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Erben: Reichtum im Blut

30,9 Milliarden Franken! Grosse Vermögen werden über Generationen weitergereicht. Reichtum zu erhalten, ist allerdings nicht einfach. Und da auch der Fiskus seinen Anteil will, suchen viele ausländische Grosserben Steuerasyl in der Schweiz.

Von red
29.11.2005

Familien Oeri und Hoffmann | BS

Pharma
15–16 Milliarden

Erben Ströher | FR

Beteiligungen, Kunst
4–5 Milliarden

Nach dem Verkauf sämtlicher Aktien ihrer früheren Familienfirma Wella an den US-Giganten Procter & Gamble für rund fünf Milliarden Franken splitten die Nachkommen des Friseurs Franz Ströher ihre Vermögensverwaltung. Die Basler Univest, einst quasi das Family-Office für diverse Ströher-Stämme, büsst etliche Batzen ein. Sylvia Ströher, bis zum Wella-Verkauf mit über 25 Prozent Anteil grösste Einzelaktionärin und in Marly FR gemeldet, organisiert zusammen mit Gemahl Ulrich gigantische Kunstkäufe. Die 86-jährige Wella-Matriarchin Erika Pohl, einst mit gut 23 Prozent beim Haarpflege- und Kosmetikmulti beteiligt, gründete in der Freiburger Heimat die Pohl-Ströher Mineralienstiftung. Immo Ströher macht sich in Zug mit seiner Ströher Finanzholding selbstständig und investiert kräftig in zukunftsträchtige Solartechnik.

Heidi Horten | TI

Beteiligungen
3–4 Milliarden

Die UBS meldet ein Rekordergebnis nach dem anderen. Da sollte es den Bankern nicht schwer fallen, auch eines der grössten Privatvermögen unter ihrer strengen Aufsicht und Verwaltung ordentlich zu mehren. Als Deutschlands abgedankter Kaufhauskönig Helmut Horten 1987 starb, fiel dem damaligen Bankverein der ehrenvolle Auftrag zu, das hinterlassene Milliardenvermögen zu bewahren und zu mehren. Laut Testament darf nur die Mehrung alljährlich an Witwe (und Vorerbin) Heidi Horten ausgekehrt werden – zum Verprassen. Offenbar operieren die UBS-Sachwalter ordentlich. Denn eine Luxusyacht wie Heidi Hortens «Carinthia VII.» mit ihren 95 Meter Länge kostet leicht einen dreistelligen Millionenbetrag.

Erben Schmidt-Ruthenbeck | ZH/SZ

Handel, Hotels
3–4 Milliarden

Das angestammte Handelsgeschäft in Deutschland harzt zwar weiter. Doch die Umsätze der Metro Group mit den Tochterfirmen wie Metro Cash & Carry, Media Markt oder Real im Ausland legten ebenso zu wie der deutsche Aktienindex DAX. Folglich werden die Wahlschweizer Gebrüder Michael und Reiner Schmidt-Ruthenbeck sowie ihre Schwester Viola Reisner, deren Kinder und etliche Cousins und Cousinen reicher. Auf dem Papier – und in Übersee. Die über eine Karl-Schmidt-Familienstiftung in Zürich verbundene, gegen 40 Köpfe zählende Grossfamilie bunkert bevorzugt riesige Vermögenswerte in Steueroasen ausserhalb der Schweiz – auf den Bermudas oder den Cayman Islands. Als so genannter Protektor fungiert dabei bisweilen der Luzerner Jurist Urs-Viktor Ineichen. Für das werthaltigste Investment, eben bei der Metro Group, heuerte Michael Schmidt-Ruthenbeck jüngst den blendenden, zuletzt (zu) oft glücklosen (Miss-) Manager Peter Küpfer an. Der darf sich seit wenigen Wochen im Aufsichtsrat der börsenkotierten Metro bewähren.

Erben Niarchos | GR

Reederei, Beteiligungen, Pferdezucht
2–3 Milliarden

Zumindest in der internationalen Turfszene läuft Maria Isabella Niarchos-Gouazé ihren Brüdern Philip und Spyros Niarchos derzeit den Rang ab. Eine geheimnisvolle Flaxman Holdings Limited bringt auf internationalen Rennbahnen Hengste und Stuten an den Start und zum Sieg. Als Adresse geben die Nebenerwerbs-Pferdezüchter St. Moritz an. Im Bündner Register existiert aber keine Flaxman Holdings. Doch Hinterfrau Niarchos-Gouazé domiziliert dort amtlich ebenso wie ihre Brüder. Neuere Firmengründungen der Niarchos-Erben in Luxemburg verraten die hellenische Herkunft der Wahlschweizer: Das Trio bedient sich bei den Göttern des alten Athen, tauft Gesellschaften etwa nach dem Göttervater Zeus oder nach Aphrodite, der Liebesgöttin.

Erben Thyssen-Bornemisza | TI

Beteiligungen, Kunst
2–3 Milliarden

Vom Patriarchen Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza zwar für die Ewigkeit angelegt, wird, nur gut drei Jahre nach dem Tod des Seniors, das extrem verschachtelte Industrieimperium von den Erben zerlegt. Stammhalter und Clanchef Georg Heinrich Thyssen-Bornemisza, 55-jähriger Bürger von Castagnola TI und Konzernherr in Monaco, sichert für sich und seinen Sohn Simon die TBG Group. Die Halbgeschwister, Erzherzogin Francesca von Habsburg-Lothringen sowie die Freiherren Lorne und Alexander Thyssen-Bornemisza, werden separat mit Unternehmensbeteiligungen fürstlich abgefunden. Stiefmutter Carmen («Tita»), die Fünftfrau des Erblassers, hat bereits frühzeitig Hand angelegt an die legendäre Kunstsammlung im Wert von Hunderten von Millionen Franken.

Karim Aga Khan | GE

Beteiligungen
1,5–2 Milliarden

Die internationale Boulevardpresse wartete vergeblich auf einen bitteren Rosenkrieg im Hause Aga Khan, nachdem das geistliche Oberhaupt von rund 20 Millionen Ismailiten auch seine zweite Ehefrau, eine gerichtserprobte, promovierte Juristin, verstossen hatte. Begum Inaara (42), geborene Gabriele Homey aus dem deutschen Bottrop, partizipiert nur am Zugewinn aus sieben Ehejahren, sie haben einen gemeinsamen Sohn, Ali Muhammad (4). Und sie behält, das scheint wichtig und mehr als Geld wert, den Namenstitel Begum Inaara (die Lichtbringende). Schon Mutter Renate hatte ein Faible für wohlklingende Familiennamen, ehelichte erst einen Thyssen, dann den grossen Mercedes-Händler Ernst Henne, fährt seither vor als Renate Thyssen-Henne. Tochter Gabriele eiferte nach, liess sich zunächst freien vom Erbprinzen Karl-Emich zu Leiningen und verzichtete dann noch so gern auf den Rang als Prinzessin (als eine von Tausenden). Eine Begum rangiert im internationalen Jetset hoch oben – auch wenn sie geschieden ist.

Familie Gebert | SG

Sanitärinstallationen
1,5–2 Milliarden

Mit einer Ehrenurkunde würdigte kürzlich sogar die Universität von Riga in Lettland das grosszügige Engagement von Heinrich Gebert. Der 88-jährige Unternehmer hatte mehr als 200 Millionen Franken für die Stiftung zur Förderung der Hochschulen und einen weiteren Millionenbetrag für ein Kulturzentrum in Appenzell gespendet. 1997 hatten er und sein inzwischen verstorbener Bruder Klaus das erfolgreiche Sanitärunternehmen Geberit für 1,8 Milliarden Franken verkauft. Da die Erbengemeinschaft des Bruders im letzten Jahr aufgelöst wurde, ist deren ausgewiesene Aktienbeteiligung an Geberit unter fünf Prozent gefallen.

Familie Kahane | GR

Chemie, Banken
1,5–2 Milliarden

Ihr Imperium führen Emil Alexander und Patricia Kahane, Erben des österreichischen Industriellen Karl Kahane, sehr diskret. Emil Alexander tritt öffentlich nur als Kunstmäzen in Erscheinung. Die Firmengruppe Jungbunzlauer, Herstellerin von Chemikalien wie Zitronensäure, hat ihren Holdingsitz in Chur. Eine von insgesamt neun Vertriebsgesellschaften befindet sich in Basel. Im Verwaltungsrat sitzen VR-Multi Rolf Soiron (Holcim, Nobel Biocare) und Verleger Michael Ringier. Umsatzzahlen sind lediglich von Jungbunzlauer Österreich bekannt: 2004 wurden 196 Millionen Euro erwirtschaftet. Den Kahanes gehört ferner die Wiener Privatbank Gutmann mit 6,5 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen. Das Institut verfügt über beste Kontakte nach Osteuropa. Auch die Gutmann Holding ist steuerschonend in Chur domiziliert.

Erben Dornier | ZH/ZG

Beteiligungen, Wein
1–1,5 Milliarden

Der Künstler, Mäzen und Winzer Christoph Dornier repräsentiert den sympathischen Zweig der bisweilen streitbaren Milliardärssippe. Mit seinen südafrikanischen Weinen ist der 67-jährige Sohn des Luftfahrtpioniers Claude Dornier inzwischen auch in den Kellern erstklassiger Schweizer Restaurants gelandet: Ob «Fischerzunft» in Schaffhausen, «Uto Kulm» in Zürich oder «Bellevue-Palace» in Bern: die Sommeliers empfehlen Donatus Red oder Donatus White der Domäne Dornier aus dem südafrikanischen Blaauwklippen Valley. Das 170-Hektar-Gut leitet Sohn Raphael Dornier. Der Senior geniesst im Schweizer Domizil derweil den Applaus der Baumeisterzunft. Der «Architekturpreis der Wine Capitals of the World» ziert sein Anwesen, verliehen für den «von mir entworfenen Weinkeller». Patron Christoph Dornier ist «stolz darauf», dass sein Baukunstwerk «mittlerweile zu den touristischen Attraktionen von Stellenbosch gehört».

Friedrich Christian Flick | BE

Kunst, Beteiligungen
1–1,5 Milliarden

Nach seiner Wiederwahl in den Deutschen Bundestag will der sozialdemokratische Parlamentarier Lothar Binding eine erneute Anfrage an das Eidgenössische Finanzdepartement richten. Betreibt der Wahlschweizer Kunst-Engroskäufer Friedrich Christian Flick einen gewerblichen und damit steuerpflichtigen Handel? Wie viele Kunstwerke hat der 61-Jährige mit Wohnsitz Gstaad BE über die Zürcher F.Ch. Flick Kunstverwaltung GmbH angekauft und wieder verkauft? Wie hoch war der Gewinn? Ein erstes förmliches Auskunftsbegehren von Binding, adressiert an Bundesrat Hans-Rudolf Merz als Chef der Steuervögte und abgeschickt vor gut einem Jahr, blieb bis heute unbeantwortet. Zwar hegt Binding den Verdacht, dass die Schweizer Finanzverwaltung überhaupt nicht daran interessiert ist, den Sachverhalt zu prüfen. Zumindest eine Antwort erwartet er, schon aus Höflichkeit.

Familie Grohe | VD

Beteiligungen
1–1,5 Milliarden

Ein Kamerateam des deutschen Fernsehsenders ARD lauerte dem Wahlwaadtländer Bernd Grohe vor dessen Grundstückseinfahrt auf: Wie kommentiert der Multimillionär Massenentlassungen beim führenden Armaturenhersteller Friedrich Grohe? Eine wunderliche Frage des Reporters des öffentlichrechtlichen Fernsehens. Denn der Grohe-Clan vom Genfersee hatte seine Mehrheitsbeteiligung an der – unter seiner Regie – gewinnstarken Familienfirma Friedrich Grohe bereits vor sechs Jahren für angeblich 1,3 Milliarden Euro an so genannte Finanzinvestoren verkauft. Die Brüder Charles R. und Bernd Grohe schieden damals sofort aus dem Kontrollgremium des Konzerns aus und haben seither keinerlei Einfluss mehr auf die nachfolgenden Missmanager.

Erben Merck | ZH

Pharma, Müllrecycling
1–1,5 Milliarden

Sein langer Atem wird sich für den Merck-Pharma-Erben Frank Binder wohl auszahlen: Der Zürcher, Repräsentant des Schweizer Zweigs der Merck-Familie, hatte sich vor Jahren als Einziger getraut, mit dem deutschen Müllrecycling-Monopolisten Duales System Deutschland (DSD) und dessen Grünem Punkt in Konkurrenz zu treten. Mit rund 30 Millionen Franken stieg Binder bei der Landbell in Mainz als Mehrheitsaktionär ein. Mit der Übernahme von DSD durch die amerikanischen Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) sieht Binder nun endlich einen «fairen, korrekten Wettbewerb», auch weil «der Grüne Punkt sich nicht mehr als gemeinnützige Organisation aufspielen kann». Frank Binders Landbell profitiert und gewinnt rasant neue Kunden. «Von 2004 auf 2005 haben wir unseren Umsatz mehr als verdreifacht.» Im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Familie Hirschmann | ZH

Flugbetrieb
900–1000 Millionen

Die Jet Aviation ist in den letzten zwei Jahren auf Rentabilität getrimmt worden: 2004 fielen mehr als 62 Millionen Franken Betriebsgewinn an. Nicht nur die sonst übliche Verschwiegenheit hat die Eignerfamilie Hirschmann teilweise abgelegt, auch der lange Zeit diskutierte Verkauf der Firma ist nun unter Dach und Fach. Übernommen wird das Unternehmen von der Beteiligungsgesellschaft Permira. Jet Aviation hat eine breite Angebotspalette rund um die Businessfliegerei: Sie bietet etwa Charterflüge an, wartet Jets und baut diese individuell für VIP-Kunden um. Dazu beschäftigt Jet Aviation zum Beispiel mehr als 100 Schreiner in Basel, um Jumbojets in reiner Handarbeit mit Hölzern, Ledersitzgruppen, Badezimmern oder Betten auszustatten. Der hohe Ölpreis bremst das Geschäft nicht, sondern befeuert es noch: Jet Aviation hat zahlreiche Kunden aus der Golfregion, die gern im eigenen Flieger reisen. Die Firma bearbeitet zudem einen wachsenden Markt, Business-Aviation etabliert sich mehr und mehr als Alternative zu Linienflügen.
Der neue Eigner will Jet Aviation offensichtlich als eigenständige Geschäftseinheit weiterleben lassen und später an die Börse bringen. Jet Aviation soll laut Permira die Rückendeckung haben, um durch Zukäufe zu wachsen, vor allem im wichtigen Markt USA. Permira dürfte etwas mehr als 800 Millionen Franken an die Erben des 1995 verstorbenen Firmengründers Carl Hirschmann senior überweisen, und zwar für gut drei Viertel der Anteile – die Erbenfamilie um Carl W. Hirschmann behält also eine ansehnliche Portion an der Firma.

Erben Henkel | SG/ZG

Waschmittel, Chemie, Vermögensverwaltung
500–600 Millionen

Im Geschäftsbericht des Waschmittelriesen Henkel wird der Aufsichtsrat Heinrich Thorbecke schlicht als «privater Investor aus St. Gallen» vorgestellt. Dass der Schweizer Alt-Bankier als Urenkel (und Erbe) von Konzerngründer Fritz Henkel zur Welt kam, bleibt ebenso unerwähnt wie die Zahl der Aktien, die der so genannte Familienstamm Thorbecke kontrolliert. Der 69-jährige Multimäzen aus der Gallusstadt und dessen beide Schwestern, ebenfalls domiziliert in der Schweiz, fallen nicht einmal als Aktienverkäufer auf. Anders Cousin Christoph Henkel: Der Namensträger hat in diesem Jahr schon für einen zweistelligen Millionenbetrag Wertpapiere versilbert.

Familien Bobst, de Kalbermatten, de Preux | VD

Maschinenbau
400–500 Millionen

Die Nachkommen des Gründers Joseph Bobst, rund 30 Personen, halten über die JBF Finance 41,3 Prozent am gleichnamigen Verpackungsmaschinenhersteller. Sie sind übereingekommen, nur noch einen Gesandten aus ihrem Kreis in den Verwaltungsrat der Waadtländer Firma zu schicken. Künftig werden die Interessen der Hauptaktionäre von Thierry de Kalbermatten in seiner Funktion als Vizepräsident vertreten. Im Weiteren hält JBF Finance einen Anteil von 21,7 Prozent an der börsenkotierten LO Holding Lausanne-Ouchy; die Immobilienfirma will das Lausanner Flon-Quartier aufwerten.

Erben Röchling | BL/ZH

Kunststofftechnik
400–500 Millionen

Radikal umgebaut haben die Teilhaber die traditionsreiche Röchling-Gruppe im 183. Jahr ihrer Geschichte. Nach den Verkäufen der Rüstungsschmiede Rheinmetall und der Telekommunikationssparte DeTeWe weist der Konzern einen um 4,3 Milliarden Euro geringeren Umsatz von nur noch 1,4 Milliarden aus. Die Zahl der Tochter- und Beteiligungsgesellschaften schrumpfte von 309 auf unter 100. Dafür ist die Firmenkasse prall gefüllt. Der mehrhundertköpfige Clan mit Dutzenden von Schweizer Anteilseignern setzt neuerdings schwerpunktmässig auf Kunststofftechnik.

Familie Rotermund | LU

Erotikhandel
300–400 Millionen

Beate Uhse schob das Erotikbusiness im prüden Nachkriegsdeutschland an mit freizügigen Fotos und Verhüterli. Enkel Philipp Rotermund plant nun mit der Erotic Media in Baar ZG einen Quantensprung: «Der Markt ist gigantisch», bläst der 26-Jährige zum Angriff im TV-Geschäft. Mit dem deutschen Bezahlsender Premiere will Rotermund für Hardpornoprogramme Hunderttausende zahlungswillige Kunden ködern. «Wir werden jetzt massiv Werbung machen», kündigt er an. Als Animateur agiert dabei die Erotic Media, die gegen 6000 Filmlizenzen bunkert. Im Aktionariat des Unternehmens mit einer Börsenkapitalisierung von gegen einer halben Milliarde Franken dominieren die Rotermunds. Dabei mischt sie zweispurig mit: Die Keimzelle der Familienfirma, die börsenkotierte Beate Uhse AG, partizipiert als Teilhaber direkt, und über eine Erotic Investment aus Steinach SG spielen die Wahlluzerner auch die zweite wichtige Rolle im Vollerotik-Fernsehbusiness. Vater Ulrich Rotermund beherrscht den Aktionärspool. Kleinere Pakete der Wertpapiere halten Gattin Jutta Hinrichsen Rotermund sowie die Söhne Philipp und Reuben.

Philipp Rotermund, ein durch viele Regattasiege in der Star-Klasse ausgewiesener Spitzensegler, dirigiert bei der Erotic Media die Investor-Relations. Derzeit pendelt er aber verstärkt zwischen der Zentralschweiz und München, dem Sitz von Premiere. Von diesem hatte Erotic Media das Blue-Movie-Gewerbe gekauft, nutzt Premiere zwar weiterhin als «technischen Dienstleister», aber eben ohne doppelte Zahlpflicht für Erotik-Media-Kunden. «Wir bieten Stand-alone-Angebote», verspricht Rotermund. Das sind keine Offerten für Alleinstehende, sondern freizügigste Filmangebote ohne kostenpflichtige Mitgliedschaft bei Premiere. Wer Lust hat, bestellt sein ganz persönliches Pornoprogramm, zahlt pro Film rund neun Franken – und kann dann loslegen.

Erben Geiger | BL

Beteiligungen
300–400 Millionen

Wohlstand gegen aussen hin zeigen? Das behagt Hanspeter Lüdin überhaupt nicht. «Ich bin Buchhändler», stellt er sich bescheiden vor. Seine früher sichtbare Teilhabe am Grossantiquariat Schibli-Doppler in Basel hat Lüdin aufgegeben. In den Wirtschaftsarchiven bleibt er präsent als langjähriger Vizepräsident im Verwaltungsrat der Zahnhygienefirma Gaba Holding. Diese Perle der Schweizer Mittelstandsprominenz rückte ins Blickfeld, als die in New York börsenkotierte Colgate-Palmolive per 1. Juni 2004 Gaba mit deren Zahnputzmarken Aronal, Elmex und Meridol endgültig schluckte und der amerikanischen Börsenaufsicht pflichtgemäss Meldung machen musste über einen phänomenalen Preis: exakt 46058.10 Franken für jede der 24000 Gaba-Aktien, insgesamt also rund 1,1 Milliarden Franken. Trotz strikt verabredeter Vertraulichkeit spuckten einzelne Verkäufer aus, wer sich das wohl grösste Stück gesichert hatte: Jeanne Lüdin Geiger, Urenkelin des Gaba-Gründers und Gemahlin des zurückhaltenden Buchhändlers.

Familien Brandestini, Valsangiacomo | ZH

Brückenbau, Bauelemente, Medien
200–300 Millionen

Ein Jahr nach dem Börsengang der polnischen Fernsehsenderkette TVN mit landesweit acht eigenen Kanälen kann deren Mitgründer Bruno Valsangiacomo stolz «eine Börsenkapitalisierung in Höhe von umgerechnet 1,5 Milliarden Franken» registrieren. Der 50-jährige Zürcher war schon 1991 in Osteuropa auf Sendung gegangen und hatte mit zwei landeskundigen Partnern die Mediengruppe ITI (Internetportal, Multiplexkinos, Fussballclub Legia Warschau) gegründet. Das glänzende Investment ist freilich nur ein Highlight der zurückliegenden Monate, detailliert aufgezeichnet im familiären Regieraum bei der Fincoord Finance Coordinators (FFC). Da bündeln die Nachkommen des legendären Erfinders Antonio Brandestini ihre Aktivitäten unter dem Dach der Tectus Holding – und bringen unterschiedliche Talente ein.

Valsangiacomos Schwager Marco Brandestini gilt als genialer Erfinder. Für die Tochter Proceq in Schwerzenbach ZH entwickelte er «in Rekordzeit das neue Messgerät Equotip Piccolo». Damit kann im Flugzeug- und Automobilbau die Härte von Metall präzise bestimmt werden. Aus der Konzernkeimzelle BBR Holding (Schrägseilbrückenbau) lösten die Gesellschafter Patente und Lizenzen heraus und brachten sie in eine Gemeinschaftsfirma mit den Bauriesen FCC (Spanien), Porr (Österreich) und KB (Norwegen) ein. Die in Zürich domizilierte Stahlton (Vorspanntechnik und Bauteile) arrondierte das Geschäftsfeld und übernahm in Tafers FR den Bautechnikspezialisten AVT. Das Kapital bei der Tectus Holding teilen sich Marco Brandestini, dessen Tochter Vesna und Sohn Nick sowie Claudia und Bruno Valsangiacomo-Brandestini.

Walter Ruf | TG

Maschinenbau
200–300 Millionen

Walter Ruf, Erbe von 200 Millionen Franken aus dem Verkauf der Rüstungsfirma Mowag und Inhaber des Filteranlagenherstellers Turbo-Separator, scheut das Rampenlicht. 2005 machte der studierte Techniker eine Ausnahme: Er liess sich als Partner für das 150-Jahr-Jubiläum der ETH Zürich einspannen – aus Dankbarkeit gegenüber seinen Ex-Professoren.

Erben Springer | ZH

Beteiligungen
200–300 Millionen

Als Anschubfinancier hatte der Verlegererbe Nicolaus Springer die Marktreife
für den heutigen Prionics-Check-Bestseller zur Früherkennung des Rinderwahnsinns ermöglicht. Aus dem Verwaltungsrat der Prionics im zürcherischen Schlieren zog sich der 43-Jährige nun zurück, nicht jedoch als Aktionär. Der Wahlschweizer bevorzugt, anders als sein vor 20 Jahren verstorbener Vater, der legendäre deutsche Zeitungszar Axel Springer, ein Leben im Hintergrund. Der Automobilenthusiast präsentiert sich allenfalls am Lenkrad von spektakulären (und kostspieligen) Oldtimern oder Rennwagen. Nicolaus Springers Schwester Barbara, ebenfalls schon seit Jahrzehnten in der Eidgenossenschaft heimisch, taucht öffentlich sogar noch seltener in Erscheinung.

Eliette von Karajan | GR

Musikgeschäft
100–200 Millionen

Harald Kronseder | SZ

Beteiligungen
100–200 Millionen

Bereits ein Vierteljahr vor der Neuauflage des Skikjörings beim White Turf in St. Moritz droht Seriensieger Jakob Broger aus Zürich seinem deutschstämmigen Dauerrivalen Harald Kronseder: «Wir werden die Klingen wieder kreuzen.» Der Wahlschwyzer Kronseder, Grossaktionär der börsenkotierten Krones, Weltmarktführer für Getränkeabfüllanlagen und Verpackungsmaschinen, dürfte in seinem Steuerexil mit 1521 Quadratmetern Grundfläche tüfteln, mit welchen Pferden und mit welcher Taktik er endlich, nach einem halben Dutzend Fehlversuchen, sein Loser-Image loswird.

Nicolas Schweri | ZH

Beteiligungen
100–200 Millionen

Während mehr als dreier Jahrzehnte war sein Schicksal untrennbar mit demjenigen der Firma Denner verbunden. Heute ist Nicolas («Nico») Schweri, jüngster Spross des 2001 verstorbenen Karl Schweri, endlich sein eigener Herr und Meister. Seinen Erbteil an der Schweizer Discountkette hat Nicolas Schweri vor zweieinhalb Jahren an seinen Neffen Philippe Gaydoul und dessen Mutter, Denise Gaydoul-Schweri, verkauft. Einen Teil der gelösten Barschaft investiert der 56-jährige Familienabtrünnige derzeit in den Bau eines neuen Eigenheims an der Zürcher Goldküste.

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