Mit dem Schwärmen in Superlativen ist das so eine Sache: Ich könnte behaupten, die Polenta im Restaurant Conn sei die beste der Welt, doch der Widerspruch würde nicht lange auf sich warten lassen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Wahr ist, dass ich vor 14 Jahren in Conn einmal Hexenpolenta ass und die Kombination aus warmem Mais, gebackenem Apfel und Rosinen mit Rahm bis heute nicht vergessen habe.

Letzte Woche kehrte ich zurück, um nachzuprüfen, ob die Gegenwart der Erinnerung standhalte. Und – Freude herrscht: Fast alles ist so gut wie damals. Die Polenta schmeckt immer noch einmalig, der Raum ist nicht dem grassierenden Renovationswahn zum Opfer gefallen, und der Weinkeller ist mit Liebhaberwissen ausgebaut worden.

Das Restaurant Conn kann man nur mit der Pferdekutsche oder zu Fuss erreichen. Der Spaziergang dauert etwa 45 Minuten und dürfte auch für ungeübte Wanderer und Unterländer keine besondere Herausforderung darstellen (ausser jemand will partout in Stöckelschuhen erscheinen). Der Weg zweigt gleich hinter dem «Waldhaus» in Flims ab und ist gut ausgeschildert. Er führt am türkisblauen Bergsee von Cauma vorbei, durch den Flimser Grosswald und bringt uns zu einer grösseren Lichtung – dort ist Conn. (Eltern, Achtung: Es empfiehlt sich, Kleinkinder auf dem letzten Stück an die Hand zu nehmen, denn auf der rechten Wegseite fällt das Gelände steil in die Rheinschlucht ab.) Ganz hinten in der Lichtung, unter alten Bäumen, steht ein Haus mit grossen Fenstern und einem auffallenden Kamin – dies ist das Restaurant.

Wenn das Wetter schön ist, darf man sommers wie winters draussen Platz nehmen. Dann sitzt man auf bequemen Korbstühlen, lässt den Blick zu den schönen Bündner Bergen schweifen und denkt: «Bin ich doch ein glücklicher Mensch!» Bei weniger schönem Wetter nimmt man drinnen Platz. Hinten befindet sich ein kleines, typisches Stübli, vorne sind die Fenster bis an den Boden gebaut und lassen so viel Natur in den Raum wie möglich.

Die Karte ist einfach, es gibt zum Beispiel keine grossen Fleischgerichte, nur Würste. Neben der viel gerühmten Polenta, die in verschiedenen Variationen angeboten wird, etwa mit einer Wurst des Bergeller Metzgers Renato Giovanoli, mit gebratenem Gemüse oder Pilzen, sind die Trinser Birnen-Ravioli besonders empfehlenswert. Die grossen Teigtaschen sind mit Dörrbirnen, Zwiebeln, Rotwein, Nelken und Zimt gefüllt und werden mit Butter und Reibkäse überbacken.

Am Schluss gibt es noch zwei Sachen zu sagen: Im «Conn» herrscht kein Esszwang. Wer will, darf sich für Kuchen und Kaffee in den schönen Raum setzen. Die Weinkarte ist liebevoll zusammengestellt und bietet eine ansprechende Auswahl.

Ich werde ganz bestimmt nicht nochmals 14 Jahre warten, bis ich wieder Polenta bei Guido Casty, Maria Grob und Vera Conrad essen gehe.

Restaurant Conn

Restaurant Conn, 7017 Flims Dorf, Telefon 081 911 12 31, Menus von 17 bis 32 Franken, Weine ab 3.80 Franken pro Deziliter, Flaschen ab 28 Franken.

Montags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr, Betriebsferien bitte auf www.conn.ch beachten. Hier finden Sie auch den Kutschenfahrplan.

Monique Rijks ist Gastrojournalistin und testet für BILANZ die sympathischsten Restaurants im ganzen Land

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