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Hier fährt der Chef: Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD

Der neue Cherokee verpasst Antiamerikanern einen Stich ins Herz: Der Jeep ist keine Ami-Schaukel mehr und nimmt es nun mit den edlen Deutschen auf.

Von Beat Imwinkelried
28.03.2006

Falls jemand noch nicht weiss, wohin er in die Sommerferien fahren soll: Im Nordwesten Spaniens liegen die Provinzen Galicien und Asturien. Ein Geheimtipp für Naturliebhaber und Wanderer, aber auch für Gläubige, Romantiker und Feinschmecker. Das Fischerdorf Malpica etwa ist bekannt für seine «percebeiros», seine Entenmuschelsammler. Diese riskieren an den Klippen ihr Leben, um die Schalentiere mit einem Spachtel abzukratzen. Und falls nun jemand noch einen Tipp braucht, wie er anreisen soll, schlage ich den neuen Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD vor.

Die Fahrt nach Gijón gestaltet sich mit dem Grand Cherokee bequem. Punkto Fahrverhalten distanziert er seinen Vorgänger deutlich. Dank der Einzelradaufhängung, die für gute Spurtreue und komfortables Fahrverhalten sorgt, bewegt sich die Neuauflage in einer höheren Liga.

Die Sitze sind nicht mehr so weich gefedert, sondern straffer gepolstert. Beim Vorgänger hatte man ja noch das Gefühl, man sitze in einem Gartenstuhl. Dank der neuen Polsterung lassen sich nun auch längere Autobahnfahrten ermüdungsfrei wie in einer komfortablen Limousine zurücklegen. Auch in der zweiten Reihe gibt es keine billigen Plätze. Der Jeep wird seinem Attribut «Grand» gerecht. Auch das Cockpit überzeugt. Die Übersicht ist gut, der gebotene Komfort entspricht den Erwartungen der oberen Mittelklasse. In der Limited-Version herrscht sogar Oberklassenfeeling. Die Materialien und die Verarbeitung machen auf mich einen viel besseren Eindruck als früher. Jeder Chef wird sich im weichen Leder wohl fühlen. Macht sich hier allenfalls der Einfluss von Mercedes bemerkbar?

Weniger begeistert war ich von den zwei multifunktionalen Hebeln für Blinker, Licht, Scheibenwischer usw. auf beiden Seiten der Lenksäule. Für die meisten Europäer sind diese zu überladen und gewöhnungsbedürftig. Hier kommt die US-Herkunft zum Vorschein. Dass der Jeep aus den USA stammt, riecht und fühlt man schon beim Einsteigen. Der Wagen vermittelt einem das Gefühl, sich am Port of San Francisco zu befinden – und nicht am Basler Rheinhafen. Dies soll ja auch so sein. Die Offroad-Legende Jeep Grand Cherokee steht bei uns seit vielen Jahren für den American Way of Life und hat seine loyale Fangemeinde.

Kraft hat der sechszylindrige Mercedes-Dieselmotor genügend: 510 Newtonmeter Drehmoment sollten auch im Gebirge von Spaniens wildem Westen ausreichen. Persönlich würde ich diesen Diesel dem grossvolumigen 5,7-Liter-Hemi-Benziner vorziehen, nur schon des Treibstoffverbrauchs wegen: Mit 10,6 Litern kann der Diesel in dieser Disziplin mithalten. Das eingesparte Geld würde ich lieber in Fische, Schalentiere und Weisswein der Region, den fruchtig-frischen Albarino etwa, investieren.

Der Diesel bringt den 2,1 Tonnen schweren Jeep in 8,8 Sekunden von 0 auf 100, was völlig ausreicht. Meine Frau war begeistert vom sanft schaltenden Fünf-Stufen-Automat, vom ruhigen Fahrverhalten und von den tiefen Innengeräuschen. Ihr sind auch die deutlich geringeren Wank- und Neigebewegungen aufgefallen. Ich habe generell beobachtet, dass vor allem Frauen sehr positiv auf den Cherokee reagieren. Ich glaube, das liegt auch daran, dass die Lenkung direkter geworden ist und der fast fünf Meter lange Wagen für seine Klasse sehr handlich ist. Natürlich trägt auch die elegante Erscheinung das Nötige dazu bei.

Der Kofferraum ist mit 978 Litern ordentlich bemessen. Hier hat alles Platz, was für die erholsamen Sommerferien am atlantischen Ozean dabei sein muss: Barbour-Jacken, Kamik-Stiefel, Utensilien zum Wandern und Klettern, Reiten und Fischen. Praktisch beim Verlad von Kleinkram ist die nach oben klappbare Heckscheibe.

Dank Gratisservicepaket ist der grosse «Indianer» auch vernünftig im Unterhalt. Wenn da nur das Restwertproblem nicht wäre. Dieser Schwachpunkt nimmt dem jüngsten Sprössling jede Chance auf einen vorderen Platz in unserer Wirtschaftlichkeitstabelle.

Fazit: Mich beeindruckte der Grand Cherokee mit seinen verbesserten Onroad-Eigenschaften, dem ruhigeren Fahrverhalten und dem verbesserten Sitzkomfort – nichts mehr mit Ami-Schaukel! Der Jeep bietet eine eigenständige, elegante und sehr komfortable Alternative zum VW Touareg, zum X5 und zur M-Klasse, die aber vom besseren Restwert hierzulande profitieren.

Jeep Grand Cherokee

3.0 CRD
Antrieb: Vierrad
Motor: 3,0 Liter, Turbodiesel
Leistung: 218 PS / 160 kW
Drehmoment (1): 510 Nm bei 1600 U/min
Energieeffizienz (2): C
Tankinhalt: 78 Liter

(1) Der Drehmomentverlauf in Abhängigkeit von der Drehzahl ist massgebend für die Motorelastizität (Durchzugskraft) sowie für das Beschleunigungs- und das Steigvermögen eines Autos.

(2) Neu ist seit 2003 die Angabe der Energieeffizienz für Personenwagen, eingeteilt in die Kategorien A bis G, wobei A für energieeffizient und G für energieineffizient steht. Die Kategorie wird ermittelt, indem der Treibstoff-Normverbrauch und das Leergewicht in ein Verhältnis zueinander gesetzt werden.

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