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Stiftungen: Reiche Stifter

13,0 Milliarden Franken! Stiftungen erfreuen sich bei den Superreichen einer hohen Beliebtheit als Steuersparvehikel. Der nicht unangenehme Nebeneffekt: So lassen sich Familienvermögen leichter beieinander halten.

Von red
29.11.2005

Ingvar Kamprad | VD

Möbelhandel, Finanzgeschäfte
20–21 Milliarden

Familie Landolt | VD

Beteiligungen
8–9 Milliarden

Familie Hilti | FL

Befestigungs- und Abbautechnik, Beteiligungen, Kunst
3–4 Milliarden

Michael Hilti ist der einzige Familienvertreter im Verwaltungsrat von Hilti, dem weltweit führenden Konzern auf dem Gebiet der Befestigungstechnik. Doch er sieht seine Tage als Chef dieses Gremiums gezählt: Per Anfang 2007 gibt er das VR-Präsidium nach 13 Jahren an Pius Baschera weiter, der dann als Hilti-CEO zurücktritt. «Die Amtszeitbeschränkung gilt auch für die Mitglieder der Familie», sagt Hilti. Er bleibt aber VR-Mitglied und vertritt damit weiterhin die Interessen der vier Hilti-Stämme als Eigentümer.

Hilti präsentiert sich in sehr guter Verfassung. 2005 werden ein Umsatz von 3,6 Milliarden Franken und ein Ebit von 300 Millionen erwartet. Im hart umkämpften Baubereich wächst der Konzern seit Jahren über dem Marktdurchschnitt. Avancen von Kaufinteressenten waren bisher chancenlos: Um den Fortbestand des Konzerns zu sichern, haben die Erben des Firmengründers einen Erbverzicht geleistet und alle Aktien in den Martin Hilti Familientrust eingebracht. Der Trust ist ferner mit 11,2 Prozent bedeutender Minderheitsaktionär der VP Bank in Liechtenstein, die an der Börse 1,2 Milliarden Franken wert ist.

Begünstigte des Trusts – die Familienhabe dürfte drei bis vier Milliarden wert sein – sind die vier Kinder des Firmengründers sowie die Hilti-Familienstiftung. Die Mutter und Miterbin Elisabeth Hilti ist letzten Dezember verstorben. Der Trust alimentiert Stiftungen in den Bereichen Kultur, Soziales, Ausbildung und Wissenschaften. Erstmals wurde dieses Jahr im Kunstmuseum Vaduz ein Querschnitt der Hilti Art Foundation gezeigt, so unter anderem Werke von Bill, Picasso, Klee, Kandinsky und Gauguin.

Otto Beisheim | ZG

Handel, Immobilien
3–4 Milliarden

Im Alter wird Metro-Gründer Otto Beisheim eitler. Galt er jahrzehntelang als mysteriöser Versteckspieler, sucht der 81-jährige Handelspatriarch aus Baar ZG inzwischen offenbar Öffentlichkeit. Ob bei bayrischen Volksfesten oder Beerdigungen am Tegernsee: Beisheim wirkt in der Zweitheimat omnipräsent und weicht längst auch keiner Kamera mehr aus. Bei der Generalversammlung der börsenkotierten Metro sass der verwitwete, kinderlose Patriarch gar erstmals – mit neuer charmanter Begleitung – demonstrativ in der ersten Aktionärsreihe. Der Börsenkurs hat im Jahresvergleich angezogen, wenn auch der gesamte Detailhandel in Deutschland weiter harzt. Drum sucht (und findet?) der Konzern zusätzliche ausserordentliche Gewinnquellen, etwa mit einer Zweitverwertung der Baumarkttochter Praktiker auf dem Börsenparkett. Beim ersten Going-public hatten Kleinanleger zig Millionen mit Praktiker-Titeln verloren. Mutter Metro kaufte die Papiere später billig zurück, kickte vor drei Jahren gar die letzten treu(doof)en Praktiker-Teilhaber per Squeeze-out hinaus. Jetzt dürfen Anleger – mit Kurzzeitgedächtnis – bei Praktiker wieder einsteigen.

Ernst Beyeler | BS

Kunst
2–3 Milliarden

An der «Art» nimmt der prominenteste Mitbegründer inzwischen nur noch als Ehrengast teil. Und die Gewinne, die seine Galerie an der Basler Bäumleingasse abwirft, lässt Ernst Beyeler mehrheitlich in den Betrieb und den gezielten Weiterausbau seines international renommierten Privatmuseums fliessen. Für den Doyen der Schweizer Galeristenszene, von dem es heisst, er interessiere sich nur für Bilder ab 100000 Franken, war der Handel ohnehin stets nur ein Mittel zum Zweck. Die besten Stücke gab der mittlerweile 84-jährige Stargalerist nur in Ausnahmefällen wieder aus der Hand. Zu bestaunen ist das Resultat von Beyelers lebenslangem Qualitätsfetischismus in der gleichnamigen Fondation in Riehen bei Basel: Schlüsselwerke der klassischen Moderne von Kandinsky bis Kelly und von Rodin bis Rothko. Geschätzter Wert der Weltklassesammlung: zwei Milliarden Franken.

Klaus J. Jacobs | GB

Schokolade, Zeitarbeit, Beteiligungen
2–3 Milliarden

Klaus J. Jacobs ist ein Mann der gewählten Worte und der feinen Manieren. Gar nicht fein war hingegen das Vorgehen, das die Mitarbeiter des ihm gehörenden Schokoladeherstellers Barry Callebaut an den Tag legten: Anfang Oktober liessen sie eine zwei Meter grosse Bronzestatue des Bildhauers Gerhard Marcks nahe des Kölner Doms kurzerhand absägen. Die Figur, immerhin eines der wichtigsten Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt Köln, störe die betrieblichen Abläufe der Barry-Callebaut-Tochtergesellschaft Stollwerk, hiess es. Entsprechend gross war die öffentliche Empörung. Barry Callebaut, weltgrösster Schokoladehersteller, wird von Jacobs und seiner Frau Renata zu 69 Prozent kontrolliert und entwickelt sich erfreulich. Über eine Milliarde Franken ist das jacobssche Aktienpaket heute wert. Nicht vom Fleck kommt hingegen Adecco, und das, obwohl Klaus J. Jacobs vor mehr als einem Jahr das Verwaltungsratspräsidium beim weltgrössten Personalvermittler selber übernommen hat. Doch vom zwei Jahre zurückliegenden Bilanzfälschungsskandal, der keiner war, hat sich die Aktie von Adecco nicht mehr erholt. Jacobs’ 11,7-Prozent-Anteil ist mittlerweile 1,2 Milliarden Franken wert. Den Grossteil seines Vermögens hat der 69-Jährige schon vor Jahren seiner gemeinnützigen Jacobs Stiftung überschrieben. Diesen September freilich schichtete Klaus J. Jacobs 3,6 Prozent der Adecco-Papiere zurück in sein Privatportfolio.

Donald M. Hess | GB

Wein, Kunst, Immobilien
400–500 Millionen

Das einstige Kronjuwel seiner Unternehmensgruppe, die Valser-Quelle, hat der Berner «Mineralwasserkönig» vor drei Jahren für 125 Millionen Franken an den amerikanischen Getränkegiganten Coca-Cola verkauft. Kurz zuvor hatte sich Donald Hess bereits vom operativen Geschäft gelöst und dieses – zusammen mit seiner umfangreichen Kunstsammlung – in den Hess Foundation Trust, eine auf der Kanalinsel Jersey domizilierte Familienstiftung, eingebracht. Seither frönt der Berner Gastropionier vorab seinen persönlichen Leidenschaften: edlen Tropfen und zeitgenössischer Kunst. So hat sich der heute 69-jährige Spätaussteiger beispielsweise in Argentinien ein dünn besiedeltes Hochtal von der doppelten Ausdehnung des Fürstentums Liechtenstein zugelegt. Auf einem dazugehörigen Rebberg, angeblich der weltweit am höchsten gelegenen Produktionsstätte für Wein, baut Donald Hess lokale Malbec-Varietäten an und betreibt nebenbei eine mit Gegenwartskunst veredelte Luxusherberge. Ähnlich gelagerte Wohlfühloasen mit integriertem Weinbaubetrieb führt er im kalifornischen Napa Valley, in Südafrika und Australien.

Alexander Ospelt | FL

Fleischspezialitäten, Convenience, Tierfutter
300–400 Millionen

Nichts mag Alexander Ospelt (43), Chef der gleichnamigen Firmengruppe mit Hauptsitz im liechtensteinischen Bendern, weniger als Fragen zu Umsatz und Gewinn. Der Speckkönig – «Mal besser. Malbuner» – aus dem Ländle, Produzent von Fleischwaren, Convenience-Produkten und Tierfutter, liess über seinen Kommunikationsbeauftragten ausrichten, man sei an Berichten über ihre Unternehmungen nicht interessiert! Mit Ausrufezeichen! Kurz darauf wurden die Umsatzanteile nach Produktionsstätten von der Homepage genommen – aus diesen Zahlen lässt sich nämlich auf den Gesamtumsatz schliessen. Im Jahr 2004 wurde die Panetta Holding mit gut 70 Umsatzmillionen übernommen. Hochgerechnet setzt Alexander Ospelt demnach in seinen acht Produktionsstätten mit ungefähr 2000 Mitarbeitenden mehr als 800 Millionen Franken um, annähernd 30 Prozent davon mit Tierfutter. Die stolze Familienhabe von geschätzten 300 bis 400 Millionen Franken ist steuerschonend in der Herbert Ospelt Anstalt, einer Stiftung, zusammengefasst.

Familie Toni Hilti | FL

Nahrungsmittel
100–200 Millionen

Ausgerechnet ihr Landsmann Alexander Ospelt hat den Hilcona-Besitzern Jürgen und Ekkehard Hilti das Sandwichunternehmen Panetta vor der Nase weggeschnappt. Stattdessen wird die eigene Vertriebsorganisation Hilcona Fresh forciert, um vom rentablen Geschäft mit der schnellen Verpflegung noch verstärkt profitieren zu können. Ein Langstreckenlauf, kein Sprint: Beim Gesamtumsatz konnte die liechtensteinische Hilcona-Gruppe 2004 lediglich noch um 1,6 Prozent auf 307 Millionen Franken zulegen. In diesem Jahr hat man Umsatz zugekauft und von der Frigemo – einer Fenaco-Firma – die Produktion von Tiefkühlpasta in Chur übernommen. Das Unternehmen wird in Schaan integriert. Hilcona gibt keine Ertragszahlen bekannt und ist in einen Familientrust eingebracht.

Günther J. Schmidt | TI

Pharma
100–200 Millionen

Seinen 87. Geburtstag feierte Günther J. Schmidt im Hochsommer in Kampen auf Sylt. «Die Meerluft bekommt mir gut», so der Pharmafabrikant und bekennende Junggeselle: «Ja, ich bin ledig und gedenke auch nicht zu heiraten.» Als persönlichen Lebensmittelpunkt sieht der gebürtige Deutsche seit mehr als 70 Jahren schon die Schweiz.

Im Tessin richtete er 1979 seine Günther-J.-Schmidt-Stiftung ein und bestimmte sie zu seiner Alleinerbin. Die Assets stellen immense Werte dar: eine hochmoderne Fabrik für Bestseller wie Togal oder Efasit auf einem Traumgrundstück in Münchens Nobelvorort Bogenhausen sowie Dutzende von Wohnungen in Zürich.

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