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Gartenutensilien 
Gärtnern – der neue Freizeittrend

Wie auf dem Green braucht es auch im Grünen das richtige Werkzeug und Sinn für Eleganz.

Wer seinen Garten geniessen will, schaltet einen Gang zurück. Nicht Last und Pflicht, sondern Lust und Freude soll das Gärtnern sein. Dabei hilft das passende Gerät.

Von Oliver Klaffke
26.05.2015

So macht der Garten Spass. Mit einem handgemachten Spaten, einer aus Stahl geschmiedeten Rolle für den Gartenschlauch, einem aus Holzspänen geformten Gartenkorb und Gummistiefeln aus Naturkautschuk. Dazu eine Sense, die genau auf den Körper und die Mähtechnik des Kunden oder der Kundin abgestimmt ist, und die Gartenarbeit wird zur Gartenlust. Anzuchtglocken aus Glas, Blumenschilder aus Emaille oder lackierte Spritzkannen sorgen für die richtige Stimmung im Garten, sodass er zur Insel der Entspannung wird in der stürmischen See des Alltags. «Der Dumme rennt, der Kluge wartet, der Weise geht in den Garten», meinte Rabindranath Tagore, der indische Dichter und Literaturnobelpreisträger von 1913. Hier wird entschleunigt.

Gärtnern ist das neue Golfen, und wie auf dem Green braucht es auch im Grünen das richtige Werkzeug, wahre Meisterschaft und schliesslich Sinn für Eleganz. Beim Mähen mit der Sense zum Beispiel ist der richtige Bewegungsablauf ebenso wichtig wie beim Abschlag. Wer auf dem Land aufgewachsen ist, beherrscht ihn. Alle anderen brauchen Hansjörg von Känel, der im luzernischen Gunzwil seine Sensenwerkstatt führt und Städter in die immer mehr in Vergessenheit geratene Fähigkeit einführt, mit der Sense eine Wiese zu mähen oder den Rasen kurz zu halten.

Die Sensenspitze lässt man beim Ausholen über den Boden gleiten, das ganze Blatt führt man beim Schneiden auf dem Boden und schwingt wieder zurück. Das alles in leicht gebückter Haltung, das rechte Bein etwas vorgestellt und in rhythmischer, gleichförmiger Bewegung. «Beim Mähen vergisst man alles um sich herum», sagt von Känel.

Schneiden ohne Lineal

Wer mit Leidenschaft gärtnert, dem öffnet sich ein Minikosmos von Gartengeräten, die Probleme lösen, deren Existenz kein Nicht-Gärtner erahnen kann. So etwa die vertrackte Frage, wie man eine Rasenkante so gerade absticht, als sei sie mit dem Lineal gezogen. Ein normaler Spaten kommt nicht in Frage, weil der gewölbt ist und man mit ihm eine wirklich gerade Kante niemals hinbekommt. Dafür gibt es den Rasenkantenabstecher: ein scharf geschliffenes halbmondförmiges Stahlstück an einem langen Stiel. Man legt ein Brett auf den Rasen direkt an die Grenze zwischen Gras und Erde und sticht daran den Rasen ab, der in Rabatten ragt. Wahlweise kann man dazu auch einen speziellen Kantenspaten benutzen, dessen Blatt ganz gerade geschmiedet ist.

Zum Umgraben eignet sich dieser allerdings genauso wenig wie zum Pflanzen von Stauden. Im Universum der Gartengeräte findet sich dafür ein spezieller Pflanzspaten, dessen Erfinder bei der Konstruktion ein Problem bedacht haben, das sich erst stellt, wenn man mit einem Rittersporn-Setzling in der einen und einem «normalen» Spaten in der anderen Hand vor einem dicht bepflanzten Beet steht, um das Pflänzchen noch irgendwo unterzubringen.

Für jede Bodenart den passenden Spaten

Mit einem üblichen Gartenspaten wird jedes Loch zu gross, die anderen Pflanzen werden beschädigt. Der Pflanzspaten ist hingegen schmal, sodass man mit ihm ein kleines Pflanzloch graben kann, ohne unter den anderen, schon spries­senden Stauden Flurschaden anzurichten. Selbstverständlich greift man je nach Boden­art zum passenden Spaten. Wer im Garten einen steinigen Boden hat, nimmt den «Kieler Spaten», der unten spitz zuläuft. Wer auf Lehmboden gärtnert, profitiert von einem «Marschspaten». Der ist weniger breit, dafür länger als ein normaler – so wird die Hebelwirkung optimiert, um die schwere Erde kräfteschonend bewegen zu können.

«Je nachdem, wozu man eine Sense braucht, nimmt man ein anderes Blatt», sagt von Känel. Wer eine Wiese rund ums Haus mit der Sense schneidet, ist mit einer 70, 75 oder 80 Zentimeter langen Schneide gut bedient. Wenn man zwischen Büschen mäht, muss man wendig sein – ein 60 Zentimeter langes Blatt ist dort besser. Und wer Brennnesseln, Gebüschtrieben oder wilden Brombeeren zu Leibe rücken möchte, braucht eine «Hausense». Sie hat ein kurzes, kräftiges Blatt, mit dem man mit einer schwungvollen Bewegung das Gestrüpp schneidet, dessen Beseitigung den Gärtner bisher fast zur Verzweiflung gebracht hat.

Für alle jene, die mit Musse gärtnern, kommt die motorisierte Alternative nicht in Frage. Die Bedienung eines Freischneiders mit einem rotierenden Stahldreieck als Schneidekopf ist gefährlich. Man muss sich in eine Schutzmontur stürzen, Kinder, Hund und Katze in ­Sicherheit bringen, und der Krach der Höllenmaschine vergrätzt die Nachbarn.

Geräte dürfen weder zu gross noch zu klein sein

Wer auf traditionelle Werkzeuge setzt, macht sich das Leben einfacher. Wenn sie zudem auf den Benutzer abgestimmt sind, sparen sie Kraft, und die Arbeit geht leichter von der Hand. So soll es sein, denn schon der englische Philosoph Francis Bacon eröffnete seinen im Jahr 1625 erschienenen Essay «Of Gardens» mit der Bemerkung: «Ein Garten ist das grösste Vergnügen des Menschen.»

Die Geräte dürfen weder zu gross noch zu klein sein, sondern müssen passen. Jemand, der grösser ist, braucht eine Axt mit einem langen Stiel, damit er seine Energie optimal auf den Punkt bringt, wenn er ein Holzscheit spaltet. Ein «Damenspaten» ist nicht Chichi, sondern sinnvoll, weil die Gärtnerin mit ihm angenehmer arbeiten kann. Seine Dimensionen sind andere als die des Modells für den Gärtner. Männer sind grösser und kräftiger, und so stellt die Physik andere Anforderungen an die Proportionen des Spatens für ihn.

Schön und praktisch

Neben den Geräten zum Graben, Mähen oder Spalten erhöhen Accessoires, die nicht nur schön, sondern auch praktisch sind, die Freude am Garten. Warum eine Nullachtfünfzehn-Spritzkanne aus Plastik, wenn die aus Metall schöner ist? Warum eine ­Gartenlampe aus Kunststoff, wenn es ­geschmiedete gibt?

Setzlinge, denen der Nachtfrost den Garaus machen würde, kann man unter Anzuchtglocken aus Glas über die gefährliche Zeit bis zu den Eisheiligen retten. Wer seine Beete liebt, möchte ausserdem wissen, was er wo gepflanzt hat, um noch Platz für Neues zu finden. Wo war denn der Eisenhut? Wo sollte die Pfingstrose austreiben? Wachsen hier die blauen oder die gelben Schwertlilien? Ist das hier die Rosensorte «Königin von Dänemark» oder die «Rose de Resht»? Etikettieren ist die Lösung dieses Problems.

Aus England kommen Kupferetiketten in viktorianischer Form, auf denen man mit Einschlagbuchstaben die Namen seiner botanischen Lieblinge vermerkt. Für ­besonders wertvolle Pflanzen oder den Kräutergarten lohnen sich solche aus Emaille. Nett sind kleine Schieferplättchen, auf denen man die Namen notiert. Wer es eher im Stil des «Country Garden» mag, greift zu kleinen Etikettenhölzern aus Eiche oder Teak und sorgt so für Orientierung im Beet.

Im ländlichen Garten passt es viel besser, statt eines Plastikeimers ein Gartenkörbchen aus Holzspänen zu verwenden, um die Gartenutensilien zu den ­Rabatten zu tragen. Eine kleine Handschaufel, eine Harke oder die Gartenschere braucht man immer in der Nähe. Schön und hilfreich sind Handschuhe mit Stulpen, die auch den Unterarm vor Dornen, Stacheln und Kratzern schützen, wenn man die Rosen oder – weniger romantisch – wilde Brombeertriebe stutzt. Blut sollte nicht fliessen, denn den stilvollen Erste-Hilfe-Kasten für den Gärtner gibt es noch nicht.

Billig ist teuer

Auf die Qualität und nicht auf den Preis schaut, wer gute Gartengeräte haben will, die lange halten. Auch im Garten gilt: Wer billig kauft, kauft teuer. Sensenbauer Hansjörg von Känel blickt mit der Miene eines Kenners, der Schrott ausgemacht hat, auf die Sense, die ihm mitgebracht wurde. Die sei so stumpf, dass man «mit dem blutten Füdli» darauf reiten könne, sagt er.

Kein Wunder, denn sie hat nur knapp 40 Franken gekostet, inklusive des mittlerweile ausgeleierten Stiels, Worb in der Fachsprache. Spass hat es nie gemacht, mit ihr zu arbeiten, und geschnitten hat sie auch nicht richtig. Provenienz: Baumarkt; nächste Destination: Alteisensammlung. Wenn von Känel einem eine Sense auf Mass baut, kostet das etwa 180 bis 200 Franken. «Das ist aber eine Anschaffung fürs Leben.»

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