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Rote Edelsteine 
Lust auf Farbe

Ohrschmuck von Chopard, Collier von Gübelin, Ring von Bucherer und Collier von Bulgari (v.l.n.r.)

Welche Farbe verbindet man spontan mit Liebe und ­Lebendigkeit, Leidenschaft und Macht? Es gibt nur eine Antwort: Rot. Einst war dieser Farbton allerdings den Königen vorbehalten.

Von Iris Wimmer-Olbort
14.11.2012

Farbe macht das Leben lebenswert: In der Natur, in unserem Zuhause, in unserer Mode – all das wäre ohne Farbe nicht vorstellbar. Doch Buntes verschönert nicht nur unseren Alltag, sondern sendet auf subtile Weise auch Botschaften aus, beeinflusst unsere Stimmung und unser Wohlbefinden. Es gibt Nuancen, denen man eine ­beruhigende und besänftigende Wirkung nachsagt, während andere aufpeitschen und anregen, kurz gesagt: Das Herz höher schlagen lassen. Rot – das ist die Farbe, der man diese Wirkung zuspricht. Rot, die Farbe des Feuers und der Hitze, die polarisiert und Emotionen weckt. Eine Farbe, die man mit Stärke und Leidenschaft verbindet, mit Dynamik, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen. Rot – die ­Signalfarbe, die vor Gefahren warnt, aber auch für Erotik und Verführung steht, die wild durch das Blut pulst.

Seit je besitzt Rot diese starke Ausstrahlung und erhält mehr Aufmerksamkeit als andere Farben. Einst war sie den Mächtigen und Herrschenden vorbehalten. Diese Faszination zieht sich durch alle Kulturen und Epochen: In China ist Rot seit je eine Glücksfarbe, vertreibt die bösen Geister und steht für Reichtum und Glück. In Russland verbindet man damit Wertvolles und Teures, in manchen afrikanischen Kulturen kennt man es als Symbol des Lebens. Das Tragen roter Bänder oder Tücher gehörte bei vielen Völkern zu den Hochzeitsbräuchen.

Doch nie ist Rot so faszinierend wie in einem Edelstein. Es vermählt sich mit Licht, wird leuchtend, ist Farbe pur und von einer Faszination, der sich kaum jemand entziehen kann. «Die Farbe Rot ist immer ein starkes Statement», schwärmt Caroline Scheufele, Co-Präsidentin von Chopard und verantwortlich für die Schmuckkollektionen. Sie erkennt in Rot «Dynamik, Temperament und Wärme».

Auch Karl Corpataux, Direktor Merchandising Schmuck und Mitglied der Geschäftsleitung von Juwelier Bucherer in Luzern, hat ein Faible für die «warme und auffällige Farbe», die für ihn «Energie und Wärme, Freude, Selbstvertrauen und Leidenschaft verkörpert». Dabei nennt er vor allem einen Edelstein: «Besonders der Rubin wird als Symbol der Liebe betrachtet», sagt Cor­pataux und beschreibt ihn als den beeindruckendsten roten Stein, der «das reinste Rot aller Edelsteine» zeige. «Deshalb zählt der Rubin zu den wertvollsten Edelsteinen überhaupt. Allerdings werden qualitativ hochstehende Rubine immer seltener, sodass sich die Preise in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt haben», bedauert Corpataux. Trotz neu entdeckter Vorkommen in Afrika. «Doch auch hier sind es nur kleine Mengen, die gefunden werden. Seine Beliebtheit und diese grosse Seltenheit machen den Rubin so wertvoll», so der Spezialist von Juwelier Bucherer.

Glücklicherweise gibt es weitere Edelsteine, die die Sehnsucht nach rot aufglühendem Schmuck erfüllen. Corpataux hat unter ihnen einen Favoriten: «Der schönste Mitbewerber des Rubins ist der rote Spinell. In den feinsten Qualitäten ist er farblich kaum vom Rubin zu unterscheiden.» Das belegt ­Bucherer eindrucksvoll mit einem besonderen Juwel, das Corpataux mit Begeisterung beschreibt: «Das intensive Rot der Spinelle aus Tansania ist in einem unserer schönsten Ringe zu bewundern. Wir konnten einen der letzten grossen Edelsteine aus diesem Vorkommen verarbeiten, einen tropfenförmig geschliffenen Tansania-Spinell mit über 10 Karat Gewicht.»

Der ideale Stein zum Kombinieren

Doch nicht nur Rubin und Spinell bezaubern mit ihrem intensiven Rot. Corpataux berichtet auch von aussergewöhnlichen Paraiba-Turmalinen in extrem leuchtendem Purpurrot mit blau-violetten Reflexen. Bucherer habe mit viel Glück vor kurzem einen solch prachtvollen Stein erwerben können. Nun ist es an den Designern des Hauses, den aussergewöhnlichen, 11,71 Karat schweren und vollkommen transparenten Stein in einem atemberaubenden Juwel in Szene zu setzen.

Auch bei Chopard schätzt man die Vielfalt der roten Edelsteine. Caroline Scheufele liebt neben dem Rubin die Varianten des Rubellit. Diesem widmet sie verspielte Haute-Joaillerie-Kreationen, in denen sie Rot gekonnt mit anderen Nuancen mischt. «Am liebsten aber kombiniere ich rote Farbsteine mit meinem Lieblingsstein, dem Diamanten», erklärt die Designerin. Gefasst kommen die roten Farbsteine nach ihrer Meinung am besten in Rosé- oder Weissgold zur Geltung und passen dann zu vielen Frauen: «Rot steht fast jedem Typ Frau, denn es schmeichelt sowohl einem hellen als auch einem dunklen Teint», sagt Scheufele.

 

Rot Die Farbe der Liebe, der Erotik und der wertvollen Edelsteine

Rubin – der Königliche
Das kostbarste und intensivste Rot aller Edelsteine zeigt der Rubin. Er gehört zur Familie der Korunde, ist also ein mineralogischer Bruder des Saphirs. Dank seiner herrlichen Farbe, seiner intensiven Leuchtkraft und seiner Härte, die nur vom Diamanten übertroffen wird, gehört der Rubin seit je zu den wertvollsten Edelsteinen.

Spinell – der Missverstandene
Der Spinell ist ein leuchtend roter Edelstein, den man bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht vom Rubin unterscheiden konnte. Deshalb sind sowohl die britischen Kronjuwelen als auch die Wittelsbachkrone mit Spinellen besetzt und nicht – wie einst angenommen – mit ­Rubinen. Chemisch sind Spinelle ein Magnesium-Aluminium-Oxid und fast so hart wie der Rubin.

Granat – der Klassische
Unter dem Begriff Granat fassen Fachleute eine Gruppe von mehr als zehn verschiedenen Edelsteinen zusammen. Sie ähneln sich in der chemischen Zusammensetzung, kommen aber in verschiedenen Farben vor. Am häufigsten ist Rot, daneben gibt es Grün- und Gelbtöne sowie feine erdfarbene Nuancen. Er ist relativ unempfindlich und unkompliziert zu verarbeiten.

Rubellit – der Vielseitige
Der Rubellit gehört zur Gruppe der Turmaline, die in vielen verschiedenen Farben vorkommen und je nach Nuance einen eigenen Namen tragen. Die rosa bis rote, bisweilen violettstichige Varietät mit Namen Rubellit ist vor allem in tiefem Rubinrot geschätzt und hoch bewertet.

 

Auf dem Bild (oben) zu sehen:

  • Ring vom Luzerner Juwelier Bucherer: Spinell im Oval-Schliff 12,2 Karat und mit Brillanten.
  • Haute-Joaillerie-Collier von Bulgari: Weissgold mit 22 Rubellitkugeln, Südseeperlen, Smaragdperlen und Brillanten.
  • Ohrschmuck von ­Chopard: Weissgold mit Rubelliten und ­Diamanten.
  • Collier von Juwelier Gübelin: Roségold mit 3,57-karätigem Rubin und Brillanten.
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