Als Eric Tveter (56) 2009 bei der damaligen Cablecom als ­Sanierer antrat, fasste er einen Job, der schwieriger kaum hätte sein können: Der Kabelnetzanbieter war damals die meistgehasste Firma der Schweiz. Er litt unter massiven technischen Problemen, der Kundendienst galt als Vorhof zur Hölle, und die Abschaltung von analogen Programmen rief sogar den Bundesrat auf den Plan.

Heute ist UPC Cablecom, wie die Firma inzwischen heisst, ein ganz normales Unternehmen mit stetig steigenden Umsatzzahlen (zuletzt 1,2 Milliarden Franken). Und Tveter ist derzeit der Einzige, der im Schweizer Telekommarkt noch für Innovationen sorgt: etwa mit einem Gratis-WLAN, das die Modems der 1,4 Millionen Kunden zu einem flächendeckenden Drahtlosnetzwerk zusammenschaltet.

Das ist auch US-Milliardär John Malone aufgefallen, dem Eigentümer der UPC-Cablecom-Mutter Liberty Global. Er vertraute Tveter nun auch die Leitung des österreichischen Marktes an. Damit dürften die Spekulationen beendet sein, Tveter habe seine Mission hierzulande erfüllt und werde bald in die USA zurückkehren. Doch wenn er seinen Job in Österreich ähnlich erfolgreich macht, werden höhere Berufungen eines Tages unausweichlich sein.

Die Gegner

Tveters härtester Gegner auf dem Schweizer Markt ist die Swisscom unter Urs Schaeppi. Dass dieser via die Tochterfirma Cinetrade unter Wilfried Heinzelmann Exklusiv-Zugang zu den Fussball- und Eis­hockeyspielen in der Schweiz hat, findet Tveter skandalös, weshalb er bei der Wettbewerbskommission klagt. Zweiter nennenswerter Konkurrent mit einem TV-Angebot ist Sunrise unter Libor Voncina. Der zweitgrösste Kabelanbieter, Finecom unter Nicolas Perrenoud, hat nur ein Viertel so viele Kunden wie UPC Cablecom. Neu in den Schweizer Markt kommt Netflix, die Reed Hastings gehört: Er konkurrenziert Tveter bei den Inhalten, andererseits benötigen seine Dienste jene schnelle Infrastruktur, die UPC Cablecom anbietet.

In Österreich heisst der grösste Herausforderer A1. Der Telekomanbieter ist in Besitz des Mexikaners Carlos Slim, des zweitreichsten Mannes der Welt. Weil Tveters Marketingagentur bei der Vorstellung der Online-Videothek MyPrime Oscar-Statuen aufstellen liess, bekam er Ärger mit der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Markenrechte innehat und von Cheryl Boone Isaacs präsidiert wird: UPC Cablecom musste die Statuen aushändigen und sich freikaufen. Weil die Firma ausländisch dominiert ist, schloss das Bundesamt für Bauten und Logistik unter Direktor Gustave Marchand sie von ­Bundesaufträgen aus. Ein erster Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes in der Sache fiel zugunsten Tveters aus.

Die Verbündeten

Wichtigster Verbündeter auf dem Schweizer Markt ist Orange unter Johan ­Andsjö. Der Mobilfunkoperator stellt die Netzkapazität für das Handyangebot der UPC Cablecom zur Verfügung. Als Orange 2011 zum Verkauf stand, prüfte Tveter sogar eine Übernahme. Mit Ex-Rapper und Schauspieler Carlos Leal tritt Tveter – ungewöhnlich für einen CEO – höchstselbst in Werbespots für seine Firma auf.

Seit zwei Jahren sponsert UPC Cablecom das von Nadja Schildknecht und Karl Spoerri ins Leben gerufene Zurich Film Festival. Durch diese Verbindung lernte Tveter unter anderem den Hollywood-Produzenten Stephen Nemeth kennen («Fear and Loathing in Las Vegas»); dieses Jahr besuchte er ihn in Kalifornien zum Abendessen. Für die neue Online-Videothek MyPrime setzt Tveter auch auf Schweizer Inhalte: Andreas Auerbach produziert für UPC Cablecom eine neue Staffel der Sitcom «Fässler-Kunz», das Drehbuch schreibt Katja Früh.

Die Wikinger-Connection

Tveters Eltern wanderten von Norwegen in die USA aus. Norwegisch spricht Tveter nicht, aber er hat sich in der Schweiz einen nordischen Freundeskreis aufgebaut. Dazu gehören Amag-Chef Morten Hannesbo, der Headhunter Bjørn Johansson, ausserdem Jörg Tinggren, bis Jahresanfang CEO von Schindler. Auch Per Utnegaard, CEO des Flughafendienstleisters Swissport, gehört zu dem Grüppchen, ebenso wie der langjährige McKinsey-Partner Thomas Bull-Larsen. Gemeinsam trifft man sich zum Essen, spielt Golf oder fährt Ski. Die Dolomiten sind Tveters Lieblingsskigebiet, dort war er schon mit Handwerksunternehmer Fritz Schlagenhauf in den Ferien.

Die Karriere

Tveter verbrachte seine 30-jährige Karriere in der Kabelindustrie. Geprägt haben ihn dabei zwei Personen: Von Richard ­Aurelio, dem späteren ­Vizebürgermeister von New York, lernte er das Zuhören. Bei John Kluge, Besitzer des Mediengiganten Metro Media und 1987 reichster Mann der USA, lernte er, kalkulierbare Geschäftsrisiken einzugehen. In der Industrie ist Tveter bestens vernetzt: Bill Roedy, Gründer von MTV International, gehört ebenso zu seinen Freunden wie Ben Pine, Marketing- und Verkaufschef von Walt Disney.

Vor seinem Wechsel zu Cablecom sass Tveter im Verwaltungsrat von OpenTV, einer Firma von André Kudelski. Mit diesem ist er seither befreundet. Im Board traf er damals auf Ex-Bundesrat Joseph Deiss, den Ex-WEF-Direktor Claude Smadja sowie auf Mercer ­Reynolds, den früheren US-Botschafter in Bern. Heute sitzt Tveter im VR des Schweizer Start-ups YooMee, das in Afrika drahtloses Internet anbietet, und im Board der First National Bank of Long Island. Auch im Swiss Board der Kaderschmiede Insead Business School sitzt Tveter.

Die Familie

Tveter wuchs in Brooklyn auf. Vater Harry, ein ehemaliger Bauunternehmer, lebt noch immer in New York und erhält regelmässig Besuch von seinem Sohn. Eric Tveter ist Fan des Baseball-Teams New York Yankees und der Eishockey-Mannschaft New York Rangers. Seit 20 Jahren ist er mit Terry Anne Collins (55) verheiratet. Sie hilft Sohn Ryan (19), seine Rennfahrer-Karriere voranzutreiben, und pendelt dafür zwischen New York und Zürich. Die letzten zwei Jahre trat Ryan in der Formel Renault an, diese Saison beendete er als Neunter. Nun soll er in der Formel 3 starten, Ziel ist die Formel 1. Den Führerschein hat er aber noch nicht. Daneben studiert er an der EPFL Mathematik. Neben Tennis, Golfen (Golfclub Zumikon, Handicap 13) und Skifahren hat Eric Tveter nun mit Langlaufen begonnen.

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