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Machtnetz von Dietrich Mateschitz: Jäger und Sammler

Dietrich Mateschitz

Der Österreicher Dietrich (Didi) Mateschitz will nur das Beste in seinem Red-Bull-Reich versammelt haben – der Preis spielt keine Rolle.

Von Walter Pellinghausen
12.04.2011

Red-Bull-Energydrink-Verkäufer Dietrich Mateschitz (66) will gewinnen, etwas anderes kennt er nicht. Einer seiner Angestellten, Sebastian Vettel vom Red Bull Racing Team, war letztes Jahr Weltmeister, und auch 2011 ist er schnell unterwegs. Thierry Henry, einstiger Schlüsselspieler beim FC Barcelona und beim FC Arsenal, ist Chefstratege bei den New York Red Bulls, wo er Mateschitz Auftrag realisieren soll: siegen und den Meistertitel der Major League Soccer holen. Geld spielt für den kompetitiven Milliardär keine Rolle.

Das gilt auch im Kerngeschäft. Während der Weltwirtschaftskrise leicht flügellahm geworden, greift Mateschitz wieder aggressiv an. Die Verkäufe seines Bestsellers Red Bull will das Marketinggenie bis 2016 auf über acht Milliarden Dosen pro Jahr verdoppeln. Letztes Jahr spülte die Brause rund fünf Milliarden Franken in die Firmenkasse. Gut die Hälfte der Dosen werden inzwischen in Widnau SG abgefüllt.

Wie abgehoben der Profit aus dem Dosenverkauf sein muss, verdeutlichte Mateschitz in einem seiner seltenen Interviews, als er der BILANZ anvertraute: «Wir haben je nach Markt und Marktsegment einen sechs- bis zehnfachen Preisbonus gegenüber Coca-Cola.» Der Softgetränkeriese aus Atlanta, Georgia, gilt keineswegs als gewinnschwach.

Die Freunde

Sie müssen mehr als Geschäftspartner sein – Red-Bull-Schöpfer Mateschitz und seine thailändischen TeilhaberChaleo Yoovidhya sowie dessen SohnCharlerm. Seit fast drei Jahrzehnten sind sie verbündet, es herrscht permanente Eintracht. Ein Mixgetränk nach Yoovidhyas Rezepten soll dem Vielflieger Mateschitz Anfang der achtziger Jahre Flügel verliehen haben. Der so Beglückte sicherte sich die Rechte an der Wunderbrause, veränderte die Mischung leicht und gewann mit den österreichischen Fruchtsaftfabrikanten-BrüdernFranz undRoman Rauch leistungsstarke Hersteller für den Energydrink. Alt-BodybuilderArnold Schwarzenegger, aus der Steiermark wie Dietrich Mateschitz und als Hollywood-Ikone zwei Amtszeiten lang Gouverneur von Kalifornien, wirkt als bekennender Red-Bull-Konsument mit seiner demonstrierten Fitness verkaufsfördernd.

Seit Jahren gut bekannt ist Mateschitz mit dem Liechtensteiner Vermögensverwalter Fritz Kaiser. Dessen Assistent, Dany Bahar, betreute den potenten Kunden. Später wechselte Bahar, heute Chef von Lotus, in die Dienste von Mateschitz.

Seine Spielkameraden

Für den Formel-1-AltmeisterBernie Ecclestone mit Wohnsitz Gstaad BE war Mateschitz Einstieg bei Sauber in Hinwil ZH ein Glücksfall. Später baute der Red-Bull-Gründer seinen eigenen Rennstall auf. Helmut Marko, langjähriger Mateschitz-Freund und früherer Gewinner des 24-Stunden-Rallyes von Le Mans, lenkt das Red Bull Racing Team. Seine Flugzeugflotte mit zwölf Maschinen, darunter ein Pilatus Porter PC-6, baute Mateschitz mit seinem ChefpilotenSiegfried Angerer auf. Weil Fliegen hungrig macht, wirkt im Restaurant Ikarus auf dem Flughafen Salzburg beim Red-Bull-Hauptsitz KochlegendeEckart Witzigmann.

Die Gegner

Magna-Autoschmied und MilliardärFrank Stronach, wie Mateschitz gebürtiger Steirer, mag den bulligen Landsmann offensichtlich nicht. Jedenfalls lancierte der Austrokanadier mit Quartier in Zug einen eigenen Energydrink namens Franks und bewarb ihn frech als «Authentic Austrian Energy». Als Schande für ihre gesamte Branche müssen professionelle Fahrzeugfabrikanten wie Mercedes-LenkerDieter Zetsche oder Fiat-Ferrari-MotorSergio Marchionne jeden Red-Bull-Triumph in der Formel 1 empfinden. Der Schweizer Formel-1-PionierPeter Sauber gilt als Gegner – aber nur auf der Rennbahn. Er hatte Mateschitz in den neunziger Jahren zunächst in die Geheimnisse des Rennsports eingeweiht und dem aufstrebenden Milliardär gegen zwei Drittel des Rennstalls verkauft. Die Anteile nahm Sauber allerdings zurück, als das Duo keine gemeinsame Ideallinie mehr fand.

Die Familie

Seine Werbekolonnen fluten die Welt mit Informationen, und selbst wenn es um sein Privatleben geht, wird der Sohn der VolksschullehrerinAuguste Mateschitz nicht einsilbig. Zurzeit führt er die TouristikexpertinMarion Feic htner aus. Sein SohnMark Gerhardter, geboren 1993, tauchte jüngst erstmals an Vaters Seite als Minderheitsaktionär bei der Dietrich Mateschitz Verwaltungs OG in Thalgau auf. Dessen MutterAnita Gerhard ter führt die Geschäfte bei Wings for Life, einer Stiftung für Rückenmarkforschung. Diese wurde von Mateschitz sowie seinem Freund und zweifachen Motocross-WeltmeisterHeinz Kinigadner ins Leben gerufen. Dessen SohnHannes ist seit einem Motorradunfall querschnittgelähmt.

Die Karriere

1963 zügelte Mateschitz fürs Studium aus der Steiermark nach Wien. Der Architektur galt sein Hauptinteresse, und so schrieb er sich erst einmal für diesen Studiengang an der Technischen Universität ein. Nach einigen Semestern wechselte er zur Hochschule für Welthandel, die er als diplomierter Marketingspezialist verliess. Der Jungakademiker heuerte bei Unilever an, schnupperte bei Jacobs Kaffee, als der Konzern noch dem eingebürgerten SchweizerKlaus J. Jacobs gehörte. Später war er in der weiten Welt für den deutschen Zahnpastariesen Blendax unterwegs. 1982 schliesslich lernte Mateschitz in Hongkong die stimulierende Wirkung des Energiegetränkes Krating Daeng (übersetzt: roter Stier) kennen. Mit 40 gründete er mit seinem fernöstlichen Partner die Red Bull GmbH im österreichischen Fuschl am See. Drei Jahre später lancierte er seine leicht veränderte, gummibärige Rezeptur in der legendär gewordenen Dose mit dem Versprechen: «Verleiht Flügel.»

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