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Jan Schoch: Appenzeller CEO

Jan Schoch: Appenzeller CEO
Jan Schoch, CEO von Leonteq, ist jüngstes Mitglied unter den 300 Reichsten der Schweiz.

Jan Schoch ist der Überflieger der Derivatebranche. Seine Firma ist so ­erfolgreich, dass er es als jüngstes Mitglied in die 300-Reichsten-Liste der Schweiz geschafft hat.

Von Harry Büsser
2014-11-25

Kein anderes Unternehmen kotiert so viele strukturierte Anlageprodukte an der Schweizer Börse wie Leonteq – wenn auch oft im Hintergrund, im Namen von Partnern wie Notenstein Privatbank, EFG International, Helvetia Versicherungen und Migros Bank. Damit ist der Appenzeller Jan Schoch (37), CEO von Leonteq, zu einem bedeutenden Kunden für Christian Reuss geworden, den Chef des Bereiches Strukturierte Produkte bei der Schweizer Börse SIX. Ein schneller Aufstieg für Schoch: Vor sieben Jahren beschäftigte Leonteq vier Mitarbeiter, heute sind es über 300, die meisten davon im schmucken Hürlimann-Areal domiziliert, einen Steinwurf entfernt vom Google-Sitz in Zürich.

Der Erfolg von Leonteq zeigt sich auch im Börsenwert, der sich dieses Jahr auf 1,9 Milliarden Franken fast verdoppelt hat. Das Kursrally hat Schoch reich gemacht. Sein Aktienpaket ist inzwischen deutlich über 100 Millionen Franken wert, weshalb er neu in der Liste der 300 Reichsten von BILANZ figuriert. Seine Titel sind zwar bis ins Jahr 2017 gesperrt, aber Geldsorgen hat er bei einem Jahressalär von gut einer Million nicht. Für weiteres Wachstum von Leonteq soll eine Partnerschaft mit DBS sorgen, einer der grössten Banken in Singapur. Mehrwert soll auch die Zusammenarbeit mit der Banken-Software-Firma Avaloq bringen, die von Francisco Fernandez geführt wird.

Die Freunde

Mit Jan Schoch, Michael Hartweg (42), Sandro Dorigo (36) und ­Lukas Ruflin (39) haben sich 2007 vier Freunde und Geschäftspartner gefunden, die zusammen die heutige Leonteq gründeten. Schoch ­arbeitete bei Goldman Sachs, Hartweg war sein Vorgesetzter; Sandro Dorigo lernte er danach bei Lehman Brothers kennen. Ruflin, ­damals stellvertretender Finanzchef von EFG International, wollte Schoch eigentlich zu seiner Firma holen. Dieser hatte aber grössere Pläne und schlug vor, zusammen mit EFG International ein Unternehmen zu gründen. Die Absicht wurde mit einem Handschlag besiegelt und ausgeführt.

Ruflin ist heute Verwaltungsrat bei Leonteq, und ­Dorigo leitet den Bereich Asset Management & Pension Solutions. Michael Hartweg war bis vor kurzem Stellvertretender CEO. Inzwischen hat er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und widmet sich strategischen Innovationsprojekten bei Leonteq.

Ansonsten sind die Freunde von Schoch eher im Appenzellerland zu finden, wo er kürzlich das Hotel-Restaurant Bären in Gonten übernommen hat. Der Ehemann einer Freundin aus Kindertagen – sie ist die Tochter des besten Freundes seines Vaters – übernimmt die Geschäftsführung: Raphaël Brunner (32), bis vor kurzem sein Firmenkundenberater bei Raiffeisen, stammt aus einer Hotelierfamilie im Unterwallis. Küchenchef wird Raphaëls Bruder Daniel (30), der vorher unter anderem Küchenchef im Panorama Resort Feusisberg war, dem Stammhotel der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft.

Die Gegner

Die Bank Vontobel war lange Partner der Raiffeisen-Gruppe. Als sich Raiffeisen mit einem grösseren Aktienpaket an der heutigen Leonteq beteiligte, war zu erwarten, dass diese strukturierte Produkte künftig zusammen emittieren würden. Das gefiel Herbert Scheidt (63), dem Verwaltungsratspräsidenten der Bank Vontobel, und seinem CEO Zeno Staub (45) kaum. Nur einen Tag nachdem die zur Raiffeisen-Gruppe gehörende Notenstein das erste Produkt von Leonteq in Zeichnung gegeben hatte, zog Vontobel mit einem fast identischen Finanzvehikel nach – zu deutlich günstigeren Konditionen.

Allerdings betont Jan Schoch, dass er Vontobel nicht als Gegner sehe. Er verstehe sich gut mit Roger Studer (47), dem Leiter des Investment Bankings bei Vontobel, und auch mit Georg von Wattenwyl, Leiter des Bereichs Strukturierte Produkte. Mit von Wattenwyl sitzt er im Vorstand des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte. Gemeinsam versuchen sie Marktanteile von den Fondsanbietern zu gewinnen. Das dürfte weder Michael Strobaek gefallen, Leiter Asset Management Schweiz bei der Credit Suisse, noch Andreas Schlatter, der in derselben Position bei der UBS ist.

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