Der Mann hat Fusionserfahrung. Nach dem Zusammenschluss von Ciba und Geigy in den siebziger Jahren sah es so aus, als würden die Geigy-Leute die Oberhand behalten. Der Cibaner Alex Krauer wurde unter der schützenden Hand des Geigy-Mannes Louis von Planta zunächst Konzernleitungs- und dann Verwaltungsratspräsident, aus Ciba-Geigy wurde Ciba. Nach der Fusion mit der Sandoz zur Novartis hiess es, nun würden die rüden Macher vom anderen Rheinufer den Ton angeben, und die bilanz schrieb Alex Krauer ins Stammbuch, für Manager wie ihn würde es «sehr eng» werden. Das war im April 1996. Mittlerweile ist Alex Krauer als VR-Präsident neben Daniel Vasella die prägende Persönlichkeit der Novartis. Als es in der UBS derart drunter und drüber ging, dass VR-Präsident Mathis Cabiallavetta den Hut nehmen musste und man nach einer vertrauensbildenden Persönlichkeit fahndete, verfiel man sehr schnell auf Alex Krauer. Der nahm den Job an, wenn auch nur interimistisch, bis er einen valablen UBS-Päsidenten gefunden habe. Da kann er lange suchen. Denn Persönlichkeiten seines Ranges, die Härte, soziale Verantwortung, den Blick fürs Detail und für das grosse Ganze in sich vereinen, sind rar. Sie mögen aus einer vergangenen Zeit stammen - aber wenn die derzeitigen Tempomacher den Karren gegen die Wand gefahren haben, dann braucht man sie allemal. Von Gerd Löhrer

Weggefährten
Wer etwas über das Privatleben von Alex Krauer erfahren will, seine Familie und seine Freunde, beisst auf Granit. Der Mann schirmt sein Privatleben ab. Zwei Töchter und fünf Enkel, Wohnsitz in Riehen, Spaziergänge mit dem Hund - das war’s dann auch schon. Einzig mit seinen Enkeln zeigt er sich gerne, besonders, wenn sie sich zum Beispiel als talentierte Seiltänzer im Quartierzirkus präsentieren. Sonst aber hält er sich von öffentlichen Belustigungen fern. Sein Freundeskreis, sofern man ihn kennt, ist auf das berufliche Umfeld beschränkt. Heini Lippuner, langjähriger Weggefährte und ehemaliger CEO der Ciba, gehört dazu, ebenso Walter von Wartburg, Kommunikationschef bei Novartis, dem Krauer in Kommunikationsfragen fast blindlings vertraut. Auch Schweiz-Chef Hans Kindler und Agro-Chef Wolfgang Samo gehören zum engeren Kreis. Zu seinen langjährigen Kollegen und Förderern gehört auch Louis von Planta (für einmal ein Geigy-Mann), der ihm den Weg an die Novartis-Spitze ebnete. Und sein geistiger Vater ist sein verstorbener Professor Edgar Salin, wahrscheinlich der letzte Universalgelehrte, der an der Universität Basel wirkte. Von ihm übernahm Krauer die Erkenntnis, dass die Ökonomie zwar wichtig, aber nicht das einzig Wichtige für die Menschen ist.

Chemie-Entourage
Nachdem der ehemalige Sandoz-Patron Marc Moret aus dem Rampenlicht verschwunden ist, kommt nun Alex Krauer so etwas wie die Rolle des Grand Old Man der Chemieindustrie zu. Zu seinem engsten Mitarbeiter, Novartis-CEO Daniel Vasella, der seinerseits mit einer Nichte Morets verheiratet ist, pflegt er einen geschäftsmässig-freundlichen Umgang. Von sozusagen väterlichen Gefühlen gegenüber dem Jüngeren mag Krauer nichts wissen. Die beiden haben ihre Rollen genau definiert und halten nach aussen wie Pech und Schwefel zusammen. Wobei sich langjährige Insider wundern, dass nicht das geringste über einen allfällig schief hängenden Haussegen nach aussen dringt. Offenbar bilden die beiden Novartis-Chefs ein harmonisierendes Tandem. Um etliches distanzierter ist die Beziehung zur grauen Eminenz im Hintergrund, Marc Moret. Der pflegte die Ciba-Leute stets mit «ces gens-là» zu bezeichnen, was doch auf einige Geringschätzung hindeutet. Zum Chef der Basler Kollegialfirma Hoffmann-La Roche, Fritz Gerber, pflegt Krauer eine freundlich-respektvolle Beziehung. Und selbst sein sozialpolitischer Widerpart, der Chemiegewerkschafter Hans Schäppi, zollt Alex Krauer Respekt - auch wenn dieser durch die seit der Fusion härtere Gangart zwischen den Sozialpartnern gelitten haben dürfte.

Banken-Entourage
Im Bankwesen spielt Alex Krauer sozusagen von Amtes wegen eine wichtige Rolle - der jeweilige Ciba-Verwaltungsratspräsident ist seit jeher als Vizepräsident des Bankvereins gesetzt. Erstmals wird der Chemievertreter nun gezwungen, in der Grossbank eine aktive Rolle zu übernehmen. Und die wird er erfolgreich bekleiden, meint ein Kollege: «Wenn er die Verantwortung übernimmt, dann richtig.» Zumal Krauer, zusammen mit seinem SBG-Widerpart Markus Kündig, auch am Zustandekommen der Bankenfusion beteiligt war. Dass er selber kein Bankeninsider ist, könne ihm zum Vorteil gereichen. Er darf ungeniert fragen. Und das könnte manchem der schnellen Banker, allen voran Marcel Ospel, womöglich gar nicht gefallen. «Alex Krauer», sagt ein VR-Kollege, «ist ein scharfer Denker, und sehr hartnäckig im Fragen.»

Polit-Entourage
Schon immer dachte Alex Krauer über die Chemiewelt hinaus. Entsprechend gut versteht er sich mit anderen Unternehmern, die auf der gleichen Wellenlänge denken, wie David de Pury oder Stephan Schmidheiny. Auch der Roche-Kollege Andres F. Leuenberger, der sich in Spitzenverbänden engagiert, findet seinen Beifall. Gute Drähte unterhält er zu den Bundesräten Flavio Cotti und Kaspar Villiger. Im lokalen Bereich pflegt er die Beziehung zu Finanzdirektor Ueli Vischer. Überdies ist Alex Krauer Mitglied des Basler Universitätsrats, wo er ein integrierendes Element ist. Wenn er seine Beziehungen zugunsten der Universität spielen lässt, dann geschieht das, ohne dass man erfahren würde, wie er das gemacht hat. «Die Leute im Universitätsrat», sagt dessen Präsident Rolf Soiron, «schätzen ihn ohne Ausnahme sehr.»
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