Als Generaldirektor des Uhrenbereichs von Harry Winston Rare Timepieces hatte Maximilian Büsser vor ein paar Jahren einen genialen Einfall: Unter dem Namen des amerikanischen Diamantenspezialisten präsentierte er ab 2001 jedes Jahr in limitierter Auflage ein neues «Opus», eine Uhr der Superlative, die in Zusammenarbeit mit jeweils einem andern Uhrmacher der Ausnahmeklasse entstand. Für die Uhrenwelt war das ein Leckerbissen und für die Firma Harry Winston ein Marketingcoup, der die Marke als Uhrenhersteller auf die höchsten Wolken des Horlogerie-Himmels hob.

Letztes Jahr verliess Maximilian Büsser Harry Winston, und eine kurze Weile hörte man nichts mehr von ihm. Das war ein Atemholen für Neues: Der in Mailand geborene und in Lausanne aufgewachsene 39-jährige Mikrotechnologie-Ingenieur wird im Herbst seine erste Uhr unter dem Namen MB & Friends lancieren. Einmal im Jahr kreiert ein ganzes Kollektiv von Uhrenfachleuten einen luxuriösen Zeitmesser der Spitzenklasse mit einem von A bis Z neuen Werk. Alle Beteiligten – neben dem Uhrmacher auch die besten Techniker, Designer, Lieferanten von Zeigern, Zifferblättern, Gehäusen und Armbändern – werden wie im Vorspann eines Films oder im Impressum einer Zeitung aufgeführt, etwa 15 Namen.

Solche Transparenz ist in der Uhrenbranche, in der sämtliche Marken fast pathologisch den Anschein erwecken wollen, ihre Uhren ganz autonom herzustellen, ungewohnt. Über drei Jahre sollen von einem Modell dreimal 35 Stück gefertigt werden. Sechs renommierte Verkaufspunkte in der ganzen Welt stehen bereit. Da hinter dem Netzwerk von MB & Friends keine Firma steht, die einen Wiedererkennungseffekt für ihr Produkt fordert und damit der Uhr unweigerlich ihren Markencode aufdrückt, ist der Weg für wirklich innovative Überraschungen frei.

Bei der Opus-Reihe von Harry Winston hatten illustre Namen wie François-Paul Journe, Vianney Halter, Antoine Preziuso, Christophe Claret oder Peter Speake-Marin mitgemacht. Wenn Büsser in dieser Liga weiterspielt – und das verspricht er –, dann erfährt die Uhrenwelt künftig alle Jahre einen neuen Höhepunkt. JBM

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