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Jens Alder: Der Umbaumeister

Jens Alder: Der Umbaumeister
Gilt als als Kostenkiller: Ex-Swisscom-Chef Jens Alder.  Keystone

Mit Ex-Swisscom-Chef Jens Alder bekommt der Energiekonzern Alpiq einen Präsidenten, der sich mit Regulierung ebenso auskennt wie mit Leitungsbau.

Von Marc Kowalsky
2015-02-17

Den Stempel wird er nicht mehr los: Seit Jens Alder in den frühen neunziger Jahren bei Ernst Thomke das Handwerk lernte, gilt er als Kostenkiller. «Ich möchte gerne einmal ein Wachstumsproblem lösen», begründete er 1998 seinen Wechsel zur Swisscom.

Es blieb beim Vorsatz: Dort baute Alder 6000 Stellen ab, restrukturierte, verwarf 200 mögliche Übernahmen, bis er sich dann doch noch zu einem Milliardendeal entschied – und prompt vom Bundesrat zurückgepfiffen wurde, Rücktritt inbegriffen. Auch danach, bei Tele Danmark, strich Alder Stellen, senkte Kosten, verkaufte Firmenteile – und gab nach seinem Rausschmiss 2009 zu, unter seinem Ruf als Sanierer zu leiden.

Energiewende umsetzen

Seine VR-Karriere brachte Alder lange Zeit nur Mandate in der B- und C-Liga. Als Präsident von Alpiq steht er nun einem Zehn-Milliarden-Konzern vor. Primäre Aufgabe des glänzenden Rhetorikers wird es sein, die Energiewende von Bundesrätin Doris Leuthard beim Stromerzeuger umzusetzen – was dem 57-Jährigen besser gelingen sollte als seinem atomgetriebenen Vorgänger Hans E. Schweickardt.

Und dann gibt es da noch ein paar Probleme zu lösen, die Alder bekannt vorkommen werden: Abschreiber in Milliardenhöhe, Kostenprobleme, Restrukturierung, Stellenabbau, ein riesiger Schuldenberg. Nein, ein Wachstumsmanager wird aus Jens Alder nicht mehr.

Die Widersacher

Als Alder zum Swisscom-Chef ernannt wurde, kündigte Konzernleitungsmitglied Calvin Grieder, heute CEO beim Industriebetrieb Bühler, noch am gleichen Tag – die beiden waren nicht kompatibel. Mit seiner aggressiven Art, für die Swisscom-Belange einzustehen, machte sich Alder in Bundesbern nicht nur Freunde. Mit dem damaligen ComCom-Präsidenten Fulvio Caccia lag er regelmässig über Kreuz. Dessen Nachfolger Marc Furrer, zu jener Zeit Direktor des Bakom, ist bis heute nicht gut auf ihn zu sprechen, seit ihm Alder einmal «kommunistische Konzepte» vorwarf.

Bei der Swisscom baute Alder regelmäs­sig Stellen ab, sein Gegenspieler auf Gewerkschaftsseite war der heutige SP-Präsident Christian Levrat. Als Bundesrat Christoph Blocher 2006 der Swisscom den Kauf der irischen Eircom verbot und Alder damit desavouierte, blieb diesem nur der Rücktritt. 2006 heuerte Alder ausgerechnet bei Konkurrent Tele Danmark und dessen Schweizer Tochter Sunrise an – ein Schritt, der ihn einigen Goodwill kostete. Grösster Gegenspieler war sein Nachfolger bei der Swisscom, Carsten Schloter. Bei Alpiq sind seine direkten Konkurrenten Suzanne Thoma (Chefin BKW) und Andrew Walo (CEO von Axpo).

Die Verbündeten

Seit Swisscom-Zeiten verfügt Alder über gute Drähte nach Bern. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf wollte ihn als Direktor des Bundesamtes für Informatik und Telekommunikation gewinnen. Bundesrat Ueli Maurer gab Alder ein hoch bezahltes Beratermandat. Ziel war es, das undurchsichtige Beschaffungswesen im VBS zu durchleuchten; über das Ergebnis ist nichts bekannt.

Ex-CS-Chef Rainer E. Gut berief ihn 2002 in das Steuerungskomitee für den Aufbau der Airline Swiss. Mit Kommunikations­berater Victor Schmid ist Alder seit Swisscom-Tagen eng verbunden. Bei Alpiq ist seine wichtigste Verbündete CEO Jasmin Staiblin.

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