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Zukunfts-Technologie: Sterben ist bald passé

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Der Nutzen von Anti-Aging-Therapien ist sehr umstritten, dennoch explodiert der Markt.

Von Daniel Meierhans
19.12.2008

Die heute ins Pensionsalter kommenden Babyboomer werden praktisch unendlich lange leben können. So will es die Prognose der American Academy of Anti-Aging Medicine (A4M), einer Non-Profit-Organisation, in der über 20  000 Ärzte und Wissenschaftler organisiert sind. Demnach steigt das durchschnittlich erreichbare Alter von heute rund 85 Jahren bis 2070 stetig auf über 150 Jahre an. Möglich machen sollen dies in einer ersten Phase Hormontherapien, welche die Alterungsprozesse verlangsamen, sowie Enzyme und Antikörper, die in unserem Körper Altersablagerungen wie Alzheimer-Plaque auflösen. Später würden Stammzell- und Gentherapien die Lebenszeit weiter verlängern, wie Aubrey de Grey, Gründer der Methuselah Founda­tion, an der 4.  European Futurists Conference in Luzern vorrechnet.

Und wer kann, wird sich die Möglichkeit der ewigen Jugend einiges kosten lassen. Bereits heute werden weltweit mehr als 60 Milliarden Dollar für Produkte ausgegeben, die das Altern zu bremsen versprechen. 2010 sollen es gemäss Studien von Global Industry Analysts über 115 Milliarden Dollar sein. Mit dem Anstieg der Lebenserwartung vermehrt die Industrie ihre Kundschaft sozusagen selber. Statt für unsere Altersvorsorge zu sparen, werden wir künftig in regenerative Medizinmethoden investieren, die uns ewig jung und arbeitsfähig halten, so das ­Szenario von de Grey. Die Methuselah ­Foundation finanziert sich heute durch grosszügige Spenden – etwa von PayPal-Gründer Peter Thiel.

In der Schweiz kann die Fachmedizin mit solchen Visionen wenig anfangen. «Das Ganze ist vor allem Marketing», stellt Adrian Rüegsegger vom Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) klar. Das TA-Swiss kommt in einer Studie zu den Mythen und Chancen der Anti-Aging-Medizin zum Schluss, dass es derzeit noch wenig Gewissheit für die Wirkung der Behandlungen gebe und dass die Stammzell- und Gentherapien noch im Experimentierstadium steckten. Die Altersmedizin sei bei uns bisher aber vielleicht auch zu konservativ gewesen, so Rüegsegger weiter. In Zukunft sei eine präventive Einnahme von Medikamenten durchaus denkbar, wenn die Wirkung belegt sei.

Wie schnell sich die medizinischen Rahmenbedingungen ändern können, zeigt das Beispiel der Abgabe von Sexualhormonen an ältere Männer. In diesen Tagen haben internationale Gremien festgestellt, dass etwa 20 Prozent der Männer über 65 Jahre einen zu tiefen Testosteronspiegel haben. Die Folgen sind Depressionen, Müdigkeit und Libidoverlust. Parallel dazu berurteilen die Gremien das Krebsrisiko durch eine Behandlung als weit geringer als bisher angenommen. ­Testosteron ist eines der Hormone, welche die Anti-Aging-Mediziner einsetzen.

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