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Top Ten: 20 Milliarden für Ikea

Ingvar Kamprad
Ingvar Kamprad

103 Milliarden Franken! Eine gewaltige Summe – die sich allein auf die zehn Reichsten in der Schweiz verteilt. Und zwar auf fünf Eingeborene und fünf Zugezogene. Der Reichste ist, wie seit Jahren, Ikea-Besitzer Ingvar Kamprad.

Von red
29.11.2005

Ingvar Kamprad | VD

Möbelhandel, Finanzgeschäfte
20 –21 Milliarden

Offenbar verfügt derzeit der jüngste der drei Söhne von Ikea-Möbelhaus-Patriarch Ingvar Kamprad (79) über das grösste Vertrauen des Vaters: Nesthaken Mathias Kamprad (36) wird nämlich bei der Luxemburger Gesellschaft Ikano im neunköpfigen Board of Directors als Primus aufgeführt. Die Brüder Jonas (38) und Peter Kamprad (41) sind zwar gleichfalls aufgelistet, aber exakt in dieser Reihenfolge. Und damit entpuppt sich die Reihung eben als weder chronologisch noch alphabetisch. Der alte Schwede und bekennende Wahlschweizer Ingvar Kamprad zeigt so bei Ikano, wie und was er ist, nämlich Senior Adviser. Wenn Ikano auch kaum einem breiteren Publikum geläufig ist, gilt diese Société anonyme als das eigentliche Sparschwein der Familie. Umgerechnet mehr als fünf Milliarden Franken werden allein via Ikano-Fonds verwaltet. Die flüssigen Finanzmittel werden mit zusätzlichen 1,8 Milliarden Euro beziffert. Zum Schattenkonzern mit 3415 Angestellten gehören ferner riesiger Immobilienbesitz, die weniger erfolgreiche Hauseinrichtungs-Kette Habitat, Versicherungen und Banken.

Im Grossherzogtum geschäften erfolgreich auch diverse diskrete Kamprad-Firmen mit Namen Inter Ikea. Da erfolgt das Inkasso aller Gebühren aus Franchiseverträgen und Lizenzen für das Warenzeichen: Inter Ikea kassiert eine gute halbe Milliarde pro Jahr aus aller Herren Ländern, Tendenz steigend, denn gegen 90000 Ikea-Mitarbeitende schraubten die Erlöse im Geschäftsjahr 2004/05 erneut um rund 15 Prozent auf nun 14,8 Milliarden Euro hoch. Um den Warenfluss noch reibungsloser durch Europa zu steuern, plant der Möbelriese gerade ein gigantisches Distributionszentrum. In Dortmund wird Ikea auf rund 800000 Quadratmetern Industriebrache das Mammutlager in die Höhe ziehen.

Familien Oeri und Hoffmann | BS

Pharma
15–16 Milliarden

MabThera, Xeloda, Tamiflu – die Präparate, die aus der Produktepipeline von Roche kommen, klingen nicht nur magisch, sie zaubern auch Geld in die Kasse. Der Basler Pharmakonzern hat die in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre erlittene Schwäche im Produktenachschub überwunden und zu seiner Bestform zurückgefunden. Mit Krebsmedikamenten wie MabThera und Xeloda ist Roche inzwischen weltweit führend. Beim Grippemittel Tamiflu sind aus Angst vor einer Vogelgrippe-Pandemie sogar Hamsterkäufe zu beobachten. Sollte sich Firmenlenker Franz Humer demnächst auf das Verwaltungsratspräsidium zurückziehen, übergibt er seinem Nachfolger ein Unternehmen in blendender Verfassung.

Ernesto Bertarelli | VD

Pharma, Biotechnologie
9–10 Milliarden

Die Familienholding Bertarelli & Cie in Chéserex VD als bisheriges Dach auch der Genfer Biotechnologie-Gruppe Serono wird aufgespalten. Dabei legt die diskrete Gesellschaft erhebliche stille Reserven in einer Grössenordnung von einer dreiviertel Milliarde Franken offen. Sämtliche Beteiligungen aus dem Biotechnologie- und Pharmasektor bringen Mutter Maria-Iris Bertarelli, Sohn Ernesto sowie Tochter Donata Bertarelli Späth ein in eine neue Firma namens Bertarelli Biotech. Das macht – natürlich rein theoretisch – einen Verkauf einfacher. Kompliziert wirkt das Konstrukt an sich. Denn da tauchen auf einmal Briefkästen der Bertarellis auf mit Namen wie Feldon Invest im mittelamerikanischen Panama oder eine Emfeld Limited auf den Cayman Islands. Der Zeitpunkt für einen Ausstieg erscheint allerdings ungünstig. Serono wird nämlich definitiv für das auslaufende Jahr 2005 einen Verlust ausweisen. Die roten Zahlen sind eine bittere Nebenwirkung der saftigen Geldbusse in Höhe von umgerechnet mehr als 900 Millionen Franken, fällig wegen dubioser Verkaufspraktiken beim Aids-Präparat Serostim in den USA. Die Bilanz 2005 wird deshalb einen Fehlbetrag von mehr als 100 Millionen Dollar ausweisen. Der 40-jährige Konzernchef und («Alinghi»-)Teilzeitsegler Ernesto Bertarelli dürfte sich einen weniger turbulenten Start in sein zehntes Jahr an der Serono-Spitze gewünscht haben.

Familie Brenninkmeijer | ZG/BL

Textilhandel, Immobilien, Beteiligungen
9–10 Milliarden

Die Verdoppelung des Filialnetzes durch Übernahme von 30 früheren Oviesse-Läden konnte Norman R. Brenninkmeijer als Schweizer Landeschef der Kleiderkette C&A so gerade noch anpassen. Dann delegierte ihn der Familienrat weiter nach Portugal. Mit ihm schied auch der Deutschland-Chef Dominic Brenninkmeijer als unbeschränkt haftender Gesellschafter der C&A Mode Brenninkmeijer & Cie in Zug aus. Ob die durch die Expansion gestiegenen Umsatzerwartungen im Schweizer Textilhandel eingetroffen sind, wird sich am Silvestertag zeigen. Zum weltweiten Beteiligungsnetz der Brenninkmeijers steuert das helvetische Handelsgeschäft eh nur eine marginale Masche bei.

Die Schweiz an sich und speziell die Niedrigsteuergemeinde Zug gewinnen für den Textilclan an Gewicht. Die am Zuger Grafenauweg angesiedelte Cofra Holding nennt neuerdings sogar Zahlen. Sie dient als Dach für das traditionsreiche Textilbusiness mit 30000 Beschäftigten in 750 C&A-Verkaufsfilialen in Europa und Lateinamerika, für das Immobilienimperium (Redevco) und für immer mehr Investments im Private-Equity-Sektor (Bregal). Die einst wegen ihrer Verschwiegenheit auch «Textil-Trappisten» genannten Brenninkmeijers beziffern allein den Wert ihrer rund 1000 Geschäftshäuser mit sechs Milliarden Euro. Aus der Bregal-Schatulle spendierte der Clan in den zurückliegenden drei Jahren gegen vier Milliarden Franken und stülpte den Zuger Mantel über einige Dutzend zukunftsträchtige Firmen wie Englefield Capital oder Good Energies. Den Cofra-Verwaltungsrat präsidiert der 50-jährige Erik A.M. Brenninkmeijer, assistiert vom Delegierten Stanislaus H.M. Brenninkmeijer, beide auch privat im Kanton Zug ansässig. Die neue Offenheit führt zwangsläufig zu einer Neubewertung des Gesamtvermögens: von letztjährigen fünf bis sechs Milliarden Franken auf neu neun bis zehn Milliarden. Mindestens.

Familie Latsis | GE

Bank, Fluggeschäft
9–10 Milliarden

Das Vermögen der in Genf logierenden Familie Latsis ist dieses Jahr um einige Milliarden gewachsen. Alleine der Börsengang des Bankhauses EFG International hat viel frisches Geld in die Familienschatulle gespült. Heute hält die EFG Group, die zu 100 Prozent im Besitz der Latsis steht, noch 46,5 Prozent am Zürcher Bankhaus; ein Anteil, der an der Börse einen Wert von fast drei Milliarden Franken hat. Als Juwel im Latsis-Depot glänzt aber unverändert die Beteiligung an der ebenfalls kotierten griechischen Bank Ergasias, die mit fünf Milliarden zu Buche steht. Zum Imperium gehört unverändert die in Genf domizilierte Fluggesellschaft PrivatAir mit etwa 50 erstklassigen Businessjets. Die Airline bedient etwa für die Swiss mit einem 56-sitzigen Jet seit Januar die Strecke Zürich–Newark. Der PrivatAir-Umsatz stieg in den letzten fünf Jahren von 64 auf voraussichtlich rund 220 Millionen für dieses Jahr. Der Highflyer gilt als Börsenanwärter für 2006.

Spiro J. Latsis, Sohn des 2003 verstorbenen Reeders John Latsis, steuert aus Genf alle kommerziellen und finanziellen Interessen der Familie. Klaglos nahm der Clanchef in diesem Sommer hin, dass sich der versammelte Boulevard das Maul verriss über einen liebestollen jungen Latsis. Der – inzwischen abgehalfterte – Freier Paris Latsis, der wochenlang mit der noch schrilleren US-Hotelerbin Paris Hilton Bett und Tisch teilte, ist nur ein Neffe von Spiro J. Latsis. Dieser reagierte aber mit aller Schärfe, als die altehrwürdige Londoner «Times» ihn verdächtigte, in dubiose Schmiergeldgeschäfte rund um den Athener Flughafen verwickelt zu sein. Das Blatt widerrief – und entschuldigte sich in aller Form bei Latsis.

Hansjörg Wyss | BE/USA

Medizinaltechnik
9–10 Milliarden

Die Erfolgssträhne von Hansjörg Wyss scheint derzeit etwas angeknackst zu sein. Innerhalb von 28 Jahren baute er mit Synthes einen 17 Milliarden Franken schweren Medtechkonzern auf, dessen Geschäfte mit dem Verkauf von Schrauben, Platten und Nägeln zur Behandlung von Knochenbrüchen nach wie vor blendend laufen. Doch nun sitzen ihm die Behörden im Nacken. So hat das deutsche Bundeskartellamt ein Verfahren eingeleitet; damit soll überprüft werden, ob Synthes gegen europäisches Kartellrecht verstösst. Untersucht wird das vertragliche Verhältnis zwischen Synthes und der AO-Stiftung, die alle Markenrechte und Patente an den nicht weniger als 35000 Synthes-Produkten hält. Zugleich ist die Medizinaltechnikfirma in den USA mit Smith & Nephew in einen Patentstreit verwickelt. Wyss mag zu diesen Vorgängen keine Stellungnahme abgeben. Sowieso schirmt er sich und zum Teil sogar seine kotierte Firma, an der er die Mehrheit hält, seit Jahren fast hermetisch von der Aussenwelt ab.

Zumindest auf einer anderen Ebene konnte Wyss letztlich Einvernehmen schaffen. Der gebürtige Berner, der dieses Jahr seinen 70. Geburtstag feierte, spendete 20 Millionen Franken für die Abteilung Gegenwartskunst des Kunstmuseums Bern. Die verbindliche Zusage von Wyss erfolgte erst nach langem Hin und Her im Juni 2005, weil er seine Spende mit diversen Auflagen verbunden hat, etwa dem Verbot der Fusionierung des Kunstmuseums mit dem neuen Zentrum Paul Klee. Dieses wurde mittels einer 100-Millionen Spende von Maurice E. Müller erbaut, der bis in die achtziger Jahre Miteigentümer von Synthes war; dann verkrachte er sich mit Wyss und liess sich auszahlen.

Walter Haefner | ZH

Autohandel, Software
8–9 Milliarden

Am 31. Juli dieses Jahres ging eine Epoche zu Ende: Im stolzen Alter von 95 Jahren zog sich Walter Haefner vom Amt des Verwaltungsratsdelegierten der Careal Holding zurück. Sein Sohn Martin, bislang an der Kantonsschule Luzern als Mathematiklehrer tätig, übernimmt nun die operative Geschäftsführung, in die ihn der Vater in den letzten drei Jahren langsam eingeführt hat. Der rüstige Senior freilich lässt es sich nicht nehmen, noch immer jeden Montag ins Büro zu kommen und persönlich nach dem Rechten zu sehen. Schliesslich geht es bei den in der Careal zusammengefassten Beteiligungen um viel Geld: Vier Milliarden Franken ist die Amag wert, die Walter Haefner vor 60 Jahren gegründet hat und die nach wie vor der grösste Schweizer Automobilimporteur ist. Noch einmal so viel an Wert sind zu veranschlagen für die 21,6-Prozent-Beteiligung am amerikanischen Softwarehaus CA. Erfolgreich ist Walter Haefner im Weiteren auch als Pferdezüchter. Über sein jahrzehntelanges Wirken auf dem irischen Gestüt Moyglare ist dieser Tage ein Buch erschienen.

Familie Landolt | VD

Beteiligungen
8–9 Milliarden

Der Tod von Marc-Edouard Landolt am 1. Oktober im Alter von 63 Jahren überschattet den glänzenden Geschäftsgang der Sandoz-Familienstiftung. Der Kursgewinn der Novartis-Titel von 20 Prozent innerhalb nur eines Jahres hat das Gesamtvermögen der Familie Landolt positiv beeinflusst. Neben ihrer Beteiligung von 2,9 Prozent an Novartis – womit sie nach der Novartis-eigenen Pensionskasse grösste Aktionärin ist – hält die Stiftung zahlreiche Beteiligungen bei Finanzdienstleistern (Citco Group), in der Agrochemie (Syngenta), der Telekommunikation (Tiscali, Interoute), der Hotellerie und der Uhrenbranche. Zudem unterstützt der Landolt-Clan kulturelle und wissenschaftliche Tätigkeiten. Stiftungspräsident Pierre Landolt (58) lobt besonders die in den Uhrenmanufakturen Parmigiani Fleurier und Vaucher geleistete Arbeit. Rund 100 Millionen Franken haben die Landolt-Erben im vergangenen Jahrzehnt in diese Sparte investiert und im Sommer das Ziel erreicht: die Herstellung des kompletten Uhrwerks zu beherrschen, einschliesslich der Unruhspirale, des strategischen Herzstücks einer jeden mechanischen Uhr. Die Stiftung will aber noch mehr: Uhrmacher bei Parmigiani und Vaucher tüfteln bereits an weiteren Innovationen.

Fürst Hans-Adam von und zu Liechtenstein | FL

Bank, Beteiligungen, Immobilien, Kunst
6–7 Milliarden

Der Monarch hat sein Haus bestellt: Sohn Alois führt seit einem Jahr als Stellvertreter des Fürsten die Staatsgeschäfte im Ländle. Der zweite Sohn Max übernimmt im Frühjahr 2006 von Onkel Philipp das Zepter bei der LGT, dem Finanzunternehmen derer von Liechtenstein – eine Geldquelle sondergleichen: 70 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen haben sich angehäuft. Allein im ersten Halbjahr 2005 sind der LGT 2,9 Milliarden an Neugeldern zugeflossen. Für dieselbe Periode weist das Institut einen Gruppengewinn von 68 Millionen Franken aus. Als 29. Standort kommt nun Bahrain hinzu, wo die LGT um die angeblich rund 2000 Milliarden US-Dollar Vermögen mitbuhlt, die in der Golfregion gebunkert sind. Die LGT mehrt auch das Anlageportfolio der Fürstenfamilie; dessen Wert wuchs innert sechs Monaten um 300 Millionen Franken auf 2,1 Milliarden. Drei bis vier Milliarden stecken in einer Kustsammlung; hinzu gesellen sich Immobilien, Ländereien, Gutsbetriebe und eine Reis-Produktionsfirma in den Vereinigten Staaten. In der Fürst-von-Liechtenstein-Stiftung befindet sich ein Gesamtvermögen von mindestens sechs bis sieben Milliarden Franken.

Familie August von Finck | TG

Beteiligungen
5–6 Milliarden

Baron August («Gustl») von Finck, Herr auf Schloss Weinfelden im Thurgau,
bleibt auch mit zunehmendem Alter unberechenbar. Sah es jahrelang so aus, als ob des Freiherrn einziges Trachten sei, möglichst all sein milliardenschweres Hab und Gut aus Deutschland in die steuermildere Schweiz zu schleusen, verblüfft der 75-jährige Vater von vier Kindern gegenwärtig mit einem recht kostspieligen Zukauf in der alten, weniger geliebten deutschen Heimat. Vom grössten deutschen Baukonzern Hochtief übernahm von Finck, indirekt über seine Custodia Holding, leicht mehr als fünf Prozent des Aktienkapitals.

Die Reichsten der Kantone

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