Eigentlich war das «Fünfstern-Pfahlbauer-Hotel» nur für die Dauer der Expo.02 geplant. Dass es heute noch steht, ist der Begeisterung der Neuenburger für ihr verrücktes Hotel zu verdanken, das inhaltlich an die wechselvolle Pfahlbauergeschichte der Region anknüpft und sie in die Gegenwart weiterspinnt. Seit mehr als zehn Jahren wird die Genehmigung auf Wunsch der Bevölkerung Jahr für Jahr verlängert, Anfang 2016 soll nun der Status von provisorisch in definitiv umgewandelt werden.

Der Entscheid wird nicht nur die Neuenburger freuen, sondern auch die Familienstiftung Sandoz, die Initiatorin und Besitzerin des Hotels. Die Tatsache, dass das Haus in den letzten zwei Jahren gründlich aufgefrischt wurde, legt die Vermutung nahe, dass man vom positiven Ausgang des Abenteuers ziemlich überzeugt war.

Wo sich das Leben herrlich anfühlt

Das Restaurant mit den neuen eleganten Möbeln ist bis in die hinterste Ecke mit Licht erfüllt. Die Hauptrolle spielt hier die Aussicht auf den See, die man durch wandfüllende Fenster geniesst. An schönen Tagen lockt die Terrasse, wo man den Blick auf den Neuenburgersee und die Silhouette der Berner Alpen mit einer leichten Brise im Gesicht geniessen kann. Hier fühlt sich das Leben herrlich an, auch weil einen das kompetente Serviceteam auf eine äus­serst sympathische, charmante Art durch den Abend führt.

Ebenfalls neu ist der Küchenchef: Der junge Franzose David Sauvignet hat sich in der Umgebung umgeschaut und zahlreiche regionale Delikatessen gefunden: Schinken aus Vaumarcus, Eglifilets aus dem Neuenburgersee, Gemüse aus dem benachbarten Seeland.

Zum Abschluss ein proppenvoller Dessertwagen

Aus diesen lokalen Zutaten bereitet Sauvignet Neuenburger Klassiker wie die Filets de Perche zu (die mein Gatte als «beste, die ich je gegessen habe» ­bezeichnet) und raffinierte Gerichte wie die wunderbar sommerliche, kalte Fen­chel­crèmesuppe, die mit einer Kugel Tomatenglace serviert wird, oder das kross gebratene Felchenfilet, das sich unter einem federleichten Kresseschaum versteckt.

Die Küche Sauvignets kann man als Tellerservice oder als Menu degustieren – der Viergänger «Mille Saveurs» (zum fairen Preis von 88 Franken) etwa nimmt einen mit auf eine schöne Entdeckungsreise durch das kulinarische Europa. Sie endet beim proppenvollen Dessertwagen, der an den Tisch gerollt wird und vor allem die Augen der männlichen Gäste zum Strahlen bringt.

Bewertung

★★★★★ Küche

★★★★★ Preis-Leistungs-Verhältnis

★★★★☆ Weinkarte

★★★★★ Service

La Table de Palafitte

Route des Gouttes-d’Or 2
2000 Neuenburg
Telefon 032 723 02 02


www.palafitte.ch


täglich geöffnet

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