1. Home
  2. Lifestyle
  3. Chopard: Mit Intuition und Sinn für Ethik

Luxus 
Chopard: Mit Intuition und Sinn für Ethik

«Niemand will ­etwas aus ethisch fragwürdigen ­Beständen tragen»: Chopard-Co-Chefin Caroline Scheufele.

Unter Caroline Scheufele wurde Chopard erste Adresse für Ästhetik. Nun rollt sie den grünen Teppich aus.

Von Ignaz Miller
15.10.2013

Caroline Scheufele braucht kein Trendinstitut. Sie ist ihr eigenes. Wo andere ängstlich Marktstudien bestellen, hat sie längst erfasst, wohin die Reise geht. Caroline sitzt immer in der richtigen Maschine.

«Work hard, party hard», das war bereits ihre Lebensmaxime, bevor der Satz überhaupt aufkam. Eigentlich hat die Co-Chefin von Chopard diesen Lebensstil erfunden. So wie sie auch erfunden hat, dass mit der Party die Arbeit keineswegs aufhört. Die Party ist ein integraler Teil ihres Arbeitslebens.

Von sich selber sagt sie: «Ich lebe die meiste Zeit auf 10 000 Meter Flughöhe.» Den Rest verbringt sie im Partykeller, und die übrigen 24 Stunden des Tages ­arbeitet sie am Pult oder heute mit dem iPhone. Nicht verbissen, das wäre ihr ­wesensfremd. Ihr Geheimnis sind nicht die vielen Arbeitsstunden, sondern Inspiration und Kreation. Wenn Chopard heute auch ein weltweit anerkannter High-End-Juwelier mit einem weltumspannenden Boutiquennetz ist, dann wird Carolines Bruder Karl-Friedrich sicher der Erste sein, der ihr dieses Verdienst zuschreibt.

Vereinigung von Ästhetik und Ethik. Woher sie mit ihrer filigranen Statur die Energie dafür nimmt, ist ein medizinisches Rätsel. Denkbar, dass der Erfolg stimuliert. Schöpferisches Ergebnis dieser Lebensintensität ist ein nachhaltig bewiesenes Gespür für latente Erwartungen. Caroline verschwendete nie auch nur eine Sekunde ihres Lebens mit ästhetischen Experimenten. Aber sie wagte immer etwas. So setzte sie sich mit der vor 20 Jahren lancierten Happy Sport über die Konventionen der Uhrmacherei hinweg. Sie fand einfach, dass Diamanten und Edelstahl bestens zusammenpassten. Es wurde ihr erster grosser Erfolg und ein wegweisender Trend für die ganze Branche.

Mit ihrer Intuition war Scheufele auch die Erste, die erkannte, welche Chancen ein renommiertes Filmfestival bot, um die Wahrnehmung einer Marke zu steigern. Als Chopard Partner des Filmfestivals Cannes wurde, waren die Veranstalter dankbar. Dank Chopard fand Cannes wieder zu seinem mythischen Glanz der glamourösen fünfziger Jahre. Und zu einer neu stilisierten Palme. Als begabte Designerin übernahm Scheufele das Redesign höchstpersönlich.

Es war wiederum Caroline, die fand, dass mit Cannes und den internationalen Filmstars die Zeit reif sei für eine spektakuläre Kollektion von High-End-Haute-Joaillerie. Sie nutzte die Chance und katapultierte die Marke kurz entschlossen in eine andere Umlaufbahn.

Dank ihrem untrüglichen Gespür, das in unendlich vielen Begegnungen mit allen möglichen Menschen weiterentwickelt und gestärkt wurde, realisierte Scheufele als Erste das wachsende Bedürfnis nach sozialer und ökologischer Verantwortung. Goldschürferei und Edelsteinsuche waren noch nie etwas für zarte Chorknaben.

Aber die Nachrichten, die im Lauf der letzten Jahre aus einigen Lagerstätten und Handelswegen gedrungen sind, ­deuteten auf eine Welt, die sich komplett um die Umwelt und die Arbeitsbedingungen foutierte.

Da setzte Scheufele an. Livia Firth, Gründerin von Green Carpet Challenge, fand bei ihr ein offenes Ohr für das Anliegen, Ästhetik mit Ethik zu verbinden. Ihren konkreten Ausdruck fand die Initiative in der Green Carpet Collection. Die ersten beiden Preziosen der Kollektion führte die französische Schauspielerin Marion Cotillard im Mai in Cannes vor.

Chopard und Caroline Scheufele haben das Bedürfnis nach einwandfreien Bezugsquellen und Geschäftspartnern, die sich ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung bewusst sind, keineswegs jetzt erst entdeckt. Bereits seit 2010 ist Chopard Mitglied des Responsible Jewellery Council (RJC). Diese Vereinigung ist heute eine anerkannte Prüf- und Zertifizierungsgesellschaft für Edelsteine.

Für die Herkunftszertifizierung von Gold hat sich 2004 die Alliance for Responsible Mining (ARM) formiert. Sie setzt auf kleine, handwerklich betriebene Goldminen, die sozialverträglich und umweltbewusst arbeiten. Was sie schürfen, zertifiziert die ARM als «fairmined». Die Weiterverarbeitung zu Feingold erfolgt in Schmelzen, die dem Fairtrade-Standard verpflichtet sind.

Gold von der Genossenschaft

Für Caroline Scheufele ist sonnenklar: «Wer ein schönes Collier erwirbt, hat einen Anspruch darauf, zu wissen, wie Gold und Edelsteine geschürft, abgebaut und verarbeitet wurden. Niemand will etwas aus ethisch zweifelhaften Beständen tragen.» Entsprechend geht sie davon aus, dass «wir erst am Anfang der Zertifizierungsbewegung stehen. Je wertvoller die Stücke, desto grösser das Bedürfnis nach Klarheit.» Im Übrigen findet sie, dass der Aufwand dafür erträglich ist: «Es wird so sein wie im Kunstbetrieb. Mit der Zeit werden die Zertifizierungen ein Standard werden wie die Expertisen.»

Dass Missbräuche nicht auszuschlies­sen sind, ficht sie nicht weiter an. «Die Möglichkeit eines Missbrauchs war noch nie ein Argument, etwas Sinnvolles zu unterlassen.» Der Sinn steht für sie absolut ausser Frage. Deshalb lancierte sie ein weiteres Collier der Green Carpet Collection am Filmfestival von Venedig.

Wie immer steht ihr Bruder als Erster hinter ihr: «Es ist ein Engagement, das wir eingehen müssen, wenn wir das Leben der Menschen verbessern wollen, die unser tägliches Geschäft ermöglichen», findet Karl-Friedrich Scheufele kurz und bündig. Entsprechend haben die Geschwister im Namen des Hauses Chopard einen Liefervertrag mit der Coodmilla-Minengenossenschaft in ­Kolumbien abgeschlossen. Sie beziehen das Gold dort direkt – zu einem langfristigen Spitzenpreis.

Und dass Chopard Gold im eigenen Betrieb selber schmelzen darf – was mit strengen Auflagen verbunden ist –, bietet auch Gewähr für eine ethisch einwandfreie Feinverarbeitung.

Nicht nur Caroline, auch ihr Bruder sitzen immer in der richtigen Maschine.

Anzeige