Die Ernte ist eingefahren, die Felder liegen brach, die Wälder tragen bereits ihr Herbstkleid. Höchste Zeit, um vor dem Winter ein letztes Mal so viel Natur wie möglich zu tanken. Am besten gelingt dies auf einer ausgedehnten Wanderung. Oder, sofern man Pferde liebt, bei einer Schleppjagd: Dabei wird kein Wild erlegt, Ross und Reiter jagen vielmehr spielerisch hinter einer künstlich gelegten Spur her. Gut, wenn man mit dem neuen Audi Q7 einen Heavy-Duty-Zugwagen zur Verfügung hat, der auch bei dreieinhalb Tonnen Anhängerlast nicht schlapp macht. Der Audi Q7 ist im Moment ein gefragtes Modell in der Trendklasse der grossen, langstreckenfreundlichen Allroader.

Bleiben wir gleich bei der Langstrecke: Da unterscheidet sich der Q7 deutlich vom Konkurrenten aus Stuttgart, der R-Klasse (siehe BILANZ 16/06). Der Mercedes setzt ganz auf Sanftheit und spricht mit der relativ indirekten Lenkung den Cruiser-Clan an. Der Audi Q7 dagegen ist sportlicher, direkter, und sein XXL-Format ist ihm kaum anzumerken. Die Sechs-Gang-Automatik erlaubt zwar auch niedertouriges Cruisen, unterstützt aber kompetent den Sprint von null auf hundert in flotten 7,9 Sekunden. Überhaupt geht das tägliche Handling überzeugend vonstatten: Eindrucksvoll demonstriert der Q7, wie sich ein 2,4-Tonnen-Klotz mit der Leichtigkeit eines Mittelklassekombis durch enge Kurven winden kann. Der Q7 hat für seine Grösse eine flotte Durchzugskraft, ohne im Benzinverbrauch unattraktiv zu werden. Deshalb muss ich dem Audi sehr ausgewogene Fahrqualitäten attestieren.

Der Q7 hat, wie alle Modelle in diesem Segment, wahrhaft goliathsche Dimensionen – über 5 Meter lang, beinahe 2 Meter breit, 1,7 Meter hoch. «Selbstbewusst», jubeln die Fans, «masslos», murren die Kritiker. Auch wenn das Parkieren auf dem Normfeld vor der Migros täglich aufs Neue eine Herausforderung darstellt, ist der Q7 ein Renner. Fakt ist: Die hohe Sitzposition garantiert trotz der mächtigen und im engen Stadtverkehr schwierig zu überblickenden Karosserie Erhabenheit über alles, was eine Etage tiefer herumkurvt. Zum mobilen Selbstbewusstsein trägt auch die Maschine bei: Der 4,2-Liter-V8-Motor sorgt für genügend Power – die 350 PS kommen mit dem Gewicht ohne Probleme klar.

Gleichsam als Entschädigung für die kolossalen Aussenmasse gibt es ein herrschaftliches Platzangebot im Innern, vor allem in den beiden vorderen Sitzreihen. Die aufklappbaren Sitze in der dritten Reihe eignen sich leider nur für Menschen von eher kleinem Wuchs. Für mich als Vater von vier Buben ist dies die grosse Enttäuschung. Der Q7 wäre für uns kein passendes Familienauto, denn er bietet trotz XXL-Dimensionen schlicht zu wenig Platz. Da die Ladekante viel zu hoch ist und die Dachlinie nach hinten abfällt, bleibt bei aufgeklappten Sitzen in der dritten Sitzreihe kaum Platz für das Gepäck – und der Anhänger wäre ja eigentlich für die langmähnigen Vierbeiner gedacht.

Was für mich ebenfalls unverständlich bleibt, ist der Beweggrund der Audi-Konstrukteure, dass die zweite Sitzreihe nur auf zwei Passagiere ausgerichtet ist. Der dritte Sitz in der Mitte ist, zumindest in der Standardausstattung, nur angedeutet und bleibt somit eine Notsitzlösung. Wird die Welt bereits auf den Zwei-Kinder-Haushalt ausgerichtet?

Erfrischend einfach ist die Bedienung, auch ohne Informatikstudium. Dank narrensicherem Multi Media Interface (MMI) erklärt sich die Bedienung beinahe von selber. Cockpit und Bedienelemente sind weitgehend baugleich mit dem Audi A6. Und gegen Aufpreis lässt sich so ziemlich jeder Wunsch erfüllen.

Ein Erfolgselement des Q7 dürften auch die Kosten sein. Diese sind für einen Wagen dieser Klasse vertretbar. Der Q7 liegt auf ähnlichem Niveau wie der BMW X5. Dieser hat aber weniger zu bieten, läuft in der jetzigen Version bald aus und wird nächstes Jahr durch einen komplett neuen X5 ersetzt. Der Nachfolger dürfte dann zum Hauptkonkurrenten des Q7 avancieren. Audi bezeichnet das Modell als «Performance SUV», die Ingenieure von BMW nennen den X5 «Sport Activity Vehicle» oder kurz «SAV». Doch auch der Volvo XC90 bleibt ein attraktiver Konkurrent im Lifestyle-SUV-Segment, hat aber im Gelände und als Zugfahrzeug einiges weniger zu bieten als der Q7.

Fazit: In Kontrast zum eher behäbig wirkenden Äusseren wartet der Q7 mit flotten Fahrleistungen und agilem Handling auf. Erstaunlich einfach lässt sich der Koloss durch Kurven dirigieren. Vielfahrer, die nicht erklärte Dieselgegner sind, dürften sich schnell für den V6-TDI-Dieselmotor begeistern, der hervorragend zum schwergewichtigen Prestige-Allroader passt.

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