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Start-up 
WayRay will von Schaffhausen die Autonavigation revolutionieren

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3D-Steuerung: Mit WayRays Technologie wird der Blick aufs Armaturenbrett überflüssig.Quelle: zvg

Mit Hilfe von Alibaba will WayRay das Autofahren revolutionieren. Nun verlegt das Start-up seinen Sitz nach Schaffhausen – um den grossen Automobilzulieferern näher zu sein.

Von Marc Bürgi
11.12.2017

Das Startup WayRay hat erreicht, wovon viele Firmengründer träumen. Es hat das Interesse einer der weltgrössten Internetkonzerne geweckt. Diesen Frühling beteiligte sich der chinesische Onlinehändler Alibaba und weitere Investoren mit 18 Millionen Dollar am Lausanner Jungunternehmen.

Nun steht WayRay vor einem nächsten wichtigen Schritt in seiner jungen Unternehmensgeschichte: Es verlegt seinen Sitz von Lausanne in den Kanton Schaffhausen. Mitte nächsten Jahres wird es dort ein Entwicklungszentrum mit vorerst rund 20 Mitarbeitern eröffnen. Mit dem Umzug von Genfersee an den Nordrand der Schweiz sucht WayRay die Nähe zu den führenden europäischen Automobilzulieferern im Süden Deutschlands.

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Das Armaturenbrett wird überflüssig

WayRays Technologie hat das Potenzial, das Autofahren zu revolutionieren. Das Startup ist auf erweiterte Realität spezialisiert: Mit seiner Technik lassen sich Informationen dreidimensional auf Scheiben abbilden. Der Fahrer oder die Passagiere sehen beispielsweise Angaben zum Tempo, zur Route oder auch Textnachrichten direkt vor oder neben sich, und müssen den Blick nicht mehr herumschweifen lassen. WayRay verwendet dafür dünne intelligente Folien, die auf die Scheibe geklebt oder direkt ins Glas eingebaut werden.

«Navion»: Diese 3D-Autosteuerung hat WayRay bereits auf dem Markt.

Zwei Autohersteller setzen die 3D-Anwendung der Schweizer bereits ein: Die chinesische Banma verwendet WayRays Technologie in einem für 2018 geplanten Automodell. Und mit dem Zürcher Hersteller Rinspeed hat WayRay das Konzeptauto «Oasis» lanciert. Aktuell verhandelt WayRay nach eigenen Angaben mit rund zehn grossen Autokonzernen über eine Zusammenarbeit – Namen will das Startup aber noch nicht bekanntgeben. Daneben verkauft WayRay seine Produkte auch direkt im Handel. Bald bringt das Startup das 3D-Navigationssystem «Navion» auf den Markt. Es ist ein kleines Kästchen, welches Fahrinformationen auf die Windschutzscheibe projiziert.

Inspiration nach dem Autocrash

Gründer und Chef von WayRay ist der 29-jährige Russe Vitaly Ponomarev. Er hat in nur fünf Jahren ein Unternehmen mit heute 170 Mitarbeitern aufgebaut. Die Angestellten sind über die ganze Welt verteilt: Die meisten davon arbeiten in Moskau, dem früheren Sitz des Unternehmens. Daneben hat WayRay auch Niederlassungen in Shanghai, Hongkong und San Francisco. In Lausanne arbeiten weniger als zehn Leute.

Auf seine Geschäftsidee kam Ponomarev durch einen Autounfall, wie er im Gespräch erzählt: Er verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug, weil er mit der Navigations-App auf dem Handy beschäftigt war. «Ich wurde durch das GPS abgelenkt.» Das weckte in ihm den Ehrgeiz, eine bessere Autonavigation zu entwickeln. Mit einem kleinen Team von IT-Fachleuten und Ingenieuren startete er kurz darauf sein Vorhaben. Dann zog er 2014 das erste Mal mit dem Unternehmen um. Die Westschweizer Wirtschaftsförderung war auf ihn aufmerksam geworden und hatte Ponomarev davon überzeugt, sein Startup nach Lausanne zu verlegen.

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Der 29-jährige Firmengründer und Mehrheitsbesitzer Vitaly Ponomarev.
Quelle: zvg

Ein sicherer Ort für sensible Daten

Mehrere Unternehmen entwickeln 3D-Anwendungen für das Auto. WayRay-Chef Ponomarev glaubt dennoch, dass sein Startup gegen viel grössere und finanzkräftigere Konkurrenten wie die deutsche Bosch eine Chance hat. «Heute hat niemand im Markt die gleiche Technologie. Deshalb wollen die grossen Autokonzerne mit uns arbeiten», sagt Ponomarev. «Wir erwarten grosse Einnahmen in der Zukunft.» Schon nächstes Jahr werde das Startup voraussichtlich einen Gewinn machen.

Um sich von Wettbewerbern abzuheben, muss WayRay technololgisch führend bleiben. Und das ist ein weiterer Grund, wieso WayRay mit seinem neuen Standort in Schaffhausen der Schweiz treu bleibt. Die Schweiz biete Rechtssicherheit und stabile politische Verhältnisse, deshalb will Ponomarev seine Innovationen hier weiterentwickeln. «Wir wollen unsere Technologie an einem sehr sicheren Ort aufbewahren.»