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Klaus J. Stöhliker - PR-Profi

Für die einen ist er ein PR-Genie, andere halten ihn für einen Schwätzer. Kalt jedenfalls lässt der umtriebige Klaus J. Stöhlker niemanden.

Veröffentlicht 31.12.1999

Dem Zürcher PR-Berater Klaus Jürgen Stöhlker (58) wurde schon mancher Titel verliehen: vom «Trompeter aus Zollikon», «Durchlauferhitzer in Sachen Eigen-PR» bis zur «Kassandra vom Zürichsee». Seine Bekanntheit ergibt sich daraus, dass er sich zur Freude der Medien undiplomatisch über alle möglichen Themen äussert: Sei es die eidgenössische Politik, wenn er lästert, dass kein bürgerlicher Politiker Christoph Blocher Paroli bieten könne. Oder wenn er lauthals den Ersatz des «kleinen Anwalts» Franz Steinegger als FDP-Präsident fordert und sich auch berufen fühlt, das Liebesleben der Tennisspielerin Patty Schnyder zu analysieren. Wer nur die gekonnt gesetzten «Blendraketen» (Stöhlker) in seiner Arbeit wahrnimmt, übersieht, dass der vor 13 Jahren eingebürgerte Deutsche strategisch denkt und für seine Kundschaft eine professionelle Beratung mit extrem hohen Tagesansätzen von bis zu 7000 Franken leistet. Mit seinem 14-köpfigen Team und der kleinen Berliner Tochteragentur setzte er laut eigenen Angaben im letzten Jahr 4,8 Millionen Franken um.

Sein Werdegang
Aufgewachsen ist Stöhlker zusammen mit einem Bruder und einer Schwester in einer Beamtenfamilie im deutschen Ludwigshafen. Schon mit fünfzehn Jahren begann er in der Lokalzeitung Artikel zu schreiben, sodass er nach dem Abitur ganz in den Journalismus wechselte. Er arbeitete als Fernsehmann beim Südwestfunk und als Wirtschaftsredaktor («DM», «Neue Rhein-Ruhr-Zeitung»). Als seine Schweizer Ehefrau Paula in Pforzheim Heimweh bekam, reisten die Stöhlkers in die Schweiz. Trotz 21 Bewerbungen bei Schweizer Zeitungen erhielt der ausländische Journalist 1971 jedoch keine Anstellung. Schliesslich holte Gustav Däniker ihn zur Farner Public Relations. Sieben Jahre später gründete Stöhlker das Konkurrenzunternehmen Adolf Wirz & Partner mit. Seit 1982 besitzt der PR-Berater eine eigene Agentur in Zollikon ZH. Als seine Vizes Peter Bütikofer und Martin Zenhäusern in den Neunzigerjahren kündigten und Kunden mitnahmen, musste Stöhlker kämpfen. Bekannt wurde der Workaholic Anfang der Achtzigerjahre mit der damals für die SVP erarbeiteten «Wahlkampf-Fibel von A bis Z». Da er darin Politiker zum Vertuschen anleitete, wurde er von der Schweizerischen Public Relations Gesellschaft (SPRG) ausgeschlossen. Den heutigen Erfolg der SVP führt Stöhlker nicht unbescheiden darauf zurück, dass sich Christoph Blocher & Co. peinlich genau an die Regeln des 1997 neu redigierten Buches gehalten haben.

Seine Geschäftsfreunde
Nach bald dreissig Jahren als PR-Berater kennt Stöhlker die Schweizer Wirtschafts- und Politszene bestens. Viele seiner Kunden sind auch seine persönlichen Freunde. Dazu gehören zum Beispiel der Financier Tito Tettamanti, der Expolitiker und Unternehmer Ulrich Bremi, Buchhändler-Verbandspräsident Hans Felix Guyer, Unternehmensberater Harry Holzheu, Ex-UBS-Mann Luciano Passardi (GE Capital Services) oder Hermann Goldkamp (Phoenix Mecano). Zu seinen guten Bekannten zählt er Ex-Bawi-Chef Franz Blankart (einer der wenigen Duz-Freunde), Ascom-Präsident Felix Wittlin, Barbara Kux (Ford Europe), Professor Fredmund Malik (Management Zentrum Sankt Gallen), FDP-Nationalrat Ernst Mühlemann, Zigarrenfabrikant Heinrich Villiger oder den heutigen Unternehmensberater Peter Weichhardt, der Stöhlker Aufträge beim Berliner Wirtschaftssenat vermittelt hat. Stuart-Spencer-Direktor Roger Rytz, ein langjähriger Freund, schätzt an Stöhlker dessen breites Wissen und Eigenständigkeit: «Er sagt, was er denkt.»

Seine Gegner
Sehr viele Gegner erhielt PG-Haudegen Stöhlker, als er 1989 das Image der gestrauchelten Exbundesrätin Elisabeth Kopp aufzupolieren versuchte. Sein selbstherrlicher Stil, mit lautem Getöse und unverblümter Sprache, bringt ihm viele Gegner. Als seine grössten Feinde bezeichnet Stöhlker den schweizerischen PR-Verband, Gustav Däniker, Teile der NZZ-Redaktion, Frank A. Meyer (Ringier-Verlag) und Fritz Gerber, der ihn nicht leiden könne, weil er Branco Weiss beim Roche-Deal um Kontron zum gesamten Verkaufspreis verholfen habe. Seine ehemaligen Mitarbeiter Peter Bütikofer und Martin Zenhäusern kritisieren, dass sich Stöhlker zu sehr in den Mittelpunkt stelle, was von Kunden gar nicht geschätzt werde. Und Heinz Gut, Expräsident des Bunds der Schweizer PR-Agenturen (BPRA), ist froh, dass der Zolliker mit den Jahren etwas ruhiger geworden sei: Stöhlker dränge es zum Glück nicht mehr so sehr, dauernd seinen Senf abzugeben.

Sein privater Kreis
Klaus J. Stöhlker ist seit über dreissig Jahren mit der Walliserin Paula Vogel aus Unterbäch verheiratet. In ihrem Dorf besitzt die Familie ein Chalet - als Alternative bietet sich das Ferienhaus in Carvoeiro in der Algarve in Portugal an. Seine beiden Söhne Fidel-Stefan (29) und Raoul (25) arbeiten in der PR-Agentur mit. Stöhlker ist sehr belesen und interessiert sich vor allem für Geschichte, was ihn mit seinem Freund, dem Alt-Stapi Sigmund Widmer, verbindet. Als einziger PR-Mann im Schweizer Schriftsteller-Verband ist er auch ein grosser Literaturkenner. Er liebt beispielsweise die Werke von Gottfried Keller, von Blaise Cendrars oder Charles Ferdinand Ramuz. Gerold Späth und Erich von Däniken zählt er zu seinen Freunden. Zen-Buddhismus ist ihm nicht unbekannt, gehört doch der Zuger Zen-Lehrer Roshi Brantschen zu seinen guten Bekannten.

Stöhlkers Wahlprognose
Obwohl er schon manchen eidgenössischen Wahlkampf der FDP als Berater tatkräftig unterstützt hat, will er dieses Jahr nichts damit zu tun haben; als Parteiloser sponsere er die FDP aber mit einem namhaften Betrag. Er bestreitet, Blochers SVP zu unterstützen. Otto Ineichen (Otto’s Warenposten), der Stöhlkers Angriffe auf FDP-Präsident Steinegger «gar nicht goutiert», ist jedoch überzeugt, dass der PR-Zampano als Wahlkampfmotor der SVP fungiert. Stöhlker lege seine Interessen nie offen, schimpft Ineichen. Wie lautet die Prognose des Wahlkampfspezialisten? Der Zolliker rechnet mit einem klaren Sieg der SVP, einer Stärkung der SP trotz der schwachen Präsidentin Ursula Koch sowie einem Stagnieren der FDP und CVP, was die Idee eines Mergers zwischen diesen beiden Parteien näher rücken lasse, prophezeit der Wahlguru.
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