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Hansjörg Wyss: Das Phantom

Hansjörg Wyss: Mit Pauken und Trompeten platzt der Milliardär in die EU-Debatte.  Keystone

Milliardär Hansjörg Wyss will eine Initiative zur Erhaltung der Bilateralen finanziell unterstützen. In den USA ist er im Hintergrund schon lange politisch aktiv.

Von Ueli Kneubühler
14.10.2014

Sein Vermögen wird auf rund zwölf Milliarden Franken ­geschätzt, er ist ein Phantom, wohnt in den USA, und Schweizer Politik hat ihn bislang nicht interessiert. «Zu kompliziert», meint er. Doch jetzt, im fortgeschrittenen Alter von 79 Jahren, platzt der ehemalige Synthes-Patron Hansjörg Wyss mit Pauken und Trompeten in die EU-Debatte.

Das Ja zur Zuwanderungsinitiative bringe nur Probleme mit sich, sagte er an einer Veranstaltung in Bern. Er sei bereit, eine allfällige Kampagne zur Rückgängigmachung der Abstimmung finanziell zu unterstützen. Wyss engagiert sich auch in der Gruppe «Raus aus der Sackgasse» um den Zürcher Staatsrechtsprofessor Andreas Auer und den St. Galler Arbeitsrechtler Thomas Geiser. Sie wollen den entsprechenden neuen Verfassungsartikel aufheben.

Wyss’ Engagement brachte ihm den Vorwurf ein, sich nie für die hiesige Politik interessiert zu haben. Doch im Hintergrund ist er seit eh und je politisch aktiv. In den USA unterstützt er die Demokraten seit Jahren finanziell. Er wird es hier nicht anders halten, denn das politische Narrativ geht ihm ab. Wyss, der damit kokettiert, dass er keinen US-, sondern nur den Schweizer Pass habe, wollte sich unter der Administration von George W. Bush eigentlich einbürgern lassen. Doch der Prozess war ihm zu langwierig.

Die Freunde

Hansjörg Wyss verkehrt sowohl mit Bekannten aus seiner Berner Schulzeit als auch dem US-Politestablishment. Eng sind die Bande ­mit Robert Bland. Ihn lernte er in Harvard kennen, holte ihn später in den VR von Synthes und betraute ihn mit wichtigen Chargen in seinen Stiftungen. Gut kann er es mit Robert Frigg, früher Forschungs- und Entwicklungschef bei Synthes.

John Podesta, Stabschef unter Bill Clinton, ist Stiftungsrat der Wyss-Stiftungen und gleichzeitig Chef des Center for American Progress, einer Organisation, die den Demokraten nahesteht und von Wyss mitbegründet wurde. Wyss unterstützt die Organisation mit erklecklichen Summen. Christoph ­Megert ist sein persönlicher Anwalt, mit dem er im Stiftungsrat der Beyeler Stiftung sitzt. Befreundet ist er mit der Walliser Künstlerin Mari Ceppi sowie mit Christian Schweizer, Kunstflug-Weltmeister. Mit Jobst Wagner, Präsident der Rehau Gruppe, engagiert er sich in der Berner Kunstszene.

Im Mai wurde bekannt, dass Wyss den Stammzellentherapie-Spezialisten Osiris von Investor Peter Friedli berät. Die Veterinärmedizinerin Brigitte von Rechenberg, deren ­Forschung er unterstützte, holte Wyss im Oktober an die Veranstaltung nach Bern, an der er scharfe Worte gegen die isolationistischen Tendenzen in der Schweiz richtete. Mit Douglas Tompkins, Gründer der Outdoor-Marke The North Face und des ­Textilunternehmens ­Esprit, ist er für Südamerikas Naturschutz aktiv.

Die Gegenspieler

«Ach, Feinde habe ich viele», diktierte Wyss seiner Schwester Hedi ins Mikrofon für deren Buch «Hansjörg Wyss – Mein Bruder», das kürzlich erschienen ist. «Die würden sagen, dass ich in ­gewissen Sitzungen aggressiv bin, dass ich klar denken kann, denn viele Leute haben Angst vor Menschen, die klar denken können.» Seit Anfang Oktober hat Wyss einige Gegenspieler mehr – auf dem politischen Parkett.

Insbesondere die SVP-Korona um Christoph Blocher. Wyss stemmt sich öffentlich vehement gegen die Masseneinwanderungs-Initiative und den Kurs der SVP. Die Antwort auf Wyss’ Aussagen folgte auf dem Fuss. SVP-Fraktionspräsident Adrian ­Amstutz warf Wyss ein unschweizerisches Demokratieverständnis vor. Amstutz’ Parteikollege, «Weltwoche»-Redaktor und Nationalrat Peter Keller meinte, als Milliardär kenne Wyss die Lebensverhältnisse der einfachen Be­völkerung halt nicht. Der 2009 verstorbene Starchirurg Maurice Müller und Wyss waren sich nicht immer grün. Müller war einer der Gründer der AO-Stiftung, aus der später Synthes entstanden ist, und kritisierte Wyss’ Führungspolitik als zu gewinnorientiert.

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