Der Genfer Uhrenhersteller Raymond Weil möchte in Zukunft verstärkt junge Käufer ansprechen. Für Kinder ist es heute nicht mehr selbstverständlich, eine Uhr zu tragen. Das Unternehmen investiert daher in den Online-Auftritt der Marke und setzt auf Influencer in sozialen Netzwerken und Blogger.

Messeauftritte spielen hingegen künftig eine untergeordnete Rolle. Entsprechend tritt das Unternehmen am (heutigen) Montag beginnenden Genfer Uhrensalon SIHH nur am Rande auf und wird an der Basler Uhrenmesse gar nicht dabei sein.

Präsentation von Uhren abseits der Messen

Mit dem Rückzug von der Baselworld wolle man einen neuen Ansatz wagen, sagte Elie Bernheim, der Chef des Familienunternehmens aus Lancy, im Interview mit AWP. «Auf grossen Messen konnte ich mich jeweils oft nur rund fünfzehn Minuten mit unseren Partnern treffen», erklärte der Raymond-Weil-Chef. In diesem Jahr lade man die Händler während des Jahres ein, um ihnen die Kollektionen über mehrere Tage hinweg zu präsentieren. Das geschehe etwa auch am Rande des SIHH.

Dabei gehe es auch darum, die notwendigen Anpassungen an den Uhrenmodellen zeitnah vornehmen zu können und Kollektionen schnell auf den Markt zu bringen. Bislang habe man damit jeweils bis im Frühjahr, zum Start der Baselworld im März, zugewartet. «Wir wollen die Lancierung der neuen Modelle über das Jahr verteilen und schneller auf Marktbedürfnisse reagieren», sagte Bernheim.

Mehr E-Commerce

Ab 2019 will der Uhrmacher vor allem junge Konsumenten ansprechen. Die Zielgruppen und Themen der Marke drehen sich stark um die jüngere Generation im Alter von 18 bis 30 Jahre. «Heute ist es für Kinder nicht mehr selbstverständlich, eine Uhr zu tragen», so Bernheim. Smartphones dienten zunehmend als «Ersatz» für die traditionelle Uhr. Um junge Käufer anzusprechen, wendet Raymond Weil heute denn auch mehr als 30 Prozent seiner Marketingausgaben für die digitale Kommunikation auf. Influencer in sozialen Netzwerken, Blogger und andere digitale Kanäle seien da unerlässlich.

Grundsätzlich sei das Preissegment der Raymond-Weil-Uhren, die in der Regel zwischen 1'500 und 2'000 Franken kosten, für junge Kunden prädestiniert - entsprechend wird das Angebot auf den Online-Verkaufskanälen vergrössert. Heute mache Raymond Weil im E-Commerce rund 10 Prozent des Umsatzes, so Bernheim. Dieser soll bis 2025 auf einen Viertel anwachsen. Demgegenüber wurde die Zahl der Verkaufspunkte in den letzten Jahren von rund 4'000 bis 4'500 auf heute noch rund 3'000 reduziert.

In Bezug auf den Geschäftsverlauf läuft es für Raymond Weil offenbar zufriedenstellend. Es sei im letzten Jahr «ziemlich gut» gelaufen, sagte Bernheim. Man habe Umsatz um 3 bis 5 Prozent gesteigert. Detaillierte Auskunft zu den Geschäftszahlen gibt das Unternehmen keine. Raymond Weil dürfte geschätzt im Jahr rund 150'000 Uhren verkaufen und einen Umsatz von über 200 Millionen Franken erzielen.

Brexit und Handelsstreit

Und Raymond Weil will auch künftig weiter zulegen. Im laufenden Jahr wäre man gemäss Elie Bernheim mit einem Wachstum «zwischen 1 und 7 Prozent durchaus zufrieden». Doch die Unsicherheiten am Markt bleiben gross. So leide etwa der britische Markt, der zweitgrösste für das Unternehmen, unter den Turbulenzen im Zusammenhang mit dem geplanten Brexit.

Darüber hinaus gäben die Schwäche einiger Währungen wie etwa der türkischen Lira oder der chinesisch-amerikanische Handelsstreit Anlass zur Sorge. Als künftigen Wachstumsmarkt sieht Bernheim derweil etwa Japan, wo der Genfer Uhrmacher seit zwei Jahren präsent ist, oder etwa Australien.

(awp/ccr)

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