Armin und Conrad Meyer sind Unikate in der Schweizer Wirtschaftswelt – weil es sie zweimal gibt. Sie sehen einander sehr ähnlich, ihre Stimmen sind zum Verwechseln gleich, und der eine tut vieles, was der andere auch gerne mag. Beide tragen edle Uhren der Marke IWC. Beide gleiten, wenn es die Zeit erlaubt, auf ihren Harleys durch die Gegend. Und beide haben sich kürzlich – beinahe unheimlich – zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten und völlig unabhängig voneinander Mountainbikes desselben Modells erstanden. Das alles ist kein Wunder, denn wenn der eine erfolgreiche Meyer in den Spiegel schaut, lacht ihm der andere entgegen: Armin und Conrad Meyer sind 52 Jahre alt und eineiige Zwillinge. Und doch sind sie verschieden. Conrad ist 15 Minuten älter als sein Bruder und ist – er quittiert es mit einem schallenden Lachen – ärmer an Kopfhaaren. Doch es gibt frappierendere Unterschiede.

Die Meyers haben in den letzten Wochen und Monaten auf komplett verschiedenen Plattformen der Schweizer Wirtschaftslandschaft von sich reden gemacht. Armin Meyer ist seit Anfang dieses Jahres als Verwaltungsratspräsident und CEO an der Spitze des Schweizer Bluechips Ciba Spezialitätenchemie für besseres Wetter verantwortlich. Der Nachfolger von Rolf A. Meyer will dem Basler Novartis-Sprössling in schwierigem Geschäftsumfeld zu mehr Tempo und mehr Härte verhelfen. Die Börse goutiert dies bis anhin, der Kurs steigt wieder. Bruder Conrad seinerseits ist seit Anfang Mai Verwaltungsratspräsident der Neue Züricher Zeitung und damit Nachfolger von Eric Honegger. Der Professor und Direktor am Institut für Rechnungswesen und Controlling der Universität Zürich gilt als einer der bedeutendsten Rechnungslegungsspezialisten der Schweiz. Noch bis Ende Jahr wird er als Uni-Prorektor den Umbau des Bildungsinstituts leiten. Bei der Neue Züricher Zeitung ist er gleich mit Entschlossenheit gestartet – zwei Wochen nach dem Antritt gab das Haus an der Falkenstrasse für nächstes Jahr die Lancierung einer Sonntagszeitung bekannt.

Die Freunde
In erster Linie stehen sich die Familien der Geschwister nahe. Die beiden Ehefrauen kennen und schätzen sich, die Kinder sind befreundet und gehen gerne zusammen aus – Armin hat einen Sohn (19) und eine Tochter (16), Conrad eine Tochter (19). Selbst in die Ferien fährt das meyersche Familieduo gerne siebenköpfig. So war es im vergangenen Herbst in Dubai, als Conrad seinen Bruder Armin dazu ermutigte, bei der Ciba den Posten des CEO anzunehmen. Eng mit Armin Meyer befreundet ist Gerhard Isler, Herausgeber der Zeitung «Finanz und Wirtschaft», die seit kurzem der Tamediagehört. Mit Islerteilt Armin seine Leidenschaft für Motorräder. Sehr guten Kontakt pflegt der Ciba-Chef ausserdem mit Ernst Tanner, dem CEO von Lindt & Sprüngli. Conrad Meyer zählt den Rektor der Universität Zürich, den Theologen Hans Weder, zu seinen Freunden im Berufsleben. Ebenfalls in seinem Freundeskreis bewegt sich Andreas Schmid, Verwaltungsratspräsident von Unique Zürich Airport und CEO von Barry Callebaut.

Die Geschäftskollegen
Armin Meyer pflegt regelmässige Kontakte zu seinen Branchenkollegen Daniel Vasella von Novartis und Franz B. Humer von Roche. Andres Leuenberger ist ihm verbunden durch sein Mitmachen im Vorstand von Economiesuisse. Rolf Hüppi schliesslich hat ihn in den Verwaltungsrat der «Zürich» geholt. «Es ist faszinierend, Einblick in die Finanzwelt zu haben. Ich kann nur lernen», sagt Armin Meyer dazu. Dieser Schritt entspricht dem Mann, der sich einem lebenslangen Lernen verschrieben hat. Sein Bruder Conrad kam vor vier Jahren nach einem Anruf Ulrich Bremis zum Verwaltungsrat der Neuen Züricher Zeitung, wo er heute unter anderen mit Robert A Jeker, Hannes Goetz, Jean-Daniel Cornaz (VR-Präsident Vetropack, VR Baumgartner Papiers) und Franz Steinegger (Suva, Expo.02, Schweizerischer Tourismusverband) zusammentrifft. Er sitzt in sechs weiteren Verwaltungsräten: Adecco, ATAG Asset Management, Crealogix (notiert am Swiss New Market), LGT, BDO Visura und Jacobs. Obwohl ihre Beziehungsnetze imposant sind, sagen die Zwillinge unisono von sich, dass sie die Unabhängigkeit lieben und sich diese bewahren wollen. Klüngel hassen sie, grosse Auftritte sind ihnen zuwider. Mehr gilt für sie, was Conrad Meyer über den Grund seiner Berufung in den NZZ -VR sagt: «Ich bin da, weil meine Kenntnisse gefragt sind.»

Die Vorbilder
Die Meyer-Brüder schlugen einst im Abstand von zwei Jahren eine Offizierskarriere ein, die sie bis in den Generalstab führte. Conrad diente bei der Infanterie, Armin bei der Luftwaffe. Aus dem Militär stammt denn auch Conrad Meyers heutiges Vorbild: Ulrico Hess, Kommandant des Feldarmeecorps 4 und damit Chef von 87 000 Mann. Was Hess für Conrad, ist Percy Barnevik für Armin Meyer. Der Schwede war als CEO von ABB sein direkter Vorgesetzter. Armin Meyer verbrachte vor seinem Wechsel nach Basel 25 Jahre im ABB -Konzern und wirkte ab 1995 in der Konzernleitung (zuletzt als Leiter des Segments Building Technologies). Percy Barnevik imponiert Armin mit seinen Kommunikations- und Motivationsfähigkeiten. Mit Baden verbunden ist ein zweiter Name, der Armin schwer beeindruckt hat: Fritz Leutwiler, der letzte Verwaltungsratspräsident vor dem Merger.

Die Mentoren
Armin und Conrad Meyer sind nicht die eineiigen Zwillinge, die sich identisch kleiden und gemeinsam denselben Weg gehen. «Wir haben uns immer bewusst unterschieden», sagt Conrad Meyer. Er schlug den Weg zu den Ökonomiewissenschaften ein und trieb seine Studien bis zur Professur voran. Sein technikbegeisterter Bruder Armin hingegen besuchte die ETH in Zürich, wurde Elektroingenieur, ebenfalls Dozent (was er während 14 Jahren bis 1995 blieb) und Titularprofessor. Differenzierung war den beiden stets wichtig. Deshalb kennen sie kaum gemeinsame Geschäftsfreunde und Mentoren. Wohl profitierte Armin Meyer als ABB -Mann von der väterlichen Förderhand eines Hansruedi Bill, Conrad Meyer jedoch hatte mit diesem nichts zu tun. Eine Ausnahme bestätigt die Regel: ihre Eltern. In Zürich Oerlikon hatte der Vater, Kriminalpolizist, seine beiden Kinder anhand «klaren Standards» (sagt Armin Meyer) erzogen. Der inzwischen verstorbene Wachtmeister und stellvertretende Leiter des unfalltechnischen Dienstes der Stapo lehrte die Söhne Freude an der Eigenverantwortung tragen. Wichtigste Ansprechpartnerin der beiden – den jeweils anderen ausgenommen – war und ist jedoch stets die Mutter.
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