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Schmuck 
Jean Schlumberger: Der Tiffany-Designer

Ein Traum von einer Halskette. Jean Schlumberger für Tiffany's Blue Book.  PR

Der Franzose Jean Schlumberger war einer der bedeutendsten Schmuckdesigner des 20. Jahrhunderts. Seine von der Natur inspirierten Designs begeisterten Damen wie Elizabeth Taylor oder Jackie Kennedy.

Von Elfi Kreis («World's Luxury Guide»)
am 22.07.2014

Die schillernden Pretiosen von Jean Schlumberger für Tiffany & Co. zierten die schönsten Frauen, verliehen Stilikonen und Berühmtheiten wie Elizabeth Taylor, Gloria Vanderbilt oder Jackie Kennedy besonderen Glanz. Bis heute haben sie als ebenso kunstfertige wie verführerische Objekte weiblicher Sehnsüchte nicht von ihrer magischen Anziehungskraft verloren.

Als Tiffany & Co. in New York Jean Schlumberger in den Fünfziger Jahren engagiert, ist dieser bereits ein Stardesigner unter den Schmuckgestaltern. Er ist berühmt für seine wundersamen und fantastischen Interpretationen von Formen aus der Natur. Naturmotive sowohl aus Flora wie Fauna sind seine Spezialität. Doch ganz besonders gern ließ sich Jean Schlumberger neben anderen Tieren von den Geschöpfen des Meeres wie Fischen, Seesternen, Quallen oder Muscheln inspirieren.

Jean Schlumberger für Tiffany & Co.

Schlumberger genießt in diesen überaus kreativen Jahrzehnten bei Tiffany & Co. alle Freiheiten, hat seine eigene Werkstatt mit Studio in der Fima und kann mit den kostbarsten Edelsteinen arbeiten: In dieser Zeit entstehen etliche der meistbewundertsten Juwelenschmuckstücke Schlumbergers. Er ist der erste, dem Tiffany gestattete, seine Arbeiten mit dem eigenen Namen zu signieren – eine ganz besondere Ehre, die später nur noch Elsa Peretti, Paloma Picasso und Frank Gehry zuteil wird.

Besonders berühmte Kreationen von Jean Schlumberger

Für den einzigartigen «Tiffany Diamond» mit beeindruckenden über 128 Karat, den seinerzeit größten gelben Diamanten der Welt, geschürft in Südafrikas Kimberley-Mienen, schuf Schlumberger eines seiner herausragenden und außergewöhnlichen Stücke: den Clip «Bird on a Rock». Als der «Tiffany Diamond» später in eine Diamantkette eingesetzt wurde, traten andere stets  exquisite, herausragende Juwelen wie ein 18-karätiger, pinkfarbener Saphir an seine Stelle. Zu seinen klassischen Stücken gehören seine exotische Paradiesvogel-Brosche, der Clip «Oiseau de Paradis», seine Seevogel-Brosche oder seine filigranen Schmetterlinge aus kostbarsten und farbenfroh funkelnden Steinen, zu denen sich Schlumberger auf seinen Reisen nach Bali, Indien und Thailand anregen liess.

Wiederentdecktes «Paillonné-Email» für die «Jackie-Armreifen»

Der Name Schlumberger steht bei Tiffany zudem für technische Innovation. Er war auch ein glorreicher Experimentator und erweckte die in Vergessenheit geratene Technik der Paillonné-Email aus dem 19. Jahrhundert wieder zum Leben. Tranluzente Farben werden dadurch geschaffen, dass Email auf 18 karätigem Goldgrund aufgetragen wird. Besonders als Armreifen wurde Paillonné-Email bei Schlumberger zu bis heute begehrten (alsdann vielkopierten, aber qualitativ nie erreichten) Kultobjekten. Jacqueline Kennedy machte sie endgültig zu It-Pieces. Die First Lady trug gern und oft so viele davon, dass Schlumbergers Email-Armreifen für Tiffany in den USA bald schon nur noch die «Jackie Bracelets» genannt wurden.

Prominente Kunden, prominente Trägerinnen

Jackie machte nicht nur John F.Kenndey zu Schlumbergers Stammkunden, sondern auch ihre enge Freundin Bunny Mellon. Die schönsten Frauen trugen Schlumbergers funkelnde Schmuckstücke. Auch die superreiche Stilikone Babe Paley, eigentlich Barbara Cushing Mortimer Paley, die zu den bestgekleideten Frau der Welt gezählt wurde, zeigte sich gern mit ihrer Seestern-Brosche von Schlumberger. Babe Paley’s Freund Truman Capote sagte von ihr: «Babe Paley hatte nur einen Makel. Sie war perfekt. Abgesehen davon war sie perfekt.» Auf Schlumbergers beeindruckender Liste von Kunden standen zudem u.a. die Herzogin von Windsor, Greta Garbo, Gloria Guinness, Françoise de la Renta, Gloria Vanderbilt, Elizabeth Taylor oder Audrey Hepburn.

Ein Leguan für Liz Taylor

Elizabeth Taylor trug gern Jean Schlumbergers Leguan-Brosche aus Gold und Diamanten, als Farbtupfer mit Smaragden und Saphiren. Die Brosche «Iguana‘s Night» wurde nach dem gleichnamigen Film «Die Nacht des Leguans» mit Richard Burton benannt. Burton schenkte seiner Liz diesen kostbaren Leguan in Erinnerung an die heiße Anfangszeit ihrer stürmischen Liebesaffäre, als sie ihm unverhofft zu den Dreharbeiten des Films nachgereist war, um ihren Richard «nicht den Krallen von Ava Gardner zu überlassen».

Erfolgreiche Anfänge bei Elsa Schiaparelli

Jean Schlumberger  wurde 1907 in Mulhouse in einer Familie von prominenten, elsässischen Textilherstellern geboren. Als Kind zeigte er bereits großes Talent zum Zeichnen, doch seinen Eltern wünschten eine Bankkarriere. Schlumberger fand jedoch keinen Gefallen und besaß kein Tallent für den Umgang mit Zahlen, er kreierte statt dessen lieber Schmuckstücke aus Porzellanblumen und ging nach Paris. Marina, Herzogin von Kent und Diana Vreeland zählten zu den allerersten unter seiner langjährigen Kundinnen. Elsa Schiaparelli wurde schon bald auf das junge Talent aufmerksam und engagierte Schlumberger in den Dreißiger Jahren, um ausgefallene Knöpfe, Verzierungen und den passende Fashionschmuck zu ihrer extravangante Haute Couture-Linie zu entwerfen.

Jean Schlumbergers steile Karriere in New York

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verließ Jean Schlumberger Paris und ging nach New York. Dort begann er zunächst Kleider für Chez Ninon zu entwerfen, bis er eines Tages seinen alten Freund aus Kindertagen, den im Juwelenhandel versierten Nicolas Bongard wiedertraf. Gemeinsam mit Ihm gründete er 1946 sein eigenes kleines Geschäft, nur einen Häuserblock von Tiffany’s Fifth Avenue Flagship-Store entfernt. Schlumbergers Broschen in Form von Meeresgetier, Vögeln oder Blumen, seine Ohrringe, Halsketten und Armschmuck avancierten rasch zu begehrten Schmuckstücken der High Society. 1956 öffnet Tiffany & Co. Jean Schlumberger seine Tore und übernimmt auch gleich seinen Geschäftspartner Bongard.

Unvergängliche Objekte der Begehrlichkeit

Tiffany’s legendäres «Blue Book» als erster Versandkatalog einst in die Annalen der Schmuckgeschichte eingegangen, kann man im heutigen Internet-Zeitalter inzwischen bequem mit einem Klick auf der Website von Tiffany & Co. aufblättern. Inmitten der Kollektion 2014 entdeckt man dort unter anderen funkelnden und besonders hochkarätigen Kostbarkeiten ein überaus phantasievolles Fisch-Armband von Jean Schlumberger aus Platin und 18-karätigem Gold, die schillernden Schuppen Stück für Stück aus einzeln gefaßten Edelsteinen gebildet, besetzt mit Saphiren, roten Spinellen, Brillanten und einem Marquise-Diamanten. Das grandiose Schmuckstück zeigt ein sehr typisches Schlumberger-Motiv und wartet auf Käuferinnen, die ein Kaufpreis in astronomischer Höhe nicht schreckt.

Schmuckstücke für die Ewigkeit

Das Design ist so zeitlos schön, wirkt so lebendig, dynamisch und frisch. Niemand käme bei dem exquisiten Stück auf den Gedanken, dass sein Schöpfer Jean Schlumberger bereits 1987 in Paris im Alter von achtzig Jahren starb und auf der Isola di San Michele vor Venedig begraben liegt. Seine Schmuckstücke haben ihm Unsterblichkeit verliehen.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Schwester-Publikation «World's Luxury Guide».

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