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Warum das «Café Boy» in Zürich ein guter Ort ist

Warum das «Café Boy» in Zürich ein guter Ort ist
Unaufgeregt, authentisch und mit einer Portion Verspieltheit: Café Boy. Anne Morgenstern

Einst wurde im «Café Boy» die Revolution geplant, heute geniesst man hier das Leben, in einem schönen Rahmen und mit tollem Essen.

Von Monique Rijks
23.02.2016, Aktualisiert am 29.03.2016

In den achtziger Jahren, als Züri brannte und die bewegte Jugend die Berge wegschaufeln wollte, um frei aufs Mittelmeer blicken zu können, traf man sich gerne im «Boy», las, diskutierte, rauchte – nicht selten bis in die frühen Morgenstunden hinein. Das Lokal im Erdgeschoss des prächtigen Bauhaus-Gebäudes an der Kochstras­se galt als einer der Fixsterne der Bewegung und war mit einer entsprechenden Ausstrahlung gesegnet.

Mehr als 30 Jahre später ist von dieser rauen Vergangenheit nicht mehr viel zu spüren. Ein Plüsch­­­palast ist das «Café Boy» unter der Ägide von Jann-M. Hoffmann und Stefan Iseli aber zum Glück nicht geworden. Die grosszügige Fensterfront und die überdimensionierte Metzgertafel, von einer Bekannten der Wirte an die hintere Wand gemalt, unterstreichen die industrielle Ausstrahlung des Raumes; die rot gestrichene Stützsäule, die schöne Theke und die Bücherregale voll leerer Weinflaschen setzen ein paar unaufdringlich-gemütliche Akzente im sonst wohltuend kargen Raum.

Wie das Lokal, so die Küche

An unserem Dienstagabend sind die Tische gut besetzt, das Publikum ist bunt durchmischt, die Stimmung angeregt und für Zürich ungewöhnlich entspannt.

Dazu trägt einerseits die sympathische Bedienung bei. Die zwei Kellnerinnen, die an diesem Abend den Laden schmeissen, haben – trotz vollem Lokal – Zeit, über einzelne Gerichte oder Produkte anekdotenreich zu erzählen und die Weine aus der interessanten Karte mit Können und Humor zu empfehlen.

Der zweite Trumpf des «Café Boy» ist die Küche Jann-M. Hoffmanns. Sie ist wie das Lokal: auf eine gute Art ­unaufgeregt, authentisch und mit einer Portion Verspieltheit veredelt. So ­serviert er die lang vergessenen Schwarzwurzeln nicht einfach so, sondern im Knuspermantel; die Carne cruda kommt auf einem sämigen Selleriepurée und in Begleitung eines tollen Steinpilztatars auf den Tisch; der Tagesbraten vom Toggenburger Kalb wird von Peterlipesto und Parmaschinken begleitet; das gerollte (!) Cordon bleu ist mit Chorizo und Bündner Bergkäse gefüllt.

Ein Risotto, das Lust auf mehr macht

Aber auch die Klassiker machen Freude: Vom Entrecôte vom irischen Hereford-Rind schwärmen die Stammgäste, vom Risotto mit Steinpilzen mein Gatte, der das nächste Mal gleich eine ganze Pfanne davon bestellen möchte!

Bevor man geht, sollte man sich hier unbedingt ein Dessert gönnen – den Marronikuchen mit Kirschrahm und Himbeersauce etwa oder eine der hausgemachten Glacekreationen.

Restaurant Café Boy

Kochstrasse 2
8004 Zürich
Telefon 044 240 40 24

www.cafeboy.ch

Öffnungszeiten Montag bis Freitag von 11.30 bis 15 Uhr und von 18 bis 24 Uhr

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