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Training: Golfen ist gut fürs Gehirn – auch im Alter

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Wer Golf spielt, tut was fürs Gehirn. Das Training verändert positiv die graue Hirnsubstanz. Zwischen Auge und Motorik wird aktiv das Zusammenspiel gefördert.

Von Markus Köchli
2012-05-02

Die wichtigste Distanz im Golfsport sei auf dem Green nicht etwa die zwischen Ball und Loch, sondern die zwischen den ­Ohren. Das Bonmot spricht die mentale Verfassung des Golfers oder der Golferin an. Der Kopf also ist wichtig. Und er wird noch wichtiger. Wie ein Forschungsteam der Universität Zürich mit Professor Lutz Jäncke und Ladina Bezzola, beide vom Psychologischen Institut, bestätigt. Ihre Zürcher Studie, publiziert im «Journal of Neuro­science», weist nach, dass ein 40-stündiges Golftraining das Zusammenspiel von Auge und Hand und damit die Motorik merklich verbessert. Das nicht etwa bei jungen Probanden. Auch das Gehirn von 40- bis 60-Jährigen ist noch sehr anpassungs- und lernfähig, wie Jäncke und Bezzola mit ihrer Untersuchung zeigen.

Je intensiver, umso erfolgreicher

Überraschenderweise hängt die Veränderung in der grauen Hirnsubstanz stark von der Trainingsintensität ab. Golfer, die ein Training, also beispielsweise 40 Stunden, in relativ kurzer Zeit absolvierten, erreichten tendenziell die Platzreife – die Erlaubnis, auf dem Golfplatz zu spielen – schneller. Untersucht wurden elf Golfanfängerinnen und -anfänger im Alter zwischen 40 und 60 Jahren und eine gleich grosse Kontrollgruppe. Die Golferinnen und Golfer trainierten unter Anleitung professioneller Instruktoren oder allein im Sinne einer Freizeitaktivität. Vor und nach den 40 Golftrainingsstunden wurden verschie­dene neuroanatomische Parameter mittels der Magnetresonanztomographie (MRT) gemessen. So konnten Veränderungen in der grauen Hirnsub­stanz erforscht werden, die durch das motorische Golftraining verursacht wurden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein Golftraining bei Personen im mittleren Erwachsenenalter deutliche strukturelle Veränderungen in der grauen Hirnsubstanz hervorruft. Die Kontrollgruppe, die keine neue Fertigkeit geübt hatte, zeigt dagegen keine neuroanatomischen Veränderungen zwischen den beiden Messzeitpunkten. Insbesondere in Gehirnarealen, die sowohl beim Erlernen von motorischen Fertigkeiten als auch bei der visuomotorischen Verarbeitung – dem Zusammenspiel von Auge und Motorik – eine wichtige Funktion übernehmen, wuchs das Volumen der grauen Hirnsubstanz als Folge des Trainings.

«Ein neuer Befund ist, dass die Veränderungen in einem für die visuomotorische Verarbeitung wichtigen Hirnareal stark von der Trainingsintensität abhängig sind», erklärt Jäncke. So waren die Veränderungen in diesem Hirngebiet bei Golferinnen und Golfern grösser, die die 40 Trainingsstunden innerhalb kurzer Zeit absolvierten. «Diese hirnanatomische Veränderung widerspiegelt sich auch auf der Verhaltens­ebene», so Jäncke. Wer intensiv trainierte, schaffte die Platzreifeprüfung schneller.

Es braucht kein Trainingsprotokoll

Die im «Journal of Neuroscience» veröffentlichte Studie zeigt, dass eine normale Freizeitaktivität substanzielle Veränderungen im Gehirn auslösen kann und es dazu kein striktes Trainingsprotokoll braucht. Da sie zudem die Anpassungs­fähigkeit des Gehirns auch im mittleren Erwachsenenalter nachweist, liefere die Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Gehirnentwicklung über die ganze Lebensspanne, schreibt die Universität Zürich.

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