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Portrait 
Piaget-Chefin Nouri: Mit Schmuck aus der Krise

Chabi Nouri: Neue Piaget-Chefin, neue Ideen. Keystone

Die neue Piaget-Chefin Chabi Nouri soll die Uhrenmarke in unsicheren Zeiten wieder zu altem Glanz verhelfen. Die ersten Schritte dazu hat sie bereits in den letzten zwei Jahren getan.

Von Maren Meyer
14.04.2017

Der Weg zur neuen ­Piaget-Chefin Chabi Nouri führt über ei­ne Brücke, vorbei 
an Kameras, Gegensprechanlagen und Türschleusen. In einem kleinen Sitzungszimmer in der Manufaktur von Piaget in Plan-les-Ouates in Genf spricht Nouri über Uhren, Schmuck und ihre Strategie. Eine zierliche Frau im Hosenanzug, mit langen braunen Haaren, grossen Augen, weichen Zügen und kräftiger Stimme. «Ich bin gut vor­bereitet», sagt sie. Am 1. April übernahm Nouri ganz offiziell die Geschäftsführung des Uhren- und Schmuckhauses.

Sie weiss, was auf sie zukommt, daran lässt ein Blick in ihren Lebenslauf keinen Zweifel. Bevor sie 2014 zu Piaget kam, war die gebürtige Schweizerin elf Jahre bei Cartier tätig sowie sechs Jahre bei British ­American Tobacco als Global Director der Vogue-Zigaretten in London und im Bereich Sales & Marketing der Schweiz.

Wenig leitende Frauen

In unsicheren Zeiten soll sie Piaget nun wieder zu altem Glanz verhelfen. Sie trat nicht nur in die Fussstapfen ihres Vorgängers Philippe Léopold-Metzger, der die Marke über 17 Jahre führte, sondern ist derzeit auch die einzige Frau, die eine ­Uhren- und Schmuckmarke der Richemont-Gruppe führt.

Die Liste weiblicher CEOs im Bereich Schmuck und Uhren bei Richemont ist ohnehin kurz: Einzig Isabelle Guichot leitete zwischen 1999 und 2005 das Schmuckhaus Van Cleef & Arpels und die Ledertaschenmarke Lancel. In der von Männern dominierten Uhrenwelt ist die Besetzung Nouris vielleicht ein Wendepunkt. Schon letztes Jahr liess Richemont-Präsident Johann Rupert an einem Inves­torenmeeting verlauten, er wolle weniger grauhaarige Franzosen in seinem Konzern sehen, es gebe zu wenige Frauen.

Kriselndes Uhrengeschäft

Etwas frischer Wind kann im Hause Piaget sicher nicht schaden. Denn Uhren, besonders Luxusuhren, haben in den ­letzten Jahren dem Umsatzwachstum zu keinen grossen Sprüngen verholfen. Man könnte gar von einer Krise der Branche sprechen. Der Betriebsgewinn des Genfer Richemont-Konzerns schrumpfte 2016 um 15 Prozent. Luxus verkauft sich nicht mehr so leicht. In Zeiten des internationalen Terrors bleiben kaufkräftige Kunden aus Asien und Fernost aus.

Nun liegt es an der 42-jährigen Nouri, die Marke wieder nach vorne zu bringen. Die ersten Schritte dazu hat sie bereits in den letzten zwei Jahren getan, in denen sie als Marketingchefin ein besonderes Augenmerk auf die Schmucksparte legte.

Zurück zur alten DNA

Unter Nouri soll die Maison zur ­alten DNA zurückfinden. «Piaget hat eine lange Vergangenheit. Wir müssen daran arbeiten, die Marke weltweit noch bekannter zu machen, unsere Kunden müssen verstehen, wofür Piaget steht: Wir sagen Ja zum Leben», so Nouri. Einen Blick in die Vergangenheit gewährt Piaget zum diesjäh­rigen 60-Jahr-Jubiläum des ­Modells Alti­pla- no, der weltweit flachsten me­cha­nischen Uhr, mit einer Limited Edition und neuen Modellen für die reguläre Kollektion.

Gute Ideen sind gefragt, denn bei Piaget muss etwas passieren: Im vergangenen Jahr wurden laut Schätzungen zehn Prozent weniger Uhren exportiert. Einen ­Negativtrend kann Chabi Nouri nicht von der Hand weisen, aber es seien auch die Kundenwünsche, die sich verändert hätten, darauf sei zu reagieren. Mit der Stahluhr Polo S hat man zum Beispiel bewusst eine Tagesuhr entwickelt, die preislich auch für eine jüngere Generation erschwinglich ist. «Es ist noch ein langer Weg, aber wir haben viele Möglichkeiten», sagt Nouri.

Die Frau als Kundin

Als Kennerin der Branche verbreitet sie Optimismus. Zurück zur DNA: Das heisst bei Piaget eine Schmucksparte – und ­Uhren. Ultraflache Uhren, viel Gold, aufwendig dekorierte Werke und Schmuck­uhren. Letztere seien in den vergangenen zwei Jahren wieder mehr im Kommen. Und die Frau als attraktive Kundin spielt eine immer grössere Rolle.

Dass ausgerechnet Nouri als Frau für mehr Weiblichkeit sorgen soll, bestreitet sie vehement. Ohnehin gehe es nicht darum, ob sie ein Mann oder eine Frau sei – auf die Kompetenz komme es an. «Führungskompetenz hängt nicht mit dem Geschlecht zusammen.» Und wie sieht sie ihre Rolle als Frau im Konzern? Diversity sei ihr wichtig, auch im Unternehmen. «Aber ich möchte nicht nur von mir sprechen. Die Marke steht im Vordergrund, nicht meine Person.»

Sobald es um die Schmucklinie geht, blüht Nouri auf. Sie selber trägt selbstverständlich Piaget. Ohrringe, Kette, Uhr, Ring, Armbänder. Während sie über die verschiedenen Kollektionen spricht, streicht sie über ihre Armreifen. Fast zärtlich dreht sie ein funkelndes Armband­element vor und zurück und erklärt, dass die Possession Collection in den letzten zwei Jahren ein Boost für die Maison gewesen sei. «An jedem Schmuckstück lässt sich etwas drehen. Es macht süchtig.»

Positive Belastung

Bevor das Gespräch beendet ist, lenkt Chabi Nouri doch noch ein und fragt, ob man noch persönliche Fragen stellen wolle. Und sie erzählt, warum sie nach ­einem Wirtschafts- und Jurastudium an der Universität Freiburg Gemmologie, die Wissenschaft der Edelsteine, studierte. «Ich wollte Steine und Mineralien besser verstehen. Sie sind faszinierend, haben so viele verschiedene Facetten – es ist wie eine ­andere Welt.» Piaget kenne sie schon seit ihrer Kindheit, sie freue sich auf die bevorstehenden Herausforderungen.

Ihre neue Aufgabe sei auch mit ihrem Privat­leben gut vereinbar. «Ich habe Kinder, Hunde und bin verheiratet.» Ist Nouri auf Reisen, springen ihre Eltern ein und kümmern sich um die zwei Kinder. «Es ist alles eine Sache der Organisation.» Und ja, sagt sie, die Arbeit nehme sie auch ab und an mit nach Hause, das sei nicht zu vermeiden. «Aber ich arbeite gerne, und somit ist die Belastung auch eine positive.»

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