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Klassik 
Wie das Lucerne Festival mit Humor überzeugen will

Wird mit einem eigenen Festivaltag geehrt: Komponist und Dirigent Pierre Boulez.  Keystone

Es ist der grösste Klassik-Anlass der Schweiz: Beim diesjährigen Lucerne Festival dreht sich alles um Humor. Vor allem neue Festivalbesucher sollen so angelockt werden.

Veröffentlicht 07.08.2015

Dass klassische Musik voller Witz und Pointen ist, zeigt Lucerne Festival im Sommer. Vom 14. August bis 13. September widmet es sich schwergewichtig dem Humor. Zudem gratuliert es ausführlich dem Dirigenten und Komponisten Pierre Boulez zum 90. Geburtstag.

Rund 120 Veranstaltungen listet das diesjährige Festivalprogramm auf. Rückgrat bilden erneut die über 30 Sinfoniekonzerte. Dazu kommen Opern, Meisterkurse, Rezitals, Vorträge und Spezialkonzerte, etwa Debutkonzerte, Sitzkissenkonzerte für Kinder, Late-Night-Konzerte für Nachtschwärmer oder Gratisangebote wie «40min» oder Lounge für solche, die sich an die klassische Musik herantasten wollen.

Lucerne Festival versucht seit einigen Jahren, mit neuen Angeboten jüngere und neue Festivalbesucher zu gewinnen. Das diesjährige Festivalthema «Humor» könnte anziehend auf die wirken, die Klassik bislang als zu ernsthaft und steif eingestuft und deshalb gemieden haben.

Mani Matters Witz

Einen Beitrag zum musikalischen Humor leisten wird «composer-in-residence» Jürg Wyttenbach. Er komponierte Lieder zu Texten von Mani Matter. Wyttenbach hat auch das Libretto «der Unfall» vertont, das Matter einst für ihn geschrieben hatte. Dieses Madrigalspiel kommt am 21. August zur Uraufführung.

Auch die alte Musik hat Heiteres zu bieten. So spielt das Ensemble Les Passions de l'Ame am 30. August «barocken Schabernack». Das Motto zeigt sich ferner in Igor Strawinskys Ballettmusik (24. August und 4. September) oder in Giuseppe Verdis Oper «Falstaff», die die Bamberger Symphoniker am 26. August konzertant spielen.

Humor in seinen verschiedenen Spielarten ist auch in den Sinfoniekonzerten zu erwarten: bitterbös etwa in Dmitri Schostakowitschs Abrechnung mit Stalin (31. August), schräg und skurril in der von Simon Rattle aus Sätzen von Joseph Haydn zusammengestellten «symphonie imaginaire» (2. September).

Geburtstagsfeier mit neuen Klängen

Am 23. August feiert Lucerne Festival den Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez, der im März 90 Jahre alt geworden ist. Boulez, der mit der Lucerne Festival Academy eine Meisterschule für Neue Musik geschaffen hat, wird mit einem eigenen Festivaltag geehrt, an dem Studierende der Academy elf Konzerte bestreiten. Neben Werken des Jubilaren werden auch acht Uraufführungen verschiedener Komponisten gespielt.

Ins Licht gerückt wird dieses Jahr am grössten Klassik-Anlass der Schweiz ferner die deutsche Geigerin Isabelle Faust. Als «artiste étoile» bestreitet sie drei Sinfonikonzerte, ein Rezital, ein Konzert mit alter Musik sowie ein Late-Night-Konzert.

Der zweite «composer-in-residence», Tod Machover, präsentiert am 5. September mit dem Lucerne Festival Academy Orchestra «Eine Sinfonie für Luzern», eine Sinfonie, die den Sound der Stadt wiedergeben soll.

Parade grosser Orchester

Dem Lucerne Festival Orchestra obliegt es auch 2015, das Festival zu eröffnen. Erstmals wird es von Bernard Haitink dirigiert. Bei zwei weiteren Konzerten des Orchesters wird Andris Nelsons am Pult stehen. Wer die Leitung des Festivalorchesters und somit die Nachfolge des 2014 verstorbenen Claudio Abbado übernehmen wird, ist noch offen.

In Luzern kommen auch in dieser Festivalausgabe viele grosse Orchester aus der ganzen Welt zum Auftritt, etwa aus San Francisco und Boston, Amsterdam und St. Petersburg, aus Berlin, Dresden oder Wien. Auch Schweizer Formationen fehlen nicht, so die Festival Strings Luzern, das Luzerner Sinfonieorchester, das Kammerorchester Basel, die Basler Madrigalisten, die Junge Philharmonie Zentralschweiz oder die Alpini Vernähmlassig.

(sda/ccr)

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