Schöne Kombis heissen Avant.» Der leicht angestaubte Spruch gerät immer häufiger auf den Prüfstand. Einer, der hierzu kräftig beiträgt, ist der Jaguar X-Type Estate. Kombis waren bei Jaguar lange Zeit kein Thema. Ebenso war der Dieselmotor für die britische Nobelmarke bis vor kurzem ein Tabu. Nach zwei Wochen Testfahren mit dem Jaguar X-Type 2.0 Diesel fragte ich mich jedoch: Warum eigentlich?

Bequeme Sitze und die typisch englisch stilvolle Inneneinrichtung prägen den Fahrkomfort ebenso wie die mustergültige Verarbeitung. Da knirscht und knarrt nichts. Die Briten sind Stilfetischisten, und dafür müssen wir ihnen dankbar sein. Ich habe mich deshalb im «kleinen» Jaguar sofort um eine Klasse höher gefühlt. Dazu haben vor allem auch die Ledersitze (gute Oberschenkelauflage und gut stützende Lehnen) einiges beigetragen.
Für den Vielfahrer positiv zu beurteilen ist das grosse Touchscreen-Display in der Mittelkonsole. Sowohl das Radio mit CD-Player, das Navigationssystem als auch das Telefon lassen sich sehr gut und sicher bedienen, und zwar ohne dass man zuerst ein 300-seitiges Manual lesen muss. Die Uhrzeit lässt man sich aber besser über den Bordcomputer anzeigen, sonst läuft man Gefahr, beim Suchen der zu kleinen LCD-Anzeige in den nächsten Baum zu fahren.

In Bezug auf den praktischen Nutzen ist der Estate hingegen aktuell: Zum Verladen des Laptops oder der Aktentasche kann die Heckscheibe separat geöffnet werden. Unter dem Ladeboden gibt es ein blicksicheres Staufach. Das (geteilte) Abklappen der Fondlehne funktioniert rasch und einfach und kann auch im Armani-Anzug (oder für Hardcore-Briten im Blazer von Daks) problemlos durchgeführt werden.

Ein Raumwunder ist der Estate sicher nicht. Die Briten haben zum Glück der Eleganz höhere Priorität eingeräumt. Das Ladevolumen ist etwa vergleichbar mit dem eines BMW 3er Touring. Auch die vier Zentimeter hohe Schwelle an der Ladekante wird verhindern, dass der Estate zum weit verbreiteten Servicefahrzeug verkommt. Der Golden Retriever wird sich jedenfalls durchaus wohl fühlen, und selbstverständlich lässt sich auch der Golf-Bag bequem ein- und ausladen. Denn letztlich soll sie ja bestehen bleiben, die Exklusivität, die auch den «kleinen» Jaguar etwas vom Mainstream abhebt.

Der Dieselmotor läuft ruhig, nagelt auch in kaltem Zustand nicht und wirkt kraftvoll. Der Jaguar 2.0 D überzeugt vor allem im für den Alltag wichtigen unteren und mittleren Drehzahlbereich durch seine Durchzugskraft.

Überhaupt kann man getrost alle herkömmlichen Vorurteile gegenüber einem Diesel vergessen. Der Durchschnittsverbrauch bewegte sich bei mir zwischen 7,0 und 7,3 Litern pro 100 Kilometer.

Das Auto fährt für diese Klasse ruhig, ist handlich und auch an einem Freitag im Feierabendverkehr in Zürich stadtauswärts angenehm zu fahren. Mein Beifahrer, ein Banker aus Basel, wollte bald einmal wissen, was das Modell denn eigentlich koste. Und zum Thema Wirtschaftlichkeit kommt vielleicht das Überraschendste: Der Jaguar 2.0 D ist in einer Betrachtung der Gesamtkosten (inklusive Zins, Unterhalt, Versicherung, Treibstoff und Restwert) günstiger als die vergleichbaren Modelle aus München, Ingolstadt und Stuttgart (siehe «Der Jaguar X-Type Diesel und seine Konkurrenten» rechts oben). In unserem Vergleich liegt nur der Volvo V50 2.0 D noch etwas tiefer in den Betriebskosten pro
Kilometer.

Der Einstiegspreis liegt bei attraktiven 43 600 Franken. Wenn man beim Ankreuzen der zahlreichen Optionen nicht zu zimperlich ist, geht es wie bei allen Premiummarken aber schnell in den Bereich von 60 000 Franken und drüber.

Ich kann dieses Auto vor allem Geschäftsleuten wärmstens empfehlen, die viel mit dem Auto unterwegs sind, sich vielleicht in der Premiumklasse aus der Masse hervorheben möchten und Freude haben am Stil der britischen Traditionsmarke. Anzumerken bleibt eine einzige grosse Einschränkung: Den Diesel gibt es nicht als Automaten. Für einige wohl ein (zu) grosses Handicap.

Beat Imwinkelried (38) ist VR-Delegierter und Geschäftsführer der Auto-Interleasing AG in Basel, VR-Delegierter der EFL Autoleasing in Winterthur sowie Gründungspartner von AIL Structured Finance in Zürich. Der Diplomingenieur übernahm vor zwei Jahren die Geschäfte seines Vaters Josef Imwinkelried, der vierzig Jahre lang im Firmenwagenleasing tätig war. Die Imwinkelried-Unternehmungen sind heute in der Business-to-Business-Sparte des Schweizer Autoleasingmarktes die Nummer zwei.

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