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Eric Olsen: Der Multikulti-Trainer von LafargeHolcim

Geradlinig und ­unprätentiös: LafargeHolcim-Chef Eric Olsen.  Keystone

An der Spitze des frisch gebildeten Fusionskonzerns LafargeHolcim muss Eric Olsen zwei Kulturen vereinen. Der Franko-Amerikaner bringt dafür viel internationale Erfahrung mit.

Von Leo Müller
21.07.2015

LafargeHolcim ist der neue Name des Konzerns, und an der operativen Spitze steht nun auch ein neuer Name: Eric Olsen. Der 51-jährige Franko-Amerikaner ist in der Medienöffentlichkeit erst im Frühjahr bekannt geworden, als er zum ersten Mal als möglicher Konzernchef des Zementriesen erwähnt wurde.

Insider aus der Branche bezeichnen ihn als geradlinig und ­unprätentiös in seinem Auftritt, aber auch schnörkellos amerikanisch in der Durchsetzung seiner Ziele. So liess er zum Start des neuen Fusionskonzerns eine simple Swatch-Plastikarmbanduhr mit dem neuen Logo an weltweit alle 115'000 Mitarbeiter verteilen.

Für manche dürfte es ein Abschiedsgeschenk sein: Olsen startet mit einem Sparprogramm in Höhe von 1,4 Milliarden Euro, wovon rund eine Milliarde auf betriebliche Einsparungen entfällt. Zum Beginn sagte er, was man in solchen Fällen so sagt: Das Unternehmen habe «einen positiven Einfluss auf die Welt und leistet für die Kunden, Mitarbeitenden, Aktionäre und die Gesellschaft einen wirklichen Mehrwert».

Eine seiner schwierigen Aufgaben: «Bildung eines Unternehmens und einer Kultur». In Paris will die Regierung ein möglichst französisches Unternehmen, in der Schweiz will man ein schweizerisches. Doch der neue Weltkonzern ist längst global orientiert – wie auch der neue Konzernlenker.

Die Weggefährten

Nach ersten Stationen als Wirtschaftsprüfer bei Deloitte & Touche und einem kurzen Engagement als Associate im M&A-Team des ­Investment Bankings der Banque Paribas war Olsen sechs Jahre lang Berater bei Trinity Associates.

Olsen war bei Lafarge für wichtige Länder wie Frankreich, USA, Brasilien und Ägypten verantwortlich. Als Konzernstratege wickelte er die Integration des ägyptischen Baukonzerns Orascom ab. Engere Bande knüpfte er dabei mit Nassef Sawiris von der ägyptischen Gründerfamilie, einem Bruder des Hotelinvestors Samih Sawiris. Nassef Sawiris wurde zunächst in die Lafarge-Führung aufgenommen und ist im neuen Konzernverwaltungsrat unter anderem für ­Olsens Salär zuständig.

Vor seinem Antritt sprach Olsen mit Holcim-Grossaktionär Thomas Schmidheiny und Dieter Spälti, dessen Leiter des Family Offices. Beide waren vom Neuen spontan angetan. Mit Schmidheiny, Spälti und Sawiris hat er somit fürs Erste gewichtige Fürsprecher im neuen Verwaltungsrat. VR-Präsident Wolfgang Reitzle wird sein wichtigster Ansprechpartner sein.

Zu seinem internationalen Beziehungsnetz in der Wirtschaftswelt zählt Olsen den Schweizer Ex-Shell-Chef Peter Voser (heute VRP bei ABB), den schwedischen Industrieberater Gunnar Brock sowie den deutsch-kanadischen Ex-Sanofi-Chef Christopher Viehbacher.

Die Gegner

Nach einer nächtlichen Krisensitzung im April war Olsens früherer Chef Bruno Lafont auf Druck von Holcim-Aktionären als Kandidat für den CEO-Posten des neuen Konzerns aus dem Rennen genommen worden. Verlierer Lafont war wohl nicht der richtige Mann, um die zwei Unternehmenskulturen zusammenzubringen. Er wurde stattdessen Co-Chairman von LafargeHolcim. Der Franzose, so lautete die Unternehmenserklärung, war mit dieser Lösung hochzufrieden. Im wahren Konzernleben dürfte Lafont ein wachsames Auge auf Olsen werfen. «Olsen ist der Mann, der immer alles möglich macht», lobte Lafont. Die Ziele sind also hoch gesteckt.

Grösseres Misstrauen kommt vom zweitgrössten Aktionär, Filaret Galtschew vom russischen Konglomerat Eurocement. Galtschew, ein Milliardär mit georgischen Wurzeln, hintertrieb die Fusionspläne lange Zeit. Man sagt, er kenne in geschäftlichen Fragen nur wenig Harmoniebedürfnis. Ein natürlicher Gegner bleibt der Deutsche Bernd Scheifele, Chef von HeidelbergCement, dem nächstgrössten Wettbewerber auf dem Weltmarkt. Und in Paris wird künftig Wirtschaftsminister Emmanuel Macron darüber ­wachen, dass LafargeHolcim das Mutterland nicht im Stich lässt.

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