Die Idee ist bestechend: dank Hybridkonzept Fahrleistungen und Komfort wie ein Oberklassemodell bei Verbrauchswerten eines Mittelklassewagens. Dazu sind drei Motoren im Einsatz: ein 3,3-Liter-V6-Benzinmotor und zwei Elektromotoren, der eine für die Vorderachse, der andere für die Hinterräder. Mit den permanent zur Verfügung stehenden 272 PS ist der Lexus RX 400h ein stattlich motorisierter Zeitgenosse.

Leider hat die Toyota-Luxusmarke angesichts der Fülle an Hightech das Design im Hybridmodell etwas vernachlässigt. Für mich stimmt es weder vorne mit dem spitzen Gesicht noch hinten mit der Gestaltung der Dachkante. Auch bei den Reifendimensionen scheint für meinen Geschmack etwas nicht ganz zu harmonieren. Vermutlich müsste man den Lexus mit einem Italiener kreuzen – vorzugsweise mit dem Maserati Quattroporte (siehe BILANZ 1/2006) –, und es würde etwas Schönes entstehen. Wahrscheinlich immer noch unpraktisch (die italienische Seite), aber technisch perfekt und von bester Qualität (die japanische Seite). So wird sich jedoch kaum jemand nach dem RX 400h umdrehen, was zu bedauern ist. Wäre es nicht genial, wenn diese zukunftsträchtige Technik in einem wunderschönen Kleid daherkommen würde?

Der Innenbereich präsentiert sich zwar hochwertig, mit viel Alu, aber für diese Preisklasse doch zu unspektakulär. Hier müsste noch ein bisschen von Audi kopiert werden. Ein Freund von mir, als Professor der Medizin durchaus in der Zielgruppe des RX 400h, fand lakonisch, für 80 000 Franken dürfe es innen nicht wie in einem Toyota Corolla aussehen. Er vermisse ein bisschen Holz und Business-Lounge-Atmosphäre.

Am meisten fasziniert waren meine Kinder von der Videokamera, die beim Rückwärtsparken auf den richtigen Abstand achtet. Auch sonst wimmelt es von technischen Feinheiten, die mancher Premiummarke gut anstehen würden.

Zum Fahren ist er auf jeden Fall faszinierend. Zündschlüssel drehen und, sobald «Ready» erscheint, geräuschlos losrollen wie mit dem Elektrocar auf dem Golfplatz. Rasch reagiert das Auto auf Fahrpedalbefehle und ist auch bei höheren Tempi noch in der Lage, spürbar zuzulegen. Der Lexus beschleunigt in 7,6 Sekunden von null auf hundert. Cool. Der Wagen ist ein bequemer Reisebegleiter auch auf längeren Autobahnfahrten. Allerdings stieg bei unserem Testwagen dann der Benzinverbrauch von den acht Litern auf 100 Kilometer im Stadtverkehr auf gegen zehn Liter. Der Wagen fährt sich soft, die Lenkung wirkt fast schwammig.

Wir haben die Lexus-Hybridversion im Wirtschaftlichkeitsvergleich mit dem Zwillingsmodell mit reinem Benzinmotor (RX 350 Business) sowie einem vergleichbaren normalen Diesel-SUV verglichen. Es zeigt sich einmal mehr, dass die ökologisch sensibilisierte Käuferschaft tiefer in die Tasche greifen muss als der Benziner- oder Diesel-Kunde. Die Ersparnisse beim Treibstoffverbrauch werden durch den Aufpreis von 17 000 Franken mehr als weggefressen.

Japanische Hybrid- gegen deutsche Dieseltechnologie: Wer macht das Rennen? Dabei geht es nur vordergründig um die Konkurrenz zweier Antriebskonzepte in Sachen Wirtschaftlichkeit. Der wahre Kampf ist der Wettstreit zweier Wirtschaftsmächte um den Export in die USA, den vorläufig noch grössten Automobilmarkt der Welt. Prognosen gehen von einem Marktanteil von 12 Prozent für den Diesel und von 25 Prozent für den Hybridantrieb in den nächsten zehn Jahren aus.

In Europa gebe ich dem Diesel die besseren Chancen, um gegen den Benziner weiter Boden gutzumachen. Dessen Leistungscharakteristik und das bullige Drehmoment verhelfen zum nötigen Fahrspass, und das zählt hier nach wie vor. Die überzeugendere Argumentation für den Hybrid liegt dagegen beim Kohlendioxid-Ausstoss. Dort liegt der zwei Tonnen schwere SUV auf dem Level eines neuen VW Golf mit 1,6-Liter-Vierzylinder. Die neue M-Klasse mit V6-Benziner übertrifft den Lexus bei den CO2-Emissionen gar um 50 Prozent.

Fazit: Der RX 400h verblüfft mit seinen tollen Fahrleistungen und dem Komfort eines Oberklassewagens. Schade, dass das Design nicht ebenso zukunftsweisend ist. Mit dem Hybrid-Lexus werden SUV-Fahrer zu Umweltfreunden. Das ist angesichts der aktuellen Diskussion eine erfreuliche Entwicklung. Hardcore-Offroad-Freaks werden sich dagegen mit dem RX 400h kaum richtig anfreunden können.

Lexus RX 400h

Antrieb: Vierrad
Motor: 3,3 Liter V6 Hybrid
Leistung: 272 PS / 200 kW
Drehmoment (1): 288 Nm bei 4400 U/min
Energieeffizienz (2): A
Tankinhalt: 65 Liter

(1) Der Drehmomentverlauf in Abhängigkeit von der Drehzahl ist massgebend für die Motorelastizität (Durchzugskraft) sowie für das Beschleunigungs- und das Steigvermögen eines Autos.

(2) Neu ist seit 2003 die Angabe der Energieeffizienz für Personenwagen, eingeteilt in die Kategorien A bis G, wobei A für energieeffizient und G für energieineffizient steht. Die Kategorie wird ermittelt, indem der Treibstoff-Normverbrauch und das Leergewicht in ein Verhältnis zueinander gesetzt werden.

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