1. Home
  2. Lifestyle
  3. Uhren
  4. An Gangreserve verloren

Uhrenindustrie 
An Gangreserve verloren

Nach dem Exportrekord 2012 flacht sich seit ein paar Monaten die Nachfrage leicht ab.

Veröffentlicht 24.04.2013

Ende des letzten Jahres konnten die eid­genössischen Statistiker Uhrenexporte von 21,4 Milliarden Franken vermelden. Davon entfielen allein auf Armbanduhren 20,2 Milliarden Franken. Gegenüber dem bereits exzellenten Jahr 2011 liess sich trotz temporärer Schwächephasen (September und November) ein Plus von 10,9 Prozent oder 2,1 Milliarden Franken notieren (Armbanduhren plus 11,5 Prozent). Allerdings: Die Stückzahlen reduzierten sich um 2,2 Prozent oder 640000 Exemplare auf 29,1 Millionen Uhren. Daraus errechnet sich ein Ex-Factory-Durchschnittspreis von 693 Franken pro Uhr gegenüber 606 Franken im Vorjahr.

Robuste Ausgangslage

Im oft nicht einfachen wirtschaftlichen Umfeld und konfrontiert mit der Situation, dass es bei den Uhrenfirmen wie bei deren Zulieferern an Fachpersonal mangelt, ist es der hinter Pharma/Chemie und Maschinen drittwichtigsten Schweizer Exportindustrie insgesamt 2012 gut ergangen. «Die Ausgangslage für künftiges Wachstum ist robust und lässt den Blick in die Zukunft optimistisch ausfallen», schreibt das Komitee der 400 wichtigsten Schweizer Aussteller der «BaselWorld» (25. April bis 2. Mai 2013). Um gleich allerdings ein Aber anzuhängen: Der Höhenflug wie 2011 sei dauerhaft nicht durchzu­halten, im zweiten Halbjahr 2012 habe sich denn auch die ­Entwicklung verlangsamt. Das sei keineswegs negativ, will auch der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH wissen. Da und dort können Lieferrückstände von Monaten oder mehr als einem Jahr abgebaut werden.

Die im Vorjahresvergleich nach unten korrigierten Exportzahlen der ersten beiden Monate dieses Jahres bei den Fertiguhren erstaunen deshalb nicht. Nach einem guten Januar (plus 12,3 Prozent) sorgte der Februar für eine Zäsur (minus 2,0 Prozent). Nach dem ersten Sechstel des Jahres liegen die Exporte der Fertiguhren und der Werke damit mit 3,086 ­Mil­liarden Franken «nur noch» 3,6 Prozent über dem vergleich­baren Vorjahr (Uhren plus 4,6 Prozent, Werke minus 17,0 ­Prozent). Der gemeldete Rückgang betrifft hauptsächlich ­Uhren bis zu 200 Franken Exportpreis.

Neue Töne in China

Zu beachten, aber vorläufig keineswegs zu dramatisieren, ist der Nachfrageeinbruch in Hongkong, dem wichtigsten ­Abnehmer, mit einem Vorjahresminus von 9,8 Prozent auf 610 Millionen Franken und von China mit 23 Prozent auf 207 ­Millionen Franken im Januar und Februar. Schuld tragen nicht zuletzt die veränderten politischen Gegebenheiten (neue ­Administration, Werbeverbot für Luxusprodukte) im Reich der Mitte. Anderseits sind es genau Chinesen – nämlich ihre ­Touristinnen und Touristen –, die ihrer Reiselust frönend in der «Alten Welt» für steigende Uhrenkäufe sorgen, etwa in Deutschland (plus 31 Prozent), in Italien (plus 20,3 Prozent) oder in Grossbritannien (plus 41,8 Prozent). Weil in der Schweiz hierfür die Detailhandelszahlen nicht erhoben werden, muss angenommen werden, dass auch in Luzern, Inter­laken und Genf nach wie vor «geshoppt» wird, die Spitzenzahlen des Jahres 2011 aber nicht mehr erreicht werden.

Das bringt Nick Hayek nicht aus der Fassung. Der Swatch-Konzernchef prophezeit der Uhrenindustrie für das laufende Jahr 5 bis 10 Prozent Wachstum. Seine Swatch Group soll selbstverständlich besser abschneiden. 2012 setzte sie 8,143 Milliarden Franken um. Bei einem Betriebsgewinn von 1,984 Milliarden Franken – 25,4 Prozent des Umsatzes – konnten sich die Bieler das neueste Gruppenmitglied Harry Winston deshalb sozusagen aus der Portokasse leisten.

Anzeige