1. Home
  2. Lifestyle
  3. Reiche Russen verhindern Kaviar-Sanktion

Luxusgut 
Reiche Russen verhindern Kaviar-Sanktion

Russischer Supermarkt: Dieser russische Kaviar könnte aus Italien stammen.  Bloomberg

Russische Millionäre können nicht ohne Kaviar leben. Daher ist das Luxusprodukt von Putins Sanktionen ausgenommen. Ein italienischer Kaviarproduzent hat nun mit einem Trick den dortigen Markt erobert.

Veröffentlicht 13.08.2015

Wladimir Putin möchte, dass die europäischen Exporteure für die Ablehnung seiner Ukraine-Politik durch den Westen zahlen - bis zu einem gewissen Punkt.

Als Russland im August vergangenen Jahres ein Handelsverbot für importierte Waren erliess, tauchte Kaviar auf der Liste nicht auf. Das ermöglichte einer italienischen Störzuchtfirma, in Putins Heimatland vorzudringen. Für Agroittica Lombarda, Europas grössten Hersteller des «Lebensmittels der Zaren», ist Russland mittlerweile der wichtigste Absatzmarkt für seinen Kaviar.

Mit Trick den russischen Markt beliefern

Aber es gab einen kleinen Trick. «Wir mussten einen russischen Markennamen auf die Dose aufdrucken und wir haben nicht 'Made in Italy' draufgeschrieben», verrät Lelio Mondella, geschäftsführender Direktor bei Agroittica. «Die Russen wollen russischen Kaviar essen. Das verstehe ich. Wer würde in Russland hergestellten Mozzarella-Käse kaufen?» sagt Mondella.

Die 1,1 Milliarden Dollar schwere russische Volkswirtschaft verzeichnete im zweiten Quartal die stärkste Schrumpfung seit 2009 angesichts des Preisverfalls bei Öl und der russischen Währung. Dies wurden durch Vergeltungssanktionen gegen die Europäische Union und die USA verstärkt, mit Einfuhrverboten für Waren von französischem Käse bis polnischem Kohl.

Das exklusivste Angebot ist für 14'000 Euro zu haben

Kaviar wurde davon ausgenommen, da Russland sich nach der Delikatesse bereits im Ausland umschauen musste, nachdem die niedrigen Bestände zu einem Fischereiverbot für Wildstör im Kaspischen Meer führten. «Reiche und einflussreiche Russen können nicht ohne Kaviar auskommen, daher haben sie eine Ausnahme zugelassen», sagt Mondella.

Die in der kleinen Stadt Calvisano östlich von Mailand angesiedelte Zuchtanlage produziert jährlich etwa 25 Tonnen Kaviar. Die Störe leben in Quellwasser-Behältern und brauchen zwischen acht und 20 Jahren für die Produktion der Eier, wobei der teuerste, der Beluga-Kaviar, am längsten benötigt.

Der Betrieb beliefert die erste Klasse von Fluggesellschaften – ihr grösster Markt – sowie Luxushotels, Restaurants und auch Millionäre. Das exklusivste Angebot ist eine 1,8 Kilogramm schwere Dose mit Beluga-Kaviar für 14'000 Euro.

Erholung auf dem Kaviar-Markt nach Finanzkrise

Kaviar ist seit langem eine italienische Delikatesse, nicht nur eine russische oder iranische. Es gibt keine offiziellen Zahlen für die weltweite Kaviar-Produktion, aber laut dem Verband FEAP setzte Italien 2014 42 Tonnen ab, hinter Marktführer China mit 54 Tonnen. Russland belegte den dritten Platz mit 40 Tonnen.

«Die Finanzkrise aus dem Jahr 2008 hat den Kaviar-Sektor getroffen, aber der Markt hat wieder angezogen», berichtet Laurent Sabeau, Leiter des Stör-Ausschusses bei FEAP. «Der Sektor wird wachsen, weil einige Länder zu Konsumenten werden. Wenn die chinesische Oberschicht anfängt Kaviar zu essen, wird sich das stark auswirken.»

Kaviar-Produzenten kopieren gängiges russisches Verfahren

Zwar ist Russland inzwischen Agroitticas grösster Markt geworden, jedoch dürften die Exporte dorthin in diesem Jahr wegen des Konjunktureinbruchs auf 2,5 Tonnen sinken, verglichen mit 3,7 Tonnen 2014.

Mondella berichtet stolz, wie ein russischer Bekannter ihm im Sommer vor zwei Jahren bei einem Dinner auf einer Yacht vor der sardischen Costa Smeralda einen «grossartigen russischen Kaviar» angeboten hat. Mondella probierte ihn, hob die Dose hoch und schaute auf die Unterseite. Aus der Code-Nummer ging hervor, dass es sein eigener war.

Für Michele Costabile, Professor für Marketing an der Universität Luiss in Rom, zeigt die Tarnung des Kaviar-Ursprungslandes, dass Italien wie Russland verfährt. «Russland ist voll von Pizza und Pasta, die vage italienische Namen haben, aber tatsächlich plumpe, in Russland hergestellte Imitationen sind», erläutert. «Das Spiel funktioniert in beiden Richtungen.»

(bloomberg/jfr)

Anzeige