chef der Zurich, zurück nach New York. Bereits im Januar sagte er, dass die Suche nach einem Nachfolger im Gange sei. Es werde intern und extern gesucht – und intern gebe es gute Kandidaten. Dazu gehört Axel Lehmann, den Mitarbeiter als menschlich beschreiben, als einen, der sich für ihre Sorgen und Probleme interessiert. Neben dem Schweizer Lehmann ist auch der 52-jährige Dieter Wemmer auf der Liste als möglicher Konzernleiter der ­Zurich. Dem Finanzchef wird ein sehr guter Draht zu Schiro nachgesagt. Allerdings hat Lehmann diesen Draht auch: Schiro ermöglichte ihm vor fünf Jahren, den Posten als Chef der wichtigen Nordamerika-Einheit zu übernehmen. Auch als potenzieller Nachfolger genannt wird Martin Senn. Der ­52-jährige Anlagechef der Zurich hat seine Sache in der Finanzkrise sehr gut gemacht. Allerdings hat der ­ehemalige CS-Banker wahrscheinlich noch zu wenig Ahnung vom Versicherungsgeschäft.

DIE NETZWERKE
Ein intensiver Netzwerker ist Lehmann nicht, sondern eher der ruhige, gewissenhafte «Schaffer». Seine drei Jahre in den USA haben ihn, gemäss Mitarbeitern, zwar lockerer werden lassen, aber ein grosser Entertainer sei er nicht geworden.

Lehmann ist Mitglied des Entrepreneurs Roundtable. Dort trifft er unter anderen Rolf Dörig, Delegierter des VR der Swiss Life, Denner-Chef Philippe Gaydoul, Hedge-Fund-Pionier Rainer-Marc Frey und Marcel Rohner, ehemaliger Konzernleiter der UBS. Zur UBS geholt hat ihn aber nicht Rohner, sondern Gabrielle Kaufmann-Kohler. Mit Benjamin Gentsch, Chef des Rückversicherers Scor in der Schweiz, hat er gemeinsam studiert. Sie gehen öfter gemeinsam zu Mittag essen und sprechen über ­aktuelle Probleme ihrer Branche – derzeit häufig über den effizienten Kapitalein­satz in der Finanzkrise.

DER AKADEMISCHE DRAHT
Lehmann verfolgte lange eine rein akademische Karriere am Institut für Versicherungswirtschaft (IVW) der Universität St. Gallen. Inzwischen ist er dort Titularprofessor und Präsident des Geschäftsleitenden Ausschusses des IVW und damit Nachfolger von Matthias Haller. Ebenfalls in diesem Ausschuss sitzt Erich Walser, Präsident des Schweizerischen Versicherungverbandes und VR-Präsident der Helvetia Gruppe. Das IVW ist die angesehenste universitäre Ausbildung für Versicherungsmanager in der Schweiz. Und viele von ihnen finden den Weg zur Zurich. Darunter auch Markus Hongler, Chef der Zurich in Irland, oder Patric Deflorin, Chef des Schweizer Direktkunden­geschäfts der Zurich.

SEIN PRIVATLEBEN
Der Frühaufsteher Lehmann wohnt mit seiner Frau ­Veronika in der 5000 Einwohner zählenden Zürcher Gemeinde Nürensdorf. Geheiratet hat er kurz nach Abschluss seines Studiums. Der 50-Jährige hat zwei erwachsene Töchter. Er spielt Tennis, geht gerne Ski fahren und ist ein leidenschaftlicher Läufer. Peter Eckert ging einmal mit ihm joggen und war schon erledigt, als Lehmann erst richtig loslegen wollte. Axel Lehmann ist weder privat noch beruflich jemand, der sich in den Vordergrund drängt. Es gibt nur gerade ein Foto von ihm bei den Agenturen. Das ist ungewöhnlich für jemanden in seiner Position – der zudem von Studentinnen an der Universität St.  Gallen auch «Lehmann der Schöne» genannt wurde.

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