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Trotz EM-Pleite sind die Schweizer Panini-Weltmeister

Panini-Bildchen: Das Sammelfieber ist in der Schweiz wieder ausgebrochen. (Bild: Keystone)

Auch wenn das grosse europäische Fussball-Stelldichein in der Ukraine und in Polen diesen Sommer ohne die Schweizer «Nati» stattfindet - die Eidgenossen dürften ihren Titel als Weltmeister im Sammeln

Veröffentlicht 29.03.2012

Die Ambitionen sind gewiss etwas weniger gross als bei den letzten Meisterschaften mit Schweizer Beteiligung - der Fussball-EM in der Schweiz im Jahr 2008 und der Fussball-WM in Südafrika im Jahr 2010.

Damals hatten Schweizer Fussballstars wie Alex Frei, Diego Benaglio oder Johan Djourou noch Anspruch auf ein eigenes Panini-Bildchen. In der Schweiz wurden damals insgesamt je rund 300 Millionen Bildchen abgesetzt, die in spezielle Schweizer Album-Editionen eingeklebt werden konnten.

Auch wenn die Schweizer dieses Mal auf eine EM-Teilnahme verzichten müssen - es ist eine eigentliche Liebesgeschichte zwischen der italienischen Firma und der Schweiz. In fast jedem fünften Schweizer Haushalt erliegt jemand dem Panini-Fieber.

Nostalgie

Meist sind es die Kinder, die Bildchen sammeln. Involviert ist aber häufig die ganze Familie, sei es auch nur, um die «Paninis» zu finanzieren, zumal die gesamte Sammlung auf rund 120 Franken zu stehen kommt.

Eltern und Grosseltern können in Erinnerungen schwelgen und davon erzählen, wie sie, damals als Jugendliche, in den 1970er Jahren die ersten Bilder mit dem Konterfei Franz Beckenbauers, Johan Cruyffs oder des haitianischen Torhüters Henri Francillon entdeckten.

Panini Schweiz geht von der Überlegung aus, dass jene, welche die früheren Alben füllten, es auch dieses Mal tun werden. Die Absenz der «Nati» an der diesjährigen Fussball-Europameisterschaft könnte allerdings Einbussen von 10 bis 15 Prozent bringen, räumt der Verantwortliche für den Schweizer Markt, Ezio Bassi, ein.

Schweizer Spezialausgaben

Um den rückläufigen Effekt möglichst gering zu halten, wird den Schweizer Sammlern als kleiner Leckerbissen auch diesmal ein Sonderalbum angeboten - zum gleichen Preis. Sowohl die Druck- als auch die Papierqualität ist besser; 28 Prozent der Bilder für die Schweizer Kundschaft sind zudem Spezialausgaben, gegenüber normalerweise 5 bis 10 Prozent.

Ihren Ursprung hat die besondere Beziehung zwischen der Schweiz und der in Modena (I) ansässigen Firma vermutlich im Umstand, dass die Schweiz der erste ausländische Markt war, in welchen Panini vorstiess, wie Bassi letztes Jahr anlässlich des 50. Jahrestages der Firma sagte.

Mittlerweile ist Panini in rund 100 Ländern präsent, in denen allein während der Weltmeisterschaft 2010 fast eine Milliarde Bildchen abgesetzt wurden.

Diesmal keine Warteschlangen

Im Gegensatz zum April 2008 gab es dieses Jahr im Vorfeld der EM am ersten Ausgabetag keine Warteschlangen vor den Kiosks. Die Klebebildchen sind dieses Jahr seit dem 23. März im Verkauf. Der Preis blieb laut Bassi in den letzten fünf Jahren unverändert - auch wenn sich in der Vergangenheit einige Grossverteiler und Discounter einen «Preiskampf» lieferten.

Erfunden wurden die Bildchen zwar nicht von den Gebrüdern Panini. Sie waren es aber, welche die geniale Idee hatten, sie päckchenweise zu verkaufen. Damit schufen sie einen Überraschungseffekt. Wenn der Käufer ein Briefchen öffnet und darin genau das fehlende Bild findet, ist die Emotion gross, wie Antonio Allegra von Panini Italien sagt.

Hinzu kommt der soziale Aspekt: Im ganzen Land werden Bildchen getauscht, sei es in Schulzimmern, in Büros oder sogar in Parlamenten.

Erotisierend

Zu den bekennenden Sammlern gehört SF-Moderator Beni Turnheer. «Am Kiosk sehe ich die gelben, frischen Päckli, das löst schon ein Kribbeln aus. Beim Aufreissen steigen die Spannung und die Hoffnung, endlich den fehlenden Spieler zu ergattern. Wenn der verzweifelt Gesuchte dabei ist, löst das ein Glücksgefühl aus - und das Einkleben ist eine Art erotischer Moment», sagte er einst in einem Interview.

Zunächst hatten sich die Gebrüder Panini auf den italienischen Fussball konzentriert. In den 1970er Jahren weiteten sie ihre Kollektionen auf die Europa- und Weltmeisterschaften aus. Der Fussball bleibt das Paradepferd, auch wenn die Firma inzwischen Sammlungen zu Trickfilmen, TV-Serien oder Hollywood-Sagas anbietet.

Um Familien und Schulen anhaltend an sich zu binden, hat das Unternehmen auch eine Branche Erziehung und Bildung kreiert. So werden etwa Klebebildchen-Serien zur italienischen Geschichte oder zu den Landesflaggen angeboten.

(chb/tno/sda)

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