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Restaurant Lips, Zollikerberg: Der Stammbeizer

Bei Schürmanns treffen Millionäre auf Dorfmetzger und Trendgastronomen auf Vegetarier – und fast alle kommen wieder. Das Erfolgsrezept: einfache Sachen.

Von Monique Rijks
31.05.2005

Es gibt Orte, wo sich viele Welten wohl fühlen, wo die Stimmung stimmt und wo jeder so bleiben darf, wie er ist. Solche Orte sind beliebt, und die Frage nach dem Rezept des Erfolgs lässt meistens nicht auf sich warten. Die Antwort ist banal und anspruchsvoll zugleich: «Sich und seinen Ideen trauen.»

Einer, dem das besonders gut gelingt, ist Jose Schürmann vom Restaurant Lips in Zollikerberg. Sein Motto ist so einfach wie seine Speisekarte: «Ich trinke gerne guten Wein, und dazu will ich etwas Anständiges essen.» Schürmanns Weinleidenschaft gilt Frankreich und Italien; diese Länder sind auf der Karte in Gegenden aufgeteilt, die Namen sind grosse Bekannte, die man immer wieder gerne trifft und die hier zu fairen Preisen angeboten werden.

Das Einzigartige am Restaurant Lips ist einmal das Lokal selbst. Das Haus liegt ein bisschen ausserhalb des Dorfes, auf der letzten Geraden, bevor der Berg ansteigt. Es sieht aus wie ein Bauernhaus oder eine Werkstatt. Die parkierten Autos vor dem Anbau mit Wellblechdach unterstreichen diesen Eindruck zusätzlich.

Der Eingang ist schmal und niedrig, die Gaststube mit ihren bäuerlichen Textilien, dem bodenständigen Mobiliar und den unprätentiösen Unikaten an den Wänden strahlt ein herzliches Willkommen aus. Meistens sind am frühen Abend die Tische bereits gut besetzt, ein gemütlicher Geräuschewirrwarr herrscht im Raum: Stimmen, Besteckgeklimper, herzliches Lachen und dazwischen die Sprüche des Wirts. Man fühlt sich aufgehoben, nimmt Platz und freut sich, dass der gute Duft, der im Raum schwebt, bald auch aus dem Teller strömen wird.

In der Küche steht Maria Schürmann hinter den Töpfen und kocht das, was Ehemann Jose als «öppis Rächts» bezeichnet. Alles einfache Sachen, so einfache, dass sich kaum ein Wirt noch getraut, diese auf die Karte zu setzen. Zum Glück kennt Maria Schürmann diese Hemmungen nicht und bietet als Auftakt Gerichte wie einen Teller Mortadella, einen Wurstsalat garniert oder einen Tomatensalat mit Zwiebeln. Salat sollte im «Lips» jeder bestellen, nicht wegen der Gesundheit, sondern wegen der speziell guten Salatsauce.

Stammgäste – und fast jeder, der einmal seinen Fuss über die «Lips»-Schwelle gesetzt hat, wird über kurz oder lang einer – bestellen meistens vor dem Lieblingsfleischgericht einen Teller hausgemachte Pasta, Ravioli, Tagliarini oder Gnocchi. Dann, endlich, ist es so weit: Das Pièce de Résistance kommt auf den Tisch. Ich persönlich bin vom Côte de Bœuf, das nach Gewicht bestellt werden kann, begeistert. Es wird auf dem Holzgrill gebraten, ganz leicht gewürzt und in feinen Tranchen aufgeschnitten. Wunderbar! Dazu darf man sich eine klassische Beilage wünschen – das Gemüse sei besonders empfohlen, weil es hier genauso schön buttrig schmeckt wie früher bei der Grossmutter.

Jetzt, da der Bauch voll guter Dinge ist, kommt die Unterhaltung erst richtig in Gang. Im «Lips» sitzt der milliardenschwere Verleger neben dem Dorfmetzger, der Trendgastronom neben der Vegetarierin, und in der Mitte, meistens gut gelaunt, steht Wirt Schürmann und orchestriert Gespräch und Laune. Ein schöner Ort, ganz einfach, fast ein bisschen ein Zuhause.

Monique Rijks ist Gastrojournalistin und testet für BILANZ die sympathischsten Restaurants im ganzen Land

Restaurant Lips

Jose und Maria Schürmann, Trichterhausenstrasse 235, 8125 Zollikerberg, Telefon 044 380 40 11, Vorspeisen von etwa 10 bis 26.50 Franken, Hauptspeisen von 21 bis rund 42 Franken, Weine ab 45 Franken pro Flasche.

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