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Karl-Friedrich Scheufele: Charakter und Identität

Chopard-Co-Chef Karl-Friedrich Scheufele hat sich mit dem Château Monestier ein Weingut geangelt.PR

Bekannt wurde er mit seiner Aufbauleistung bei Chopard. Aber Karl-Friedrich Scheufele hat mehr im Kopf als Uhren und die Mille Miglia: nämlich seine Weinkellerei und das eben erworbene Rebgut.

Von Ignaz Miller
14.10.2014

Karl-Friedrich Scheufele liebt Lektionen in Demut. Die ersten erteilte ihm ein ­betagter Porsche mit einem stürmischen Vorleben. (Mehr lag nicht drin beim knappen Geld des damals sehr jungen Mannes.) Weiter ging es mit den Oldtimern. Die bleiben am liebsten bei Regen und Kälte liegen. Auch eine Möglichkeit, zu demonstrieren, wer eigentlich der Chef ist.

Es setzte sich fort bei Chopard. Kaum hatten Karl-Friedrich und seine Schwester Caroline ihre schon ziemlich legendären Kollektionen lanciert – Mille Mi­glia bei den Sportuhren, Happy Diamonds bei den Damenuhren –, lieferten sie sich einem intensiven Lernprozess beim weltweiten Aufbau eigener Geschäfte aus. Alles, um gleich danach die unvermeidlichen Lektionen bei der Aneignung der Haute Joaillerie zu verarbeiten. Danach der Aufbau einer ­industriell betriebenen Werkefertigung im neuenburgischen Fleurier mit all seinen ernüchternden Erfahrungen, bis man schliesslich so weit ist. Und jetzt hat sich Scheufele mit dem Château Monestier auch noch ein Weingut geangelt.

Aber selbst das reicht noch nicht. Karl-Friedrich Scheufele will den Betrieb auf einen biodynamischen Anbau umstellen und ihn so bald wie möglich zertifizieren lassen. Da hat die Natur dann eine echte Chance, den angebrachten Respekt einfordern zu können.

Feine Tropfen aus der Nähe

Sicher kommt dem vielseitig begabten Unternehmer entgegen, dass er über eine eigene Weinkellerei verfügt. Der in Genf domizilierte Caveau de Bacchus (mit Ablegern in Gstaad und Gland) lagert über 2000 unterschiedliche Gewächse. Da finden die Erzeugnisse des Château Monestier La Tour problemlos ihren Platz.

Es kommt Karl-Friedrich Scheufele zweifellos auch entgegen, dass er definitiv kein Snob ist. Klar verfügt der Caveau de Bacchus über eine gewaltige Auswahl an erstklassigen Tropfen aus dem Bordelais mit besonderem Schwergewicht auf Haut-Brion sowie über den Westschweizer Import für die beinahe schon mythischen Romanée-Contis.

Aber es hat im Sortiment genauso Platz für einen Aigle Les Murailles, für kulant kalkulierte Tropfen aus der Bündner Herrschaft oder für die gut gemachten Neuenburger Weine, die nicht teuer, aus­serhalb des Kantons aber sehr selten sind.

«Es widerstrebt mir, Wein über grosse Strecken zu transportieren.»

Die einzige Einschränkung, die sich der Patron auferlegt, ist geografischer Natur: «Bei den Weinen aus Übersee sind wir nicht so gut sortiert. Es widerstrebt mir, Wein über grosse Strecken zu transportieren.»

Er selber ist immer offen, etwas Neues zu entdecken: «Mir macht es Freude, einen neuen Wein zu probieren; und das Team ist immer auf der Suche nach Trouvaillen. Es macht ihm Spass, eine Flasche zu öffnen, die nicht teuer, aber gut ist. Wir wollen Weine, die man sich leisten kann.»

Die beste Anerkennung sind die treuen Kunden. Der Caveau de Bacchus beliefert dank der raren Gewächse sogar Abnehmer aus Übersee. Als Raison d’être führt der Patron nicht das Lager an, sondern den Service: «Wer zu Bacchus kommt, hat Anspruch auf gute Beratung.» Wobei das Feld laufend grösser wird, seit sich der Caveau der hochprozentigenErzeugnisse annimmt. Bis hin zu organischem Gin, Rum und Whisky aus Schweizer ­Destillerien.

Er selber hat sich önologisch nach ausgiebiger Würdigung des Bordelais wieder mehr der Bourgogne angenähert: «Ein guter Burgunder ist ein absolutes Highlight für mich. Die Auswahl ist eben sehr viel schwieriger als bei den Weinen aus dem Bordelais. Es gibt keine Klassifikationen, und jede Lage ist anders.»

Winzer aus Passion

Tagsüber trinkt er nicht, «aber abends immer». Bei so viel unverklemmtem Bekenntnis zum Genuss ist es nachvollziehbar, dass ein eigenes Rebgut schon länger ein Thema war: «Es war im Hinterkopf präsent, und ich habe mir einiges angeschaut, aber es war immer ein Pferdefuss dabei. Entweder stimmte die Lage nicht, oder das Haus war nicht für die Ferien geeignet.»

Zum Château Monestier fand er zufällig. Dass es kein Prestige-Rebberg mit einem weltweit klingenden Namen ist, kam ihm persönlich entgegen. Ihm gefällt auch, dass die Weine im Bergerac (zwischen Bordelais und Cahors) Charakter und Identität haben.

Und Karl-Friedrich Scheufele ist mit grosser Leidenschaft dabei. In den Herbstferien der Kinder hofft er, noch halbwegs zeitig zur Lese dabei zu sein. Château ­Monastier La Tour produziert auf 36 Hektaren immerhin 120'000 Flaschen pro Jahr. 30 Prozent Weisswein, 70 Prozent Rotwein. Eine Cuvée von Merlot, Cabernet franc und Malbec.

Zu beziehen sind sie zu erschwing­lichen Tarifen von 15 bis 20 Franken im Caveau de Bacchus. Dank der Önologin Corinne Comme ab 2017 sogar biodynamisch zertifiziert. Comme hat sich eingehend damit beschäftigt und ist schon lange dafür. Insofern ist Karl-Friedrich Scheufele in seiner Bereitschaft zur Demut nicht allein.

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