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Share Economy 
Wie die Superreichen teilen lernen

Menschen wollen Dinge nicht mehr haben, sondern an ihnen teilhaben. Tauschen statt kaufen, leihen statt besitzen. Das gilt auch für Luxusimmobilien oder Privatjets.

Von CORINNA CLARA RÖTTKER
28.10.2015

Die Mode lautet «Share Economy». Und wie es mit den Moden so ist, hält sie Einzug in sämtliche Lebensbereiche. Von gemeinsam genutzten Fahrzeugen und getauschten Kleidern, über geliehenes Werkzeug bis hin zur eigenen Wohnung kann praktisch der gesamte Alltag geteilt werden. Das Prinzip ist einfach: Menschen wollen Dinge nicht mehr haben, sondern an ihnen teilhaben. Tauschen statt kaufen, leihen statt besitzen.

Ressourcen werden dadurch geteilt, die Umwelt geschont. Zudem werden Geld und Platz gespart. Warum Dinge besitzen, wenn man sie ohnehin kaum nutzt? Das Schlüsselwort heisst: Effizienz.

«Luxury Sharing» für die Reichen

Entgegen jeglicher Erwartung ist es jene Ressourceneffizienz, die mittlerweile auch die Luxusschicht erobert. Denn wer meint, dass sich in der idealistisch angehauchten Tauschlandschaft nur Studenten mit geringem Budget tummeln, der irrt. Es ist ein Trend, der selbst vor den Superreichen nicht halt macht.

Sie bewegen sich lediglich in einem Bereich, für den ein prall gefülltes Portemonnaie nötig ist. Bringt man diese Voraussetzungen mit, öffnet sich dem Gutbetuchten die Pforte des «Luxury Sharing». Wer will sich schliesslich auf eine einzige Ferienvilla in Miami begrenzen, wenn einem die ganze Welt offen steht? Und warum einen Privatjet kaufen, wenn man über einen erworbenen Anteil Zugang zu einer ganzen Flotte hat?

Internationales Portfolio von Luxusimmobilien

Beim «Hideaways Club» ist die Idee einfach: Investoren kaufen sich in ein internationales Portfolio von Luxusimmobilien ein und nutzen diese. Eine Art Airbnb für Gutbetuchte mit Investitionsabsichten. Weltweit zählt der Club 532 Mitglieder, 29 davon in der Schweiz. Darunter CEOs, Aufsichtsräte, Top-Anwälte, Chefärzte – so heisst es. Interessenten können aus zwei Fonds und verschiedenen Formen von Mitgliedschaften wählen.

Die «Classic Collection» beinhaltet eine Auswahl an über 40 Ferienhäusern, Villen und Chalets. Etwa in der Provence, auf Mallorca, an der Algarve, in Südafrika oder auf der Koh Samui Insel in Thailand. Auch in der Schweiz stehen insgesamt vier Chalets zur Verfügung, allesamt in Nendaz. Einzige Voraussetzung für ihre Nutzung: das nötige Klimpergeld. So beginnt der Einstiegspreis für eine sogenannten «Lifestyle-Mitgliedschaft» bei umgerechnet knapp 130'000 Franken.

Inklusive Concierge vor Ort

Während sich die Immobilien im ersten Fonds überwiegend an abgelegenen Orten befinden, richtet sich die «City Collection» an diejenigen, die das turbulente Stadtleben schätzen. Der Fonds besteht aus Apartments inmitten von Metropolen wie New York, London oder Barcelona. Auch hier hat die Beteiligung ihren Preis: Eine «Lifestyle-Mitgliedschaft» beginnt bei umgerechnet rund 103'000 Franken.

Jede Immobilie verfügt laut Anbieter über einen Concierge vor Ort, der sich jeweils um die Instandhaltung und um die Wünsche der Gäste vor und während der Ferien kümmert. Dieser kommt täglich für bis zu vier Stunden ins Haus, in den Residenzen in Asien und Marokko stehen Fulltime-Angestellte zur Verfügung.

Den Privatjet teilen

Ähnlich funktioniert das «Luxury Sharing» bei Europas grösstem Privatjetbetreiber Netjets. Mitmachen kann, wer eine Beteiligung an einem Flugzeug erwirbt. Die Anteile beginnen bei einer Grösse von 50 Flugstunden pro Jahr – dies entspricht einem Anteil von einem Sechszehntel des Flugzeugs, das laut Medien 3,1 Millionen Dollar kostet. Bei einer geschätzten maximalen Flugkapazität von 800 Stunden pro Jahr, kann ein Kunde also 50 Stunden im Jahr fliegen.

Die Reservationsfrist liegt weltweit bei zehn Stunden. Netjets kümmert sich um die Organisation, Besatzung, Flugplanung und Wartungsarbeiten. Der Kunde braucht nichts zu tun. Selbst Investorenlegende Warren Buffett hat das überzeugt: Der drittreichste Mann der Welt kaufte Netjets nur drei Jahre, nachdem er seinen ersten Flugzeuganteil erworben hat.

Luxus für Jedermann

Wem für das «Luxury Sharing» das nötige Kleingeld fehlt, dem bleibt ein Hoffnungsschimmer: Denn auch die vermeintliche Low-Budget-Gesellschaft muss beim Teilen nicht auf Luxus verzichten. So gibt es beispielsweise bei der Schlafplatzbörse Airbnb neben 50 Leuchttürmen und 270 Inseln auch gut 1400 Schlösser.

Ob klassisch-rustikal in Schottland oder doch eher mit Pool in der wohltemperierten Toskana – die Auswahl ist gross. Reicht es also nicht ganz für eine Mitgliedschaft bei den Wohlbetuchten, können Sie zumindest bei Airbnb den Westflügel oder das Prinzessinnenzimmer mieten.

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