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Porzellanhäuser: Tafeln wie die Könige

Die berühmtesten Manufakturen Europas wurden alle im 18. Jahrhundert gegründet.

Von red
29.11.2005

Meissen, gegründet 1710

August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, will hinter das
Geheimnis der Porzellanherstellung kommen. Anfang des 18. Jahrhunderts befiehlt er daher entsprechende Forschungen. 1708/09 gelingt unter Führung von Johann Friedrich Böttger erstmals die Herstellung des weissen Porzellans, worauf auf der Albrechtsburg in Meissen eine Porzellanmanufaktur eingerichtet wird. Ab 1722 werden die dem kursächsischen Wappen entlehnten Kurschwerter zur Markierung des Porzellans genutzt. 1861 bis 1864 erfolgt der Bau der noch heute benutzten Betriebsstätten. 2004 besuchen 330 000 Gäste Meissen, 2005 wird das neue Besucherzentrum eröffnet.

Eigentümerin der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen ist der Freistaat Sachsen. Der Jahresumsatz 2004 beträgt 35,9 Millionen Euro. Meissen hat rund 900 Beschäftigte, davon 450 Porzellanmaler und -gestalter sowie 16 Lehrlinge. 60 Prozent des Umsatzes werden in Deutschland, 40 Prozent auf den Exportmärkten erzielt.

Nymphenburg, gegründet 1747

Im Jahre 1747 führen die Experimente des Hafnermeisters Franz Ignaz Niedermayer und einiger Wiener Handwerker zur Gründung der ersten Porzellanmanufaktur in Bayern. Erster Sitz der Manufaktur ist das ehemalige Jagdschloss Neudeck in der Au. Als Glücksfall für die Manufaktur erweist sich die Anstellung des jungen Bildhauers Franz Anton Bustelli im November 1754. Der geniale Künstler schafft über 150 Figuren als Tafeldekoration. 1900 gewinnt das Jugendstil-Fischservice an der Weltausstellung in Paris den Grand Prix. Prominente wie Elton John oder die Königin Sirikit von Thailand besitzen Nymphenburg-Porzellan.

Eigentümerin der Porzellan-Manufaktur Nymphenburg ist der Freistaat Bayern. 1975 hat der Wittelsbacher Ausgleichsfonds die Pacht der Porzellan-Manufaktur übernommen. Das Unternehmen ist auf dem Weg zu schwarzen Zahlen. Der Anteil des Exportgeschäftes ist 22 Prozent. 68 Handwerker fertigen jährlich rund 25 000 der kostbaren Stücke. Die USA sind neben Deutschland der wichtigste Markt.

Wedgwood, gegründet 1759

Josiah Wedgwood produziert anfänglich in Untermiete bei seinem Onkel John Wedgwood. 1769 eröffnet er nahe Newcastle-under-Lyme ein Zweigunternehmen. 1774 erfolgt die Einführung der typischen Jasperware, eines harten einfarbigen Steinzeugs in Lichtblau, Zartgrün, Gelb, Rosa oder Schwarz.

Wedgwood wird zum Geschirr der Prominenten: Präsident Theodore Roosevelt, Madonna, Kate Moss oder Mick Jagger speisen oder speisten aus einem Wedgwood-Service. 1986 fusioniert Wedgwood mit der irischen Waterford Crystal zur Waterford Wedgwood Plc. 1998 übernimmt die Gruppe 85 Prozent an der Rosenthal AG, und 2005 kommen 90,54 Prozent von Royal Dalton dazu. Die Gruppe ist in über 80 Ländern vertreten und hat gut 9000 Angestellte. Der Umsatz der Gruppe im Jahr 2004 betrug 732,6 Millionen Euro. Waterford Wedgwood ist der grösste Hersteller von exklusiver Keramik und Kristall.

Royal Copenhagen, gegründet 1775

Unter königlichem Patronat wird Royal Copenhagen 1775 in Kopenhagen gegründet. 1779 rettet König Frederick V. die Manufaktur vor dem Ruin. Sie wird in Kongelige Danske Porcelainsfabrik umbenannt.Der bekannteste Entwurf der Zeit ist das exquisite Porzellanservice Flora Danica für die Zarin Katharina die Grosse von Russland.

Royal Copenhagen fusioniert 1975 mit den Holmegaard-Glaswerken, 1986 mit der Georg Jensen Silberschmiede und 1987 mit der Porzellanfabrik Bing & Grøndahl. Sie ist heute ein Teil der Royal Scandinavia Group. Royal Copenhagen hat 475 Mitarbeiter, der Umsatz wird nicht mitgeteilt.

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