1. Home
  2. Lifestyle
  3. Reisen
  4. Wellness-Report: Bayrischer Balsam

 
Wellness-Report: Bayrischer Balsam

Schloss Elmau: Einmal angekommen, vergisst man nach 10 Minuten die Zeit, nach 20 Minuten die Welt.

Das Luxusresort Schloss Elmau setzt Massstäbe im deutschsprachigen Europa. Es ist ein Ort, der Designpuristen und Gemütlichkeitsfans gleichermassen fasziniert.

Von Claus Schweitzer
21.03.2012

Der Alltag nervt, wir eilen vom Meeting zur Party, vom Fitnessklub ins Restaurant, essen zu schnell, trinken zu viel, schlafen zu wenig. Und beim Blick in den Spiegel wundern wir uns, ­warum Leute, die doppelt so alt sind wie wir, halb so jung aussehen. Mit dem ­un­gesunden, verrückten, beschleunigten ­Leben, das die meisten von uns führen, ist ein gelegentlicher Spa-Aufenthalt heute kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit, um das innere Gleichgewicht zu halten und neue Energien zu tanken.

Doch bei der Suche nach der passenden Wellnesswelt beginnt der nächste Stress: Endlos das Angebot, persönlich die Wertvorstellungen. Legeres Ambiente oder gehobener Luxus? Design oder Nos­talgie? Sinnliche Wohlfühltage oder ausgefeiltes Gesundheitsprogramm? Die ­Lösung heisst Schloss Elmau.

Zwei Welten – mit oder ohne Kinder

Schon die weltentrückte Alleinlage in spektakulär schöner Natur am Fuss des Wetterstein-Gebirges ist Balsam für den ausgepowerten Konsumzombie. Der gros­se Unterschied zu anderen Spa-Resorts liegt jedoch im Versprechen auf ein Gesamt­erlebnis, in dem sich Gegensätze nicht ausschliessen, sondern bereichern. Nirgendwo sonst im Alpenbogen stossen ­historische und moderne Hotelarchitektur mit so viel Stil und Sex-Appeal zusammen. Keinem anderen Haus gelingt die Balance zwischen zeitgemässer Gran­dezza und heiterer Ungezwungenheit so souverän. Die Trennung von jeweils zwei Spas für ­Erwachsene und für Familien garantiert den Gästen sowohl vollkommene Ruhe ohne Kinder als auch uneingeschränkte Lebens­freude mit Kindern.

Bis vor sieben Jahren war das 1916 ­erbaute Schloss ein von skurrilen Anachronismen und anthroposophischem Lifestyle bestimmter Zufluchtsort der deutschen Kultur-Intelligenzija. In einer Augustnacht 2005 brannte das denkmalgeschützte Refugium bei voller Belegung weitgehend ab – wie durch ein Wunder wurde dabei niemand verletzt. Dietmar Müller-Elmau, der Enkel des Gründers, erwarb in einem unternehmerischen Kraftakt die Mehrheit der Eigentumsan­teile und katapultierte den renovierungsbedürftigen Bau mit beispielloser Visionskraft ins 21. Jahrhundert.

«Ich wollte nichts Homogenes, nichts Uniformes, ich wollte Vielfalt», sagt der viel gereiste Hausherr. So verbreitet das Design eine Aura sympathischer Natürlichkeit inmitten gestalterischer Zitate aus aller Welt. Heimische Hölzer und Steinmaterialien treffen auf echte Tibeter-Teppiche und indische Textilien; antike Alpen-Gemälde koexistieren neben Buddha-Statuen – und alles ergibt ein stimmiges Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Vom Blumenschmuck über die Beleuchtung bis zur Hintergrundmusik ist nichts, aber auch gar nichts Mittelmass. Müller-Elmau feiert die Grandhotellerie, indem er eine grossartige Atmosphäre kreiert, die gemütlich und extravagant zugleich ist und bei aller Unkompliziertheit nicht der notwendigen Fünf-Sterne-Perfektion ermangelt. Seine Grundidee: Ein Resort muss ein kommunikativer Ort sein. Man braucht nur einen Blick in die weitläufigen Hallen zu werfen. Sie sind von Leben und Heiterkeit erfüllt, viele Sprachen schwirren durch die Luft, alle Generationen ­fühlen sich bestens aufgehoben, es sind Hotelszenen wie aus einem Film.

Zur angestrebten Mehrdimensionalität gehört ein interessanter Gästemix. Gerade auch auf Kinder legt der mehrfache Fa­mi­lienvater Müller-Elmau viel Wert: «Ein Hotel ohne Kinder ist leblos.» Daher gibt es ein eigenes Family Spa (1500 Quadratmeter), ein Family Restaurant und eine ausgezeichnete Kinderbetreuung. Dafür bleiben das Badehaus (3000 Quadrat­meter) sowie das Oriental Hamam (500 Quadratmeter) den Erwachsenen vorbehalten. Wer auf Abhärten in freier Natur steht, planscht 300 Meter entfernt im ­Nature Spa beim kalten Ferchenbach mit finnischer Sauna und grossem Freibad. Dass Schloss Elmau aus einer Reihe von Paralleluniversen besteht, bemerken stille Geniesser auch beim Frühstück, das bis mittags im kinderfreien Spa Restaurant serviert wird. Ein exklusives Vergnügen ist das Private Spa: Ab 20.30 bis 1.00 Uhr nachts können Gäste wahlweise das Badehaus – mit Benutzung des 25 Meter langen Rooftop-Pools – oder das Hamam mieten. Wichtig sei die Wahlmöglichkeit zu jedem Zeitpunkt, meint Müller-Elmau: «Menschen, die viel Geld ausgeben für einen Hotelaufenthalt, wollen keine Einschränkungen.»

Die Treatments für Body und Beauty sind ein Erlebnis für sich. Das konstant hohe Niveau der Thera­peuten erreicht Spa-Leiterin Doktor Imke König, mehr als durch alle Schulungen und Motivationen, mit einer extrem sorgfältigen Auswahl bei der Einstellung. «Ich sehe mir die Kandidaten sehr genau an und teste am eigenen Leib, ob sie tatsächlich diese besondere Intuition für den ­Körper zielgerecht umsetzen können.» Ihr Anspruch wird jederzeit erfüllt, etwa während einer Thai-Massage bei Puttinart, dessen sanfte Stimme geschickt von seinen gnadenlosen Händen ablenkt. Eine Spezialität ist die «Special Blend»-Mas­sage, die verschiedene Techniken und Heilmethoden aus allen Erdteilen verbindet. Die Behandlung von Kopf bis Fuss soll wie eine Melodie fliessen, und genau so fühlt es sich auch an. Im Angebot stehen über 50 weitere Treatments vom Hamam-Ritual bis zur Ayurveda-Kur. Unlängst wurde das ohnehin schon kaum zu übertreffende Wellbeing-Angebot um täglich mehrere Yoga-Lektionen sowie regel­mässige Yoga-Retreats erweitert.

Sich immer wieder steigern können

Während andere Spa-Resorts, wenn sie einmal stehen, meist fixfertige Produkte sind, die in den Jahren nach der Eröffnung kaum mehr von Neuem zu überraschen vermögen, legt das Team um Dietmar Müller-Elmau und Nikolai Bloyd, den ideen­reichen Hoteldirektor, stets noch ­einen drauf. Der anfängliche Kritikpunkt der eher durchschnittlichen Gastronomie wurde durch einen neuen Küchenchef mit Höchstanspruch für alle sechs Restaurants behoben. Egal, ob Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat oder Sechsgänger mit Hummer, alles glänzt nun konstant in ­tadelloser Qualität. Die fast täglich stattfindenden Kultur-Events – ein Markenzeichen des Hauses und kostenlos für Gäste – sind bei jedem Besuch anders, immer spannend, häufig Weltklasse.

Auch punkto Servicekultur konnte sich Schloss Elmau nochmals steigern. Schon der Doorman gibt einem das Gefühl, dass man als Mensch, nicht als Nummer empfangen wird, ebenso die Rezeptionistin, und im ganzen Haus gelingt dem Team die Balance zwischen maximaler Aufmerksamkeit und unaufgeregter Zurückhaltung. Jeder Mitarbeiter weiss: Den Augen von Müller-Elmau entgeht nichts. Er ist sein bester Kritiker, bezeichnet sich selbst als «detailbesessen» und weiss, wie er in diesem Geschäft die Liga anführt – was sich in einer stolzen Reihe international relevanter Hotel- und Spa-Awards manifestiert. Sein Credo: «Ich möchte meinen Gästen Erfahrungen und Inspirationen bieten, die sie zu Hause nicht haben können, und ihnen das geben, was ich selbst von einem guten Hotel erwarte.»

DZ mit Halbpension ab 470 Franken.

Link zur Webseite von Schloss Elmau

Anzeige