Weihnachtskarten schreiben: ja oder nein? Diese Frage stellt sich alle Jahre wieder. Und sie lässt sich beantworten: mit einem klaren Ja. Aber nicht einfach so. Man muss schon einige Dinge beachten, damit aus einer Weihnachtskarte etwas Wertvolles wird. Etwas, das sowohl persönlich wie auch gesamtwirtschaftlich Sinn hat, mit dem man Werte transportiert, tatsächlichen Nutzen stiftet und so dem weihnachtlichen Grundgedanken, «Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen», gebührend Rechnung trägt. Eine gute Lösung ist die klimaneutrale Weihnachtskarte.

Manch einer versucht seiner Verantwortung für die Umwelt und das Weltklima dadurch gerecht zu werden, dass er einfach von Papier auf Elektronik umstellt. «Weihnachts-E-Mail» nennt sich das dann wenig poetisch, aber modern. Die Idee dabei: Wenn ich meine Weihnachtsgrüsse elektronisch versende, spare ich einiges an Energie sowie schädlichen Emissionen und verursache kein Altpapier. Da aber eine E-Mail nun einmal etwas schnöde ist, verknüpfe ich sie gleich mit einer Spende, was ich an prominenter Stelle selbstlobend in der E-Mail vermerke. Dazu eine lustige Grafik, und mit einem Mausklick habe ich meine Pflicht erledigt. Nur: Wo bleibt da Weihnachten? Noch eine E-Mail im ohnehin überfüllten Postkorb. Klick, klick, angeschaut und weg damit. Nein, die Weihnachts-E-Mail ist keine Alternative. Sie ist nicht persönlich und oft mehr ärgerlich als weihnachtlich.

Eine Weihnachtskarte dagegen ist doch etwas ganz anderes. Man kann sie ansehen, anfassen, aufklappen. Sie hat ein aus bestimmten Gründen ausgewähltes Motiv, einen textlichen Inhalt und ist in der Regel persönlich unterschrieben. Von Hand, auch das sagt etwas aus. Und wenn sich dann die Vielfalt der Weihnachtskarten auf dem Regal ausbreitet, mal liebevoller, mal weniger liebevoll ausgesucht und gestaltet: Dann ist Weihnachten.

Ja zur Weihnachtskarte heisst deswegen die Losung. Dabei kann man durchaus der Verantwortung für Umwelt und Klima gerecht werden. Denn die Weihnachtskarte muss nicht zwingend die ökologisch schlechtere Alternative zur Weihnachts-E-Mail sein.

Dazu muss man sich die Weihnachtskarte genauer anschauen. In der Regel nimmt man für eine solche Karte ein Papier, das sich gut anfühlt, und bedruckt es mehrfarbig mit einem attraktiven Motiv. Dazu kommt ein passender Umschlag in der gleichen Qualität. Kurzum: Eine Weihnachtskarte ist ein anspruchsvolles Druckprodukt. Welche Auswirkungen es auf die Umwelt hat, lässt sich heute einfach errechnen. Von der Produktion des Papiers über den Einsatz von Chemikalien, Druckplatten und Druckfarben bis zum Transport kann exakt festgestellt werden, wie viel an CO2-Emissionen verursacht wird. Das gilt auch für den Versand per Post und die anschliessende Wiederverwertung als Altpapier.

Wenn sich also ermitteln lässt, welche Klimawirkung eine Weihnachtskarte hat, dann lassen sich diese CO2-Emissionen wieder ausgleichen. Einfach indem man die aufgewendete Menge an CO2 an anderer Stelle wieder einspart. Dank Kyoto ist das heute möglich. Überall auf der Welt sind Projekte entstanden, die dazu beitragen, den Gesamtausstoss an klimaschädlichen Emissionen zu senken. Finanziert werden sie über sogenannte Emissionsminderungszertifikate. Auf diese Weise fliesst Geld aus Europa in Schwellen- und Entwicklungsländer, wo dann Technologien eingesetzt werden können, die sonst kaum wirtschaftlich wären.

Eine Windkraftanlage in Indien? Wer rechnen kann, würde dort höchstens ein schmutziges Kohlekraftwerk bauen. Dank den Zertifikaten aber gewinnen klimafreundliche Technologien zunehmend an Breite – gerade in jenen Teilen der Welt, die sich solche Technologien nicht leisten können. Klar ist, dass man als engagierter Weihnachtskartenschreiber auch darauf achtet, dass die Karten auf Recycling- oder FSC-Papier gedruckt werden. In der Schweiz bieten einige Druckereien solche Services an. Klimaneutrale Weihnachtskarten gibt es auch online auf www.climate-shop.com.

Mit einer klimaneutralen Weihnachtskarte kann ich direkt etwas zum Schutz des Weltklimas beitragen. Und zusätzlich etwas zu besseren Lebensbedingungen in der Dritten Welt, zu mehr Arbeitsplätzen vor Ort und zu saubererer Luft. Und mit jeder Karte multipliziert sich die Wirkung. Sicher: Mit einer Weihnachtskarte kann man die Welt nicht verändern, aber man trägt dazu bei, dass sie eine Zukunft hat.

Paola Ghillani war von 1999 bis 2005 CEO der Max-Havelaar-Stiftung. 2005 gründete sie die Paola Ghillani & Friends AG, deren Ziel es ist, die Welt durch nachhaltiges Wirtschaften besser zu machen.

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