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Andreas von Planta: Der Strippenzieher

Als «ruhig, respektvoll, loyal» beschreibt Andreas von Planta sich selber.  Keystone

Er zog schon den Verkauf von Serono an Merck durch. Jetzt fädelte Andreas von Planta den ­Verkauf der Nationale Suisse an die Helvetia Versicherungen ein. Still und diskret – wie immer.

Von Ruedi Arnold
22.07.2014

«Jede M&A-Transaktion ist anspruchsvoll, und ich habe in meiner beruflichen Aktivität eine Vielzahl betreut», sagt ­Andreas von Planta (59), VR-Präsident der ­Nationale Suisse. Was er im Juli ankündigte, war eine der ­kleineren. Die Helvetia Versicherungen wollen die Basler ­Konkurrentin übernehmen. Von Planta hatte zwar immer ­wieder betont, die Nationale werde eigenständig überleben können. Mit den Veränderungen im Aktionariat war ihre Situation aber unhaltbar geworden. Die Mobiliar hatte ihren Anteil auf gut 19 Prozent aufgestockt, Helvetia auf über 18, die Baloise auf 10 Prozent. Drei Konkurrenten als Besitzer, das konnte auf die Länge nicht gutgehen. Die Lage habe Mitarbeitende und Kunden verunsichert, das Tagesgeschäft belastet und das ­Management abgelenkt, sagt von Planta.

Unterstützt von Hans Künzle, CEO der Nationale, analysierte von Planta die Offerte und kam zum Schluss, dass sie die bestmögliche war. Helvetia zahlt 80 Franken pro Aktie, fast 1,5 Milliarden Franken insgesamt, und wird damit zum drittgrössten Versicherer der Schweiz. Der ­Verwaltungsrat der Nationale habe sich schliesslich einstimmig für das Angebot von Helvetia entschieden.

Die Mitstreiter

«Die speziellste Transaktion war vielleicht der Verkauf der Serono an Merck», sagt Andreas von Planta über seine Erfahrungen als Wirtschaftsanwalt. Damals, 2007, fädelte er den Deal ein. Über 16 Milliarden Franken zahlte der Konzern aus Darmstadt der Familie Bertarelli für das Schweizer Biotechunternehmen. Das Mandat für die Übernahme erteilte Ernesto Bertarelli der ­Anwaltskanzlei Lenz & ­Staehelin. Deren Partner Andreas von Planta war der Richtige für den Deal. Der «Charters & Partners Global ­Guide» bezeichnet ihn als ­«einen der erfahrensten Wirtschaftsanwälte der Schweiz: ‹He’s just excellent.›» Und damit prädestiniert, als Verwaltungsratspräsident der Nationale auch den jüngsten Deal in der Schweiz über die Bühne zu bringen. Mit dem CEO der Nationale, Hans Künzle, versteht er sich bestens. Ebenso mit Verwaltungsrat Peter Merian, wie von Planta Mitglied des Basler «Daig», des ­Stadt­adels, und früher CEO der Basler Bank Sarasin. Den Berufs­kollegen Balz Hösly von der Kanzlei MME Partners in Zürich, der oft als Freund von ihm genannt wird, habe er nicht einmal gekannt, ­bevor er in den Nationale-Verwaltungsrat kam, sagt von Planta. ­Umso besser versteht er sich heute mit ihm.

Die Gegner

Ein Mann wie Andreas von Planta hat keine Feinde. Als «ruhig, respektvoll, loyal» beschreibt er sich selber. Genauso sehen ihn jene, mit denen er zum Teil seit Jahren in Verwaltungsräten sitzt. Kontrahenten, ja, die gibt es. Der langjährige Baloise-VR-Präsident Rolf Schäuble wollte Nationale Suisse unbedingt enger umarmen, als dieser lieb war. An einer Generalversammlung stimmte Baloise trotzig Nein, als es um die Zustimmung zur Schaffung von bedingtem Natio­nale-Kapital ging. Bezeichnend für das angespannte Verhältnis ist zudem, dass von Planta die Baloise stets ausdrücklich nicht als Kernaktionärin bezeichnete, trotz deren Kapitalanteil von zehn Prozent. Eher distanziert ist auch das Verhältnis zu Urs Berger, dem Verwaltungsrats­präsidenten der Mobiliar. Erst kürzlich sagte dieser, er wäre sofort bereit, mit der Nationale strategisch-finanziell stärker zusammenzugehen. Da die eigentliche Hochzeit von Helvetia und Nationale erst im Oktober perfekt werden kann, wird Berger noch ein ­gewichtiges Wort mitreden. Immerhin hält seine Gesellschaft fast ein Fünftel der Nationale-Aktien.

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