The Peninsula» – ein schlanker, hoher Schriftzug. Ideal, um in blitzendem Messing die Fassaden nobler Herbergen zu beschriften. Perfekt für die Brusttaschen samtweicher Bademäntel, welche die Gäste gleichermassen mit Bedeutsamkeit wie mit Wohlgefühl umhüllen. Die gleichen zwölf schmalen Buchstaben zieren auch die Uniformmützen der Angestellten. Der Stolz, mit dem sie getragen werden, verblüfft Aussenstehende.

Etwa die New Yorker Fotografin Annie Leibovitz, die das Hotelpersonal für eine Kampagne ablichtete und mit wachsendem Erstaunen feststellte, mit wie viel Innigkeit sich diese Leute mit Job und Arbeitgeber verbunden fühlen. Zum Beispiel Johnny Chung Kam-hung, preisgekrönter Barman, in Hongkong eine Kultfigur. Vor vierzig Jahren fing er als Office-Boy an, bereits sein Vater hatte in der Lobby gearbeitet. Fasziniert war die Fotografin von der Hingabe der Menschen, die hinter den Kulissen für Glanz sorgen, indem sie jahraus, jahrein Silberbesteck, Kerzenleuchter, Türknäufe blank reiben. Wie Fleet Manager Martin Oxley, der für die tägliche Politur «seiner» Rolls-Royce würdevoll Hand anlegt.

Für viele gilt The Peninsula als luxuriösestes Hotellabel der Welt. Immer mehr
Leser von «Travel and Leisure» und Condé-Nast-Publikationen wählen es von Jahr zu Jahr auf die ersten Plätze der jeweiligen Destinationen. Noch liegen ihre mittlerweile sieben Häuser ausschliesslich in Asien und den USA. Anlass für die Beliebtheit dürfte unter anderem der hohe Standard der insgesamt 2467 Zimmer zwischen Beverly Hills und Peking geben. Das Interieur von schmeichelnder Eleganz umfasst einen grossen Schreibtisch, ein geräumiges Bad, eine Wanne mit TV. Mehrstufig regelbares Licht ermöglicht fast jede gewünschte Stimmung.

Seit Jahren tüfteln sechs Ingenieure und 20 Techniker der hauseigenen Forschungsabteilung an solch intuitiver Technologie. Sie sorgen für den unterschwelligen Komfort, etwa dafür, dass das Faxgerät selbsttätig auf Stand-by schaltet, wenn die Gäste schlafen gehen. Hinzu kommt ein umwerfender Service: Das gesamte Personal erhält regelmässig Schulungen, wie den Gästen nach der Devise «Never say no» am besten entgegengekommen werden kann. Lächelnde Promptheit und verbindliche Herzlichkeit machen den Aufenthalt in den Peninsula-Hotels zum ultimativen Wohlfühlerlebnis.

Kein Wunder, steigt die internationale Prominenz mit Vorliebe hier ab. Im «Peninsula» in New York etwa logierte jüngst König Juan Carlos, nächstens wird Jodie Foster einchecken. Der Schockrocker Ozzie Osbourne pflegt sich ebenso hier einzuquartieren wie der Konzertcellist Yo-Yo Ma. Die Gästeliste des Hongkonger Hauses liest sich wie ein historisches Who’s who des Showbusiness: Charlie Chaplin, Elizabeth Taylor, Ella Fitzgerald, Kirk Douglas, Candice Bergen, Pierce Brosnan.

Auch Elton John war da. «Sir», wies ihn der Kellner Wong Wai zurecht, als der Popmusiker partout die Kopfbedeckung nicht abnehmen wollte, «in meiner Lobby müssen Sie den Hut abnehmen wie alle anderen Gentlemen auch.» Worauf der Weltstar nachgab und die Mütze lüftete.

Grand Old Lady: Hongkong

Fast fünfzig Jahre lang trug ein einziges Haus den Namen The Peninsula: jenes in Hongkong, die Grand Old Lady unter den kolonialen Luxushotels. Aus aktueller Warte erstaunt so viel Nimbus, das Gebäude wirkt nicht gerade spektakulär. Mit seiner wuchtigen Sandsteinfassade könnte es sich ebenso gut um eine Institution in Europa handeln. Die Lobby verströmt einen etwas antiquierten Charme. Und dennoch verfügt das Haus über so viel Charisma, dass der Imagetransfer vom Einzelhotel auf das Label einer ganzen Hotelgruppe funktionierte.

Bei seiner Eröffnung 1928 galt das Haus als Inbegriff glamouröser Architektur. Vom ersten Spatenstich an war es als Superlativ geplant, als «feinstes und bestes Hotel östlich des Suezkanals». Es erhielt die umfangreichste elektrische Installation in ganz Fernost: 4000 unterschiedliche Lampen, 1450 Steckdosen, 185 Deckenventilatoren, Abwaschmaschinen für 18 000 Geschirreinheiten stündlich. Zu jener Zeit lauter Sensationen.

So viel Modernität war keineswegs zufällig: Die Familie Kadoorie, Mehrheitsaktionäre der Hongkong and Shanghai Hotels Ltd., zu der die Peninsula-Gruppe gehört, machte ihr erstes grosses Geld mit der China Light & Power Company. Von Anfang an übernahm dieses Unternehmen die Elektrizitätsversorgung von Kowloon und der New Territories. Die Zahl ihrer Kunden wuchs von 24 000 (1946) auf 949 000 (1981). Das US-Magazin «Fortune» stufte Chairman Lawrence Kadoorie zu Lebzeiten als drittreichsten Mann Hongkongs ein.

Ein typischer Tycoon: Mitglied der kolonialen Legislative und Exekutive, 34-facher Vorsitzender und Direktor, aktiv in Universität und Synagoge. Karitativ engagiert wie schon Vater Elly, dessen eigene Armutserfahrung seinen Glauben geprägt hatte, Reichtum sei ein heiliges Vermögen («a sacred trust»), das zu Gunsten des Wohls der Gesellschaft verwaltet werden wolle. Die Söhne Lawrence und Horace halfen Flüchtlingen jeglicher Couleur, in den fünfziger Jahren verhalfen sie unzähligen chinesischen Emigranten zu einer Existenzgrundlage. Beide wurden vom britischen Königshaus in den Adelsstand erhoben – wie schon ihr Vater und ihr Onkel zuvor. Ehrenauszeichnungen aus Frankreich, Belgien, den Philippinen, Nepal folgten.

Die beiden Brüder, sephardische Juden, hatten in ihren jungen Jahren beschlossen, den Namen der Kadoories in Asien gross zu machen, und zwar als Weltbürger. Ihr Vorhaben gelang in jeder Hinsicht. Auch in der Hotellerie, für die beide neben ihren breit gefächerten Aktivitäten eine Passion hegten. «The Peninsula» erlangte in den fünfziger Jahren Weltruhm. Vor allem dank seinem faszinierenden Publikumsmix aus Highsociety, Financiers, weissrussischen Flüchtlingen, Shanghaier Textilbaronen, britischen und amerikanischen Offizieren sowie Filmstars. Die Lobby wandelte sich von einer ruhigen Tea-Lounge zur lebendigen «Crossroad of the East» – der Kreuzung des Ostens –, wie es auf dem Zuckerwürfelpapier heisst. Schriftsteller, Reisejournalisten und Filmemacher machten sie unsterblich.

Bedeutenden Einfluss übten auch immer Schweizer aus, die dank ihrem Hotelier-Know-how ins Haus geholt wurden. Seit 1948 stehen dem Haus durchgehend Generalmanager aus der Deutschschweiz vor, insgesamt sieben nacheinander. Speziell gestaltete sich von jeher die Angestelltenkultur der Kadoories, auf allen Ebenen. Sie setzten und setzen auf lebenslange Bindung, bieten aussergewöhnliche Sozialleistungen und Aufstiegschancen. Positionen werden wo immer möglich intern besetzt. Die Loyalität des Arbeitgebers erstreckt sich bis in die heutige Zeit. Auch als während der Sars-Krise die Zimmerbelegung in Hongkong längere Zeit auf unter zehn Prozent gesunken war, kam es zu keiner einzigen Entlassung. Gloriole und Glamour waren in der Geschichte des Hauses stets Zwillinge.

Prickelndes Panorama: New York

Der Beschluss zur Multiplikation des hochkarätigen Namens erfolgte 1973. Drei Jahre später eröffnete das «Peninsula» in Manila. 1988 kam für 127 Millionen Dollar ein Fin-de-Siècle-Haus in New York hinzu. Der Schritt erschien logisch: 58 Prozent der Gäste des Mutterhauses stammten damals aus den USA.

Die Adresse in New York ist top: 5th Avenue / 55th Street. Dennoch präsentiert sich das Pflaster vor dem Eingang als lärmige Baugrube, mit rostenden Platten behelfsmässig abgedeckt. Der Empfang erfolgt durch Richard Coley, zuvor Theaterschaffender, seit drei Jahren Doorman. Auch er wurde von Annie Leibovitz verewigt. Mit hinreissender Liebenswürdigkeit sorgt der 33-Jährige dafür, dass die Gäste durch die schmale Drehtür heil ins Haus gelangen.

Der Eingangsbereich des hundert Jahre alten, denkmalgeschützten Hauses ist puppenhausartig verschachtelt. Die Grundfläche beträgt 30 mal 30 Meter, Zwischenstockwerke versuchen den Platz zu optimieren. Ein Kampf um jeden Zoll. «Welcome to New York», lacht Nick Leuenberger, seit 1992 Generalmanager des Hauses. In der niedrigen Gotham Bar and Lounge wirkt der Berner hünenhaft, er gleicht entfernt seinem Lieblingsgast, Bruce Willis. Eine oszillierende Figur: blitzgescheiter Pragmatiker, aber auch begnadeter Showman. Karriere machte der 51-Jährige innerhalb der Firma, wie es in diesem Unternehmen üblich ist. Unter anderem als Nummer zwei des Mutterhauses in Hongkong zwischen 1982 und 1984.

«Die Peninsula-Gruppe sieht sich als Spitze des Eisbergs», sagt Nick Leuenberger, «unsere Besitzer tun alles für vollkommene Qualität.» Er ist Mitglied der seit 2002 bestehenden fünfköpfigen Geschäftsleitung der Hongkong and Shanghai Hotels Ltd., eines Unternehmens, das 2004 einen Umsatz von 400 Millionen Dollar auswies, was einer Erhöhung gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent gleichkam, mit Umsätzen aus dem Hotelbusiness von 324 Millionen Dollar (plus 28 Prozent).

Der Insider erzählt von den geplanten Neueröffnungen in Tokio und Shanghai. Sie sollen alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Wann der erste europäische Ableger eröffne, sei nur eine Frage der Zeit. «Wir scannen diesen Markt schon seit Jahren», so Leuenberger. «Im Visier haben wir vor allem London und Paris.» Doch das richtige Objekt wurde bisher nicht gefunden. Die Besitzer erlauben keine Kompromisse, vor allem nicht, was die Lage betrifft.

Diese radikale Haltung kontrastiert mit den Mängeln des Hauses in Manhattan. Die Decke des Fitnessraumes im 20. Stock etwa verunstalten Wasserflecken, die Abdeckplatten wirken wie billige Baumarktware. Ausgerechnet hier bringen Jennifer Lopez und Bruce Willis, beides Stammgäste, ihre Körper in Form. Willis hat sich eine Wohnung im benachbarten Trump Tower gekauft, ist während ihrer Renovation ins «Pen» gezogen – und gleich geblieben. Weil er es viel gemütlicher fand.

Ja, das spektakuläre Panorama und das Gefühl, hoch über einer prickelnden Powermeile zu sitzen, lassen sich erst mit solchen kleinen Unvollkommenheiten richtig geniessen. Unerwartet steigt das Gefühl von Daheimsein auf. Auch das scheint zum Peninsula-Label zu gehören.

Dreiste Eleganz: Bangkok

Wie die Hongkong and Shanghai Hotels Ltd. seit den neunziger Jahren vorgeht, um ihre Häuser zu positionieren, zeigt das Beispiel Bangkok. Was in Hongkong begonnen hatte, wurde hier stilistisch in die Luxushotellerie des 21. Jahrhunderts übersetzt. Mit fast dreister Eleganz. Brisant nur schon die Lage des neuen Hauses in der thailändischen Hauptstadt am Chayopraya River: Es liegt genau gegenüber dem «Oriental», dem traditionellen Hauptkonkurrenten des Mutterhauses, der zweiten Legende unter den Luxushotels Asiens.

Die Eröffnung erfolgte Ende 1998 nach fünf Jahren intensivster Vorbereitung. Die 760 Angestellten für die 370 Zimmer erhielten ein 18-monatiges Training. Kühn war die 16 Monate dauernde Einführungsofferte, heikel, weil allzu tiefe Preise den Ruf eines Hauses ruinieren können. «Das ist nicht mehr ein Schnäppchen – das ist geradezu ein Schnapp!», schrieb die «NZZ».

Der Coup gelang. In diversen Ratings schnellte das Haus innert Kürze von null auf Platz eins. 2003 ernannte «Travel and Leisure» das «Peninsula» in Bangkok zum weltbesten Haus, und «Condé Nast Traveler» machte das Haus zum besten asiatischen Hotel. 2005 wählten die Leser von «Travel and Leisure» für ihre World’s Best Awards das «Peninsula» in Bangkok weltweit auf Platz 6 – das Bangkoker «Oriental» kam auf Platz 11, das «Peninsula» in Hongkong erreichte den 27. Rang.

Heute beträgt die Belegungsquote des Bangkoker Hauses in einer Stadt, die mit 80 000 Gästebetten deutliche Überkapazität aufweist, 77 Prozent. Der Aufenthalt hier entpuppt sich als Geheimtipp. Die Zimmerpreise liegen momentan bei durchschnittlich 168 US-Dollar, im Vergleich zu Hongkong (360 Dollar) oder New York (620 Dollar) immer noch ein «Schnapp».

Über der palmenbepflanzten Auffahrt erhebt sich eine 37-stöckige Glasfassade, unten stilisiertes Fin de Siècle, oben Helikopterlandeplatz. Der ausgeklügelte Grundriss des Hauses erlaubt von jedem Zimmer aus einen Panoramablick auf den Fluss. In den unteren Stockwerken herrscht eine sinnenhafte Erlebniswelt. Aus der Lobby perlt hochkarätige klassische Musik. Der Mann am Flügel begleitet die Phrasierungen mit verzücktem Mienenspiel, und das schon morgens um zehn Uhr. Hier liegen auch fünf internationale Restaurants, darunter das mehrfach ausgezeichnete chinesische «Mei Jiang». Das «River Café & Terrace» gilt vielen als das am schönsten gelegene Lokal der Stadt. Ultimativ ist hier das Frühstücksbuffet: 14 Sorten hausgemachtes Gebäck, für Asien eine Rarität. Früchte und Säfte ohne Ende. Die Dörrobstkompotte sind von einem Spitzenkoch subtil abgeschmeckt. Der Poolbereich mit den vielen Frangipani-Pflanzen rundet die Traumoase im Neun-Millionen-Moloch ab.

Dem Haus steht Rainy Chan vor, eine Hongkong-Chinesin, die in einer für die Peninsula-Gruppe typischen Rochade an die Spitze gelangt ist: Als Peter C. Borer 2004 vom Generalmanager des Mutterhauses zum Chief Operating Officer der Peninsula Hotels und Direktor der Hongkong and Shanghai Hotels Ltd. aufstieg, übernahm der Ire Ian Coughlan, bislang GM in Bangkok, an seiner Stelle das Zepter, während Rainy Chan, Hongkongs Nummer zwei, nach Thailand transferiert wurde. Die neue Direktorin ist 40 Jahre jung, attraktiv, ein Bündel von Charme und Charisma. Sie bringt dem Personal nun bei, dass das Hotel eine Lady ist und die Menschen darin deren Seele.

Ihr Schlüsselerlebnis in Leadership hatte Rainy Chan in New York, wo sie am 11. September 2001 als Resident Manager arbeitete. Als das erste Flugzeug ins World Trade Center krachte, sass an ihrem Nachbartisch des «Peninsula»-eigenen Restaurants «Fives» New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani beim Frühstück. Sofort sprang dieser auf und stellte sich vor die Kameras. «Von ihm lernte ich, dass eine Führungspersönlichkeit in der Krise greifbar bleiben muss.» Genau so reagierte sie dann, als das Erdbeben vom 26. Dezember 2004 das Hotel erschütterte. Sie rannte vom Fitnessraum in die Lobby und begann sogleich, mit den Gästen zu sprechen.

Heute, Monate später, trägt sie ein massgeschneidertes blaues Seiden-Deux-pièces. Ein amerikanischer Gast in Badeshorts und Strandlatschen spricht sie im Lift an – eine Bekleidung, von welcher die Hausordnung abrät. «Sie sind also der Boss hier?», fragt er. Mit betörendem Lächeln ignoriert sie den Stilbruch und antwortet: «O ja. Meistens.»

Annie Leibovitz

2004 engagierte die Peninsula-Gruppe Annie Leibovitz, um das Herzstück der Company ins Bild zu setzen: die Angestellten. Die New Yorker Fotografin war in den siebziger Jahren mit ihren Shootings für das Magazin «Rolling Stone» bekannt geworden und hatte mit Titelbildern für «Vogue» und «Vanity Fair» für Furore gesorgt.

Je länger sich Annie Leibovitz in die Shootings im «Peninsula» vertiefte, desto mehr offenbarten sich ihr die Menschen mit ihren Geschichten hinter den Uniformen. «Es gab Momente», sagt die Fotografin, «in denen mir die Tränen kamen.» Nach einem solchen Thema hatte sie jahrelang gesucht.

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