Der steile Aufstieg von Adelboden aus bis zum Restaurant Hohliebestübli hat sich allein schon wegen des Salats, der jetzt vor uns liegt, gelohnt. Auf den taufrischen, grünen Blättern liegen bunte Kräuterblüten vom Lavendel, von der Kapuzinerkresse oder, wie Küchenchef Andy Schranz sagt, «von dem, was bei uns gerade ums Haus herum wächst». Eine Augenweide, die dem Namen des Ortes – Adelboden, edle Matte – alle Ehre macht.

Das «Hohliebestübli» ist in einem kleinen Holzhaus untergebracht, das man beim Vorübergehen leicht mit einem Stall verwechseln könnte. In der urchigen Stube finden 30 Gäste Platz. Dass es sich hier nicht um eine ganz gewöhnliche Bergbeiz handelt, wird einem beim Eintreten schnell klar: An den Wänden hängt moderne Kunst, die Tische sind schön weiss aufgedeckt, und im hinteren Teil des Raums brennt gemütlich ein Feuer im offenen Kamin.

An diesem Mittag im Herbst scheint die Sonne, deshalb setzen wir uns zuerst in den kleinen Garten vor dem Haus. Vor unserer Nase weiden die Kühe, im Hintergrund bilden Berge und blauer Himmel einen postkartenreifen Hintergrund. Die Vorspeisen – der wunderschöne Salat und eine sämige Kartoffelsuppe – können wir in der milden Herbstsonne geniessen, dann schieben sich dunkle Wolken vor unsere natürliche Heizung, und wir müssen ins Innere zügeln. Sandra Burn, die Gastgeberin und Freundin von Andy Schranz, deckt uns den runden Tisch vor dem Kamin, dessen Feuer uns schnell wieder aufwärmt. Unsere Reise zum Entdecken der regionalen Spezialitäten kann weitergehen: «Gschwellti» mit einer Auswahl an Käse von den benachbarten Bauernhöfen überzeugen ebenso wie die einheimischen Wurstwaren. Am Mittag wird währschaft gekocht – auch im Hinblick auf die vielen Wanderer, die hier einkehren. Wie etwa die fröhliche Runde älterer Herren, die am Nebentisch mit glänzenden Augen üppige Meringue-Glacen mit viel, viel Rahm verspeisen, bevor sie den Abstieg nach Adelboden unter die Füsse nehmen.

Die «hohe Zeit» des «Hohliebestübli» findet allerdings erst später statt, am Abend, wenn Andy Schranz seine Freude am Experimentieren hinter dem Herd auslebt. Selbstbewusst lässt er seinen Gästen keine Wahl und bietet abends jeweils nur ein Menü mit vier Gängen an. «Ich verwende in meiner Küche nur Schweizer Produkte, am liebsten solche aus der Umgebung und am allerliebsten solche, die ums Haus herum wachsen», sagt Schranz. Er kocht zum Beispiel eine Rottannensuppe mit Fischen aus dem benachbarten Blausee oder einen Härdöpfelstock als Begleiter des Wildschwein-Entrecôtes aus dem Tessin.

Bei so viel Sympathie für die eigenen Wurzeln liegt es auf der Hand, dass auch der Wein exklusiv aus der Schweiz stammt – und zwar nur von Winzern, welche die beiden Wirtsleute persönlich kennen. Auch hier gibt es einiges zu entdecken – etwa einen süffigen Strohwein von Weinbau Hartmann aus Remigen im Kanton Aargau.

Übrigens: Zum «Hohliebestübli» gelangt man auch mit dem Auto. Das ist zwar weniger naturnah, dafür bequemer. Und wer die Reise nicht vergebens machen möchte, tut gut daran, einen Tisch zu reservieren.

Monique Rijks ist Gastrojournalistin und testet für BILANZ die sympathischsten Restaurants im ganzen Land

Restaurant Hohliebestübli

Hohliebeweg 17, 3715 Adelboden
Telefon 033 673 10 69

Öffnungszeiten: Im Sommer sonntagabends und montags geschlossen, im Winter (ab 15.12.) montags und dienstags geschlossen.

Preise à la carte (nur mittags) von 9 bis 25 Franken, Menü mit 4 Gängen 70 bis 80 Franken.

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