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Baselworld: Mitschwimmen mit den grossen Fischen

Nur wenige Aussteller bekommen einen Platz in der schillernden Halle 1 der Baselworld. Doch wichtig ist die Veranstaltung auch für alle anderen Teilnehmer. Was hat sie 2015 am meisten beschäftigt?

Von Gabriel Knupfer*
27.03.2015

Die Baselworld 2015 ist zu Ende. Nach acht Tagen an der wichtigsten Uhren- und Schmuckmesse der Welt sind die grossen Verkäufe gemacht – und wer bei den Kunden nicht gepunktet hat, muss sich wieder ein Jahr gedulden. Zwar ist die Zahl der Einkäufer in diesem Jahr leicht zurückgegangen. Doch 150'000 Besucher aus über 100 Ländern beweisen die ungebrochene Faszination der Luxusbranche.

Die Weltmesse in Basel ist für Unternehmen aus 40 Ländern das entscheidende Ereignis im Jahr, bei dem die ganze Industrie im Rampenlicht steht – wie die Meerestiere im riesigen Aquarium am Breitling-Stand. Denn es ist klar: Die Baselworld, das sind nicht nur die Millionenstände der grossen Luxusmarken. 1500 Uhren- und Schmuckhersteller haben die 43. Ausgabe der Baselworld als Ort für die Vorstellung ihren neusten Kreationen gewählt.

«Von der kleinsten bis zur grössten Marke»

Für François Thiébad, Präsident des Schweizer Ausstellerkommitees, hat die Baselworld ihre Position als wichtigstes Event der globalen Uhren- und Schmuckindustrie nochmals gefestigt. «Was die Messe so aussergewöhnlich macht: dass sie die hohe Qualität der Branche in all ihren Facetten widerspiegelt, indem sie allen Vertretern offensteht – von der kleinsten bis zur grössten Marke.»

Doch wie ist die Stimmung, bei der zweiten Garde der Aussteller, an diesem Event der Superlative? Handelszeitung.ch hat am sich am siebten Tag der Messe auf Spurensuche begeben.

Dunkle Augenringe

Zwar sind die Hallen an diesem Mittwoch nicht schlecht besucht. Doch in den Ständen ist vielen Teilnehmern anzusehen, dass die intensiven Tage Spuren hinterlassen haben. Dunkle Augenringe sind keine Seltenheit. Und während in der schillernden Halle 1 der sogenannten «Global Brands» bis zur letzten Minute alles seinen gewohnten Gang nehmen muss, wird an den Ecken und Rändern der Baselworld bereits Bilanz gezogen.

«Nur hier hat man die Möglichkeit alle wichtigen Leute der Branche zu treffen», sagt Gordon Penza vom maltesischen Schmucklabel Mvintage. Als erster Schmuckhersteller habe man von der sonnigen Mittelmeerinsel den Sprung ins Ausland gewagt. «Für die Entwicklung der Marke ist eine Veranstaltung wie die Baselworld ideal.»

Sind acht Tage zu lang?

Viel diskutiert wird über die Dauer der Messe. Mit acht Tagen ist die Baselworld länger als vergleichbare Veranstaltungen in Las Vegas und Hongkong. Für Gordon Penza sind die acht Tage positiv. «So hat man als kleine Marke die Chance gesehen zu werden.» Auch bei anderen kleinen Labels denkt man ähnlich wie Penza. Ricardo Melamed aus Panama besitzt die Uhrenmarke Technosport. «Wenn die Messe nur vier Tage dauern würde, dann käme niemand, um neue Marken zu entdecken», ist er überzeugt.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Für weniger bekannte Firmen sind die acht Tage ein grosser Aufwand. Für den Chef der Uhrenfirma Appella wären vier Tage «mehr als genug». In den letzten Tagen sei kaum mehr etwas zu erreichen, sagt Parth Trivedi. Und in der Hongkong-Abteilung in Halle 4 haben die Aufräumarbeiten am Mittwochnachmittag bereits begonnen.

Es sei verständlich, dass man den Besuchern etwas bieten wolle, sagt auch Peter Chan, der mit seiner Firma Verpackungen für Uhren herstellt und seit 15 Jahren an der Baselworld dabei ist. Auf der anderen Seite bedeuteten die acht Tage, dass er wegen der Anreise mindestens zehn Tage nicht in seinem Laden sein könne.

Schwierige Vorzeichen für 2015

Auch die schwierigen Vorzeichen für die Luxusindustrie beschäftigen nicht nur die «Global Brands». Wo man auch fragt, sind sich die Teilnehmer an der Baselworld einig, dass der Uhren- und Schmuckbranche ein weiteres schwieriges Jahr bevorsteht.

Neben den politischen Krisen in Nahost und in der Ukraine und anderswo macht vielen Herstellern der Antikorruptionskampf in China zu schaffen. Gerade die kleinen Uhrenfirmen sind stark betroffen. «Die Verkäufe in China werden immer weniger», sagt etwa Edward Ding vom Uhrenhersteller Survan aus Hongkong. Während sich Funktionäre früher mit Vorliebe mit Uhren bestechen liessen, hätten sie heute Angst überhaupt eine Uhr zu tragen, scherzt der Verkäufer.

Dabei sein ist alles

Ob gross oder klein, über die tatsächlich abgeschlossenen Verträge der letzten Tage mag niemand Rechenschaft ablegen. Der Besucherandrang sei vergleichbar mit dem letzten Jahr, sagt Alain Wong von der Schuckfirma Denis Hazell. Andere sehen die Ausgabe 2015 leicht unter oder über dem Vorjahresniveau, je nach persönlicher Erfahrung.

Und nächstes Jahr? «Wir kommen wieder», sagt Parth Trivedi von Appella, stellvertretend für viele kleine Teilnehmer. Wenn man international dabei sein wolle, bleibe einem gar nichts anderes übrig. Dass man als kleiner Fisch im grossen Aquarium nur am Rande wahrgenommen wird, ist klar. Aber dass man einmal im Jahr mit den grossen Fischen schwimmen darf, ist für viele Firmen ein Grund immer wieder nach Basel zurückzukehren.

*Mitarbeit Yvonne Baldinini

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