Auf André Dosé hatte niemand gewartet. Der ehemalige Crossair- und Swiss-Chef war längst in die wenig glamourösen Niederungen des Ein-Mann-Unternehmensberaters abgestiegen, doch seit ein paar Wochen feiert der 55-Jährige ein Comeback, das ihm niemand zugetraut hat. Als Präsident der Neuen Grasshopper Fussball AG setzte er zur Rundumsanierung des Fussballclubs an: neue Trainer, neue Spieler, neue Sponsoren, neue Manager, neuer Geist. Insgesamt wechselte er 35 Leute aus. Und es scheint zu funktionieren. Der Traditionsclub, letzte Saison die Lachnummer der Nation und kurz vor dem Abstieg in die Fussballprovinz, führt die Tabelle der Raiffeisen Super League an. Dosé, der Grossgewachsene, der jetzt noch grösser wirkt, stolziert bei jedem Heimspiel mit gestelltem Kamm durch Tribüne und VIP-Zone und lässt sich bestaunen.

Doch der Hobbyfussballer – er war Torhüter bei Etoile ­Carouge – weiss selber, dass der Fussballrasen vermintes Terrain ist. Das gilt besonders bei GC, wo bereits Messer gewetzt werden. Beim Rekordmeister passt nicht allen, dass ausgerechnet ein passionierter FC-Basel-Fan den Turnaround hinbekommen soll. Sauer stösst manchen auf, dass der Präsident zudem auf die Ratschläge von Fussballexperte Erich Vogel hört, mit 73 Jahren der Bad Boy der hiesigen Fussballarenen.

Die Freunde

André Dosé pflegt viele Freundschaften aus der Crossair/Swiss-Zeit. Eng befreundet ist er mit Martin Schwitter, einem Betriebspsychologen und Dozenten, auf dessen Expertise er bereits zu Crossair-­Zeiten baute. Vereint sind sie in der Beratungsfirma Pilots & More, wo Dosé kapitalmässig eingebunden ist. Seit vielen Jahren befreundet ist er mit Martin Wittig, Chef der Beratungsfirma Roland Berger, und Berger-Berater Michael Wette. Wittig und Wette gehörten zum ­Berger-Team, das einst die Crossair strategisch ausrichtete. Zum fliegerischen Freundeskreis gehört der Australier Chris Walton, ehemaliger Finanzchef des Billiganbieters EasyJet. Mit ihm betreute Dosé ­diverse Beratungsmandate in Spanien und in Saudi-Arabien. Aus gemeinsamer Airline-Zeit kennt er auch Walter Bosch. Der ehemalige Werber (Bosch und Butz) textete einst für die Crossair. Später portierte Dosé den Zürcher Kommunikationsexperten für den Swiss-Verwaltungsrat. Gemeinsam trifft man sich an GC-Heimspielen. Zur alten Airline-Connection gehört auch Björn Näf, der Dosé als CEO der Gulf Air nachfolgte und heute in Hongkong die Privatairline Metrojet führt.

Ein langjähriger Freund ist PR-Berater Sacha Wigdorovits, ­Inhaber der Firma Contract Media. Mit Wigdorovits verfasste Dosé das Buch «Sturmflug», das seinen «Kampf um die Swiss» beschreibt. «Sturmflug» verkaufte sich in drei Auflagen 15 000 Mal. Bekannt ist er auch mit IT-Investor Claudio Cisullo, in dessen CC Trust er Einsitz hatte.

Die Gegner

Aus der Zeit des Swissair-Groundings sind Dosé ein paar herzhafte Feindschaften geblieben. Mario Corti, letzter Swissair-Chef, sieht in ihm einen Verräter. Auch Peter Siegenthaler, ehemaliger Chef der Finanzverwaltung in Bern, ­gehört nicht zu den Freunden. Siegenthaler, Strippenzieher des Bundes bei Swissair und Swiss, soll auf die Ablösung von Swiss-CEO Dosé gedrängt ­haben, als dieser nach dem Crossair-Absturz in Bassersdorf (2001) ins Visier der Bundesanwälte Valentin Roschacher und Erwin Beyeler geriet. ­Dosé, Moritz Suter und vier weitere Angeklagte wurden 2008 freigesprochen.

Komplex ist das Verhältnis zu Moritz Suter. Der Flugpionier und Kurzzeit-Verleger bei der «Basler Zeitung» hat Dosé Topjobs in der Airline-Industrie zugeschanzt. Kürzlich haben sich die beiden an der GV der Regions Airline Association in Dublin getroffen, doch das Verhältnis ist abgekühlt. Suter frotzelt heute über seinen ehemaligen Ziehsohn. Gestört ist das Verhältnis zum ehema­ligen CS-Banker Rainer E. Gut, einem alten Swissair-Mann. Bei GC wechselte Dosé das gesamte Kader aus. Abtreten musste auch GC-Präsident Urs Linsi, ehemaliger Fifa-Generalsekretär unter Präsident Sepp Blatter.

Die Leder-Connection

Auf der Shortlist als GC-Trainer standen vier Fussballer, darunter Uli Forte und Murat Yakin. Schliesslich fiel die Wahl auf Forte, den geschassten Trainer des FC St. Gallen. Im April löste er den glücklosen GC-Trainer Ciriaco Sforza ab. Fussballthemen bespricht Dosé mit Experten im In- und Ausland. Zu ihnen gehört Dieter Hoeness, ehemaliger Manager des VfL Wolfsburg und Transferexperte. Auch mit Karl Odermatt, Fussballlegende des FC Basel, und mit Erich Vogel tauscht er sich aus. Im Fall der Reizfigur Vogel hält ­Dosé den Ball tief. Der ehemalige GC-Vize habe kein Mandat und kriege auch kein Geld von GC. Der neue Präsident kann auf den Support des mächtigen Owners Club zählen, wo Gärtnermeister Heinz Spross und CS-Mann Martin Keller die Fäden ziehen.

Die Karriere

Nach seiner Rückkehr aus den USA heuerte der Fliegerfanatiker bei der Crossair von Moritz ­Suter an. Das war 1986. Protegiert von Firmengründer Suter, stieg er ins Management auf und wurde schliesslich Leiter Flugoperationen. Nach dem Swissair-Grounding kletterte er die Karriereleiter hinauf. Ende März 2002 wurde er zum ersten CEO der Swiss berufen; im Juli 2004 musste er zurücktreten.

2007 tauchte er wieder am Airline-Himmel auf. Nun übernahm er den Chefposten bei der Gulf Air in Bahrain. Es war ein lukratives, aber kurzes Gastspiel. Gulf-Chairman Mahmoud Hashim Al Kooheji setzte den Chefsanierer aus der Schweiz nach wenigen Wochen ab. Nach dem Grounding gründete er die André Dosé Consulting mit Sitz in Baar ZG. Er betreute Mandate in der Schweiz (Gasindustrie, Verkehrsbetriebe), in Skandinavien (SAS), den USA (Private-Equity-Firmen), Deutschland (Grieshaber Logistics) und Spanien (Verkehr, Airline). Seine Spanien-Aufträge brachten ihm einen Ehrendoktor der European University in Barcelona ein. Voller Stolz trägt ­Dosé, Absolvent der Verkehrsschule Biel, den Ehrentitel Dr. h.c.

Die Familie

Dosé ist in Bolligen bei Bern als Sohn eines Schreinermeisters auf­gewachsen. Er ist in zweiter Ehe verheiratet mit Sandra, einer diplomierten Hathayoga-Lehrerin, die in einem Beautycenter in Frick AG arbeitet. Sie haben einen gemeinsamen Buben, Yannick, der wie der Vater polysportiv ist. Der Teenager ist ein Golftalent. Sein Handicap ist 12, jenes des Vaters 5.2. Daneben spielen Vater wie Sohn Fussball. Der Senior steht bei den Veteranen des SC Baudepartement Basel zwischen den Pfosten. Aus ­erster Ehe mit einer Amerikanerin hat Dosé zwei Kinder, die bei der Mutter in den USA leben. Dorthin verschlug es ihn in jungen Jahren. Als Jungpilot flitzte er im Sprühflieger über die Baumwollfelder ­Louisianas.

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