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André Béchir: Der Unersetzliche

Zum neunten Mal holte mittlerweile André ­Béchir die Rolling Stones in die Schweiz.  Keystone

André Béchir wollte sich zurückziehen. Doch der Konzertveranstalter startete nochmals durch. Er bleibt der Doyen der Branche.

Veröffentlicht 24.06.2014

Als am 1. Juni die Rolling Stones im Zürcher Letzigrund rockten, war das auch ein Zeichen für die Bedeutung von André ­Béchir (65). Zum neunten Mal hat der bedeutendste Schweizer Konzertveranstalter die britischen Rock-Opas in die Schweiz gebracht. Béchir mit seiner kleinen Firma ABC Production und nicht etwa der während langer Jahre von ihm geprägten Good News gelang der Coup, die Stones nach Zürich zu holen.

Die Episode zeigt, wie wichtig die persönlichen Beziehungen im Konzertbusiness sind. Béchir hegt und pflegt diese seit mehr als 40 Jahren. Kaum war er bei Ringier weg, verkaufte der Verlag seine Good-News-Beteiligung. Béchir, der es nach seinem Abgang bei Good News vor zwei Jahren ruhiger angehen wollte, startete kurz darauf nochmals mit ABC Production durch – ein Konkurrenzverbot gab es nicht.

Béchir sei mit allen Wassern gewaschen, sagen langjährige Begleiter. So ist der schlaue Fuchs beim Ringier-Festival Moon and Stars, das er selbst aufgebaut hat, die zentrale Figur. Er macht für das im Juli stattfindende Festival Booking und Organisation vor Ort, Good News bleibt das Ticketing. Im Hallenstadion führt er dieses Jahr 25 Veranstaltungen durch – so viele wie kein anderer Player. Darunter sind Konzerte der Superstars Pharrell Williams und Lady Gaga.

Die Freunde

Showbusiness, Wirtschaft und Politik: André Béchir ist bestens vernetzt. Besonders schätzen gelernt hat er den heutigen Economie­suisse-Präsidenten Heinz Karrer. «Er war mein Förderer als Ringier-Schweiz-Chef. Wir sind heute enge Freunde.» Die Musik verbindet ihn mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler, der ein grosser Rolling-Stones-Fan ist. Mit den Stones um die Frontmänner Mick Jagger und Keith Richards hat er in all den Jahren ein gutes Verhältnis aufgebaut. Zu ihrer Hochzeit eingeladen haben ihn die in Küsnacht ZH lebende Rockröhre Tina Turner und ihr Mann, der Musikmanager (EMI ­Records) Erwin Bach. Béchir hat ein Ferienhaus in Davos und ist ein grosser Fan des dortigen Hockeyclubs. Dessen Trainer Arno Del Curto schätzt er sehr. Mit Urs Kessler, Chef der Jungfraubahnen, und Mammut-Chef Rolf Schmid geht er öfters in die Berge. Vor Jahren, am Swiss Economic Forum, erklommen die drei Freunde morgens um vier Uhr zusammen die Jungfrau. Über das von ihm aufgebaute Festival Moon and Stars in Locarno ist Béchir eng mit der Stadtpräsidentin Carla Speziali verbunden. Im Festivalbetrieb kann er es gut mit Carlo Bommes, Chef von Appalooza Productions (Gurtenfestival), sowie Thomas Dürr von Act Entertainment (Greenfield Festival). Mit Bundesrat Ueli Maurer ging er in Hinwil ZH zur Schule («Ich möchte sein Departement nicht geschenkt haben»), und mit SVP-Mann ­Adrian Amstutz verbrachte er die grünen Ferien.

Die Gegner

André Béchir ist mittlerweile zum Konkurrenten seines eigenen Lebenswerkes geworden. Béchir, die treibende Kraft hinter der Event-Agentur Good News, war bis 2012 als Senior Adviser für Ringier tätig. Danach verabschiedete er sich und baute ab 2013 ABC Production auf. Seither herrscht zwischen Béchir und Good-News-Chef Gérard Jenni Eiszeit. «Jeder geht seinen eigenen Weg», sagt Béchir bloss. Über Jahre war Ringier an Good News beteiligt, bevor der Verlag sich 2013 vom Event-Veranstalter trennte. Béchir ging bereits 2008 als Geschäftsführer von Bord. Keine Luftsprünge machte der damalige Ringier-CEO Martin Werfeli, der als Good-News-Präsident amtete. Doch mit dem heutigen Ringier-CEO Marc Walder trifft er sich regel­mässig zum Austausch. Freddy Burger, Ende der 1970er Jahre Béchirs Partner bei Good News, zählt heute zu Béchirs Konkurrenten. Die beiden würden nicht zusammen zu Mittag essen, sagen Bekannte. Die Konzertveranstalterin DEAG von Peter Schwenkow, der heute Good News besitzt, ist die grösste Rivalin der CTS Eventim, zu der Béchirs ABC Production zählt.

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