Mit der First Class nach Hongkong fliegen, aber weniger als den Business-Class-Preis dafür bezahlen? An jedem Flughafen in der Lounge lümmeln, dort kostenlos Dinner und Drinks konsumieren und beim Aussteigen aus dem Flieger vom Vorfeld mit eigenem Büsli abgeholt werden – und sich zudem mit dem edlen Titel «Senator» ansprechen lassen? Das klingt doch nicht so schlecht.

Ein Titel richtet bekanntlich auch den Schwächsten auf. Und wenn ein Titel mit Privilegien verbunden ist, die in einer Runde ambitionierter Diener unserer Wirtschaftsleistung (Anwälte, Manager, Berater, Banker) zu Anerkennung führen, lockt ein solcher Titel umso mehr. Schmückende Bezeichnungen wie «Frequent Traveller», gar «Senator» oder, als seltene und höchste Stufe, Mitglied des «Hon-Circle» hat deshalb die deutsche Lufthansa für ihr Vielfliegerprogramm «Miles & More» erfunden, dem auch die Tochter Swiss mit ihrer Adoption im Jahr 2005 beigetreten ist.

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Rückgrat dieses Belohnungssystems für treue Kunden ist der «Senator»-Status, der Goldstandard des Vielfliegertums: 100 000 Status-Flugmeilen pro Kalenderjahr muss der Banker/ Manager/Anwalt/Berater erfliegen, um sich den begehrten Titel zu sichern. Zum Ende jeden Kalenderjahres wird der Statusmeilen-Zähler auf null gestellt. Deshalb ist genau jetzt die richtige Zeit, das Meilenjagen zu starten!

Sichtbare Positionierung

Der «Senator»-Status verschafft Zugang zu den «Senator»-Lounges auf Flughäfen, verbessert die Chance auf Upgrades bei Sitzplätzen und die Priorität auf Wartelisten, erlaubt mehr Freigepäck und vor allem das Umgehen der Holzklassen-Schlange vor dem Check-in-Schalter, selbst wenn man selber Holzklasse fliegt – und schliesslich verschicken Swiss und Lufthansa mit der «Senator»- Karte zugleich gut sichtbare Kofferanhänger in Goldfarbe. So wird der Status zum gut sichtbaren Positionierungswerkzeug.

 Die Lounges am Zürcher Flughafen stehen nur den Statuskunden zur Verfügung. Die «Senator»-Lounge ist «Goldkunden» vorbehalten.

Ruheraum für Vielflieger: Die Lounges am Zürcher Flughafen stehen nur den Statuskunden zur Verfügung. Die «Senator»-Lounge ist «Goldkunden» vorbehalten.

Quelle: © Swiss International Air Lines Ltd. © conditions: below-the-line and online, no advertising

Wie man «Senator» wird, weiss niemand besser als der König. Der ehemalige Unternehmensberater Alexander König suchte während eines Sabbaticals nach einer Möglichkeit, seinen zuvor erflogenen «Senator»-Status zu schützen, und verkaufte seine ersten strategischen Erkenntnisse als Bulletin auf eBay – seine Firma First Class & More (FCAM) war geboren.

Inzwischen liegt das rund 15 Jahre zurück. Heute beschäftigt der Deutsche zwölf Mitarbeiter, von denen acht nichts anderes tun, als täglich mehr als 100 Websites nach Deals zu durchforsten, nach günstigen Preisen, Sonderangeboten, Spezialkonditionen für Partner, die zu zweit reisen, oder auch «error fares», die nur durch Fehler oder Versehen zustande kommen und gelöscht werden, sobald die Airlines den Fauxpas entdeckt haben. Rund 10 000 zahlenden Kunden verkauft FCAM den Weg zu diesen Deals, die Schweiz ist Königs bester Markt. Noch immer staunt er, was seine Kunden für einen Status zu tun bereit sind: «Regelmässig zum Jahresende gibt es Kunden, die für nur eine Nacht in der First Class nach Hawaii fliegen, um fehlende Statusmeilen einzufliegen.»

Königs Geschäft ist stark von Daten getrieben. Und aus den über die Jahre akkumulierten Datenmengen zu Reisepreisen weiss er: «Die Schweizer zahlen zu viel für Flüge.»

Meilenkoenig

*Alexander Koenig ist Gründer der Vielfliegerberatung First Class & More. Seit mehr als 15 Jahren hilft er seinen Kunden Business Class und First Class zum halben Preis zu fliegen, einen Top-Vielfliegerstatus zu erhalten und das Maximum aus ihren Meilen herauszuholen. In seiner Kolumne «Meilenkoenig» teilt er seine Expertise regelmässig auf www.bilanz.ch mit den Lesern.

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Alexander Koenig

Alexander Koenig

Quelle: ZVG

Fliegen ab der Schweiz ist teuer

Sein Argument: Wer ohne besondere Strategie «Senator» werden will, muss hier besonders tief in die Tasche greifen und sehr viel im Flieger sitzen. Wer stets mit Swiss von Zürich aus Langstrecke fliegt, zahlt im Schnitt in der Businessklasse (siehe Tabelle unten) zu den Fernzielen von Swiss pro 1000 Statusmeilen 418 Euro, sofern er derzeit keinen Status als Silber- oder Goldmitglied hat, oder 335 Euro, falls er oder sie eben schon «Senator» oder zumindest «Frequent Traveller» ist und sich requalifizieren möchte für den Status, der stets für zwei Jahre gilt – wer einen Status bereits innehat, wird mit einem Zuschlag von 25 Prozent auf seine erflogenen Status-Meilen belohnt.

Das Ganze heisst: Wer mit Swiss-Langstreckenflügen ab Zürich «Senator» bleiben will, muss im Minimum 33 500 Euro investieren. Wer bisher nichts ist, berappt sogar 41 800 Euro. «Das sind enorm hohe Preise», sagt König.

Hier liefert König eine wichtige Unterscheidung: Nicht verwechseln dürfe man die beiden Meilenklassen Statusmeilen und Prämienmeilen. Für den Aufstieg in den Status-Himmel zählen nur die entsprechend bezeichneten Meilen, während Prämienmeilen fast ausschliesslich in Belohnungen getauscht werden können und seit knapp einem Jahr zu allem Überfluss auch noch nach einem anderen System, nämlich basierend auf dem Ticketpreis, berechnet werden; Statusmeilen summieren sich weiterhin anhand der geflogenen Streckenlängen – die genauen Berechnungsmethoden kann man getrost Feinschmeckern überlassen.

Durchschnittliche Ticketpreise für Langstreckenfluege ab Zuerich in der Business Class
Quelle: Bilanz

Kosten in Euro pro Flugmeile

Ziel muss also für halbprofessionelle Statusjäger sein, die Preise pro erkaufter Statusmeile möglichst tief zu halten. Genau hier liegt Königs Geschäftsmodell. Und natürlich kann man dessen kostenpflichtige Mitgliedschaften erwerben, wo FCAM spezielle «Routings» empfiehlt; Anfang Januar gab es etwa eines nach Asien, mit dem sich FCAM-Kunden für 3333 Euro zum «Senator» hinauffliegen konnten.

Doch auch Königs Website und sein kostenfreier Newsletter liefern Ratschläge, und wer selber etwas Zeit in die Suche nach günstigen Flügen investiert, sollte sich zu einem Bruchteil der genannten Durchschnittspreise (418 respektive 335 Euro pro 1000 Meilen) den Status erfliegen können. «Wer sinnvoll optimiert», sagt König, sollte «Werte von etwa 50 bis 70 Euro je 1000 Statusmeilen erreichen». Diese «Ratio», Kosten in Euro pro Flugmeile, ist die von seiner Firma entwickelte Messlatte: «Herausragend» sind Flüge für unter 60 Euro pro Meilentausender, in Zwanzigerstufen folgen Bewertungen «sehr gut» und «gut», noch «durchschnittlich» sind Preise zwischen 100 und 120 Euro, alles darüber hinaus sei «für Meilenoptimierer nicht akzeptabel».

«Die wichtigsten Tipps: Möglichst Ländergrenzen überfliegen und zudem möglichst viele Stopps einlegen.»

Alexander Koenig, First Class & More

Auch ohne fremde Hilfe lassen sich solche Flüge finden. Wichtigste Tipps: Möglichst über Ländergrenzen fliegen und möglichst viele Stopps einlegen. Statt also beispielsweise von Genf nach Madrid direkt mit der Swiss zu fliegen, könnte man über Lufthansa (die automatisch über Deutschland leitet) die Flugstrecke Genf–Zürich–Frankfurt–Madrid buchen, zurück Madrid–München– Zürich–Genf. Das bedeutet jeweils etwa vier Stunden zusätzliche Reisezeit, dafür aber, mit Executive Bonus, 13 750 Statusmeilen statt 5000 für den Direktflug. Bei einer Probebuchung für Mitte März hat König einen Reisepreis von 803 Euro ermittelt, das ergäbe eine günstige «Ratio» von 58 Euro pro 1000 Statusmeilen.

Solche Verbindungen mit zwei Stopps lassen sich zwar nur über ein Reisebüro buchen – was aber generell Sinn macht, weil sich über diesen Kanal die Buchungsklassen einfacher sicherstellen lassen. Doch selbst mit nur einem Zwischenstopp, dann problemlos über die Lufthansa-Website buchbar, können bis zu 10 000 Statusmeilen zusammenkommen, und der Flug wäre spürbar günstiger. Wer Statusmeilen im Voraus errechnen will, kann auf den Meilenrechner der Lufthansa-Gruppe zurückgreifen, der allerdings nicht mehr direkt im Internet als Website aufgeschaltet, sondern in die App «Miles & More» integriert ist.

Wichtig auch, sagt König: Innereuropäisch bringen Economy-Flüge wenig, und bei Business müsse man auf die Buchungsklassen achten; «nur die Klassen C, D oder J bringen die maximale Meilengutschrift». Dafür sei auf Interkontinentalflügen die Klasse Premium Economy ein echter Geheimtipp: «Sie kostet nur einen Bruchteil der Business Class, bringt jedoch im Minimum dieselbe Anzahl Statusmeilen wie die günstigsten Business-Class-Tarife in Buchungsklasse P.» Ganz oben in der Pyramide seien wiederum «Partner Sales» in der First Class häufig sehr attraktiv. König zitiert einen kürzlich ausgelaufenen Sale der Swiss, der, allerdings mit Abflugort Mailand, für glatte 2000 Euro einen First-Class-Flug nach Bangkok und damit einen 1000-Meilen-Preis von 48 Euro bedeutete.

Vergleich der Ticketpreise für Langstreckenfluege ab Zuerich mit den Preisen ab den Abflugorten Mailand oder Paris
Quelle: Bilanz

Mailand oder Paris statt Zürich

Abflug ab Mailand – bei diesem Thema überschneiden sich zwei unterschiedliche Ziele: einerseits, einen Status zu erwerben, und andererseits, möglichst günstig durch die Welt zu fliegen. Denn erstens wandern jede Menge zusätzliche Meilen aufs Konto, wenn man statt Zürich–Hongkong und zurück eben Mailand–Zürich-Hongkong–Zürich–Mailand fliegt, und zweitens sind die Flüge von anderen Startorten meist viel billiger. Letzteres liegt daran, dass die Swiss ihre Langstreckenflieger nicht nur mit Zürcher Passagieren füllen kann, sondern Umsteiger anlocken muss – diese nehmen also den Umweg über Zürich auf sich und werden dafür mit Preisnachlässen geködert.

König hat für BILANZ zwei Alternativen zum Abflugort Zürich geprüft, das nahe gelegene Mailand und die attraktive Metropole Paris, beide gut erreichbar (siehe Tabelle «Anderswo abfliegen, viel Geld sparen»). Und siehe da: Während in der Economy Class die Preise nur etwa ein Viertel niedriger liegen, sind sie in der Business Class ab Mailand nur etwa halb so hoch wie von Zürich aus, Paris ist immerhin ein Drittel günstiger, und «auch in der First Class kann man bis zu 40 Prozent sparen».

Natürlich verlängern sich damit die Reisezeiten, und nach Mailand oder Paris fahren oder fliegen muss man ja auch noch. Aber erstens sind diese Städte selbst beliebte Reiseziele, wo man problemlos einige Tage vor und nach einer Fernreise verbringen kann, und zudem brächten Hin- und Rückflüge dorthin weitere Statusmeilen ein. Und wer zu zweit ab Mailand via Zürich nach Hongkong für gut 3500 Euro in der Business Class fliegen kann statt direkt von Zürich aus für 8800 Euro, der wird vermutlich gern die etwas umständlichere Reise in Kauf nehmen.

Prämienmeilen für Flugbuchungen

Eine zweite Strategie, Kosten zu sparen, ist der Einsatz von Prämienmeilen für Flugbuchungen. Weil solche Prämienflüge nicht mit Statusmeilen vergolten werden, wird dieses Thema hier nur am Rand behandelt. Dennoch: Die neben den Statusmeilen bei der Meilenjagd erflogenen Prämienmeilen sinnvoll einzusetzen, kann ja durchaus Freude machen. Zudem lassen sich Miles- &-More-Prämienmeilen auch ausserhalb der Luftfahrt sammeln, etwa als Bonus auf den eigenen Umsatz bei Kreditkarten, über Hotelbuchungen, bei Vertragsabschlüssen mit der «Zürich»-Versicherung oder dem sozialen Netzwerk Asmallworld; auch für den Abschluss eines Abonnements der BILANZ gibt es mehrere tausend Meilen als Gutschrift.

Mit Praemienmeilen Fluege bezahlen
Quelle: Bilanz

Weil bei solchen Prämienflügen allerdings die Steuern und Gebühren dennoch zu bezahlen sind, ist es wiederum «in der Regel unattraktiv, die Meilen für Economy-Class-Tickets einzusetzen», sagt König. Denn im Schnitt müsse man für die Bezahlung des eigentlichen Fluges unverhältnismässig viele Meilen einsetzen; der Gegenwert pro 1000 Meilen beträgt nur 4.20 Euro.

Viel höher ist dieser bei Business oder First Class (siehe Tabelle «Mit Prämienmeilen Flüge bezahlen»): In der Business bekommt man von der Swiss ab Zürich im Schnitt 31.60 Euro für 1000 Prämienmeilen rückvergütet, in der First sogar fast 40 Euro. Den höchsten Gegenwert errechnete König für einen First-Class-Prämienflug nach Hongkong und zurück: Fast 59 Euro pro 1000 Meilen liessen sich hier sparen. Und noch schöner: Diese Werte lassen sich nahezu verdoppeln. Man muss lediglich «die jeden Monat erscheinenden Meilenschnäppchen vor allem in der Business Class betrachten», sagt König, und hier «die Schweiz als Abflugsort auswählen». Im Internet unter www.meilenschnaeppchen.de bieten Lufthansa und Swiss Prämienflüge an, die häufig nur die Hälfte des üblichen Meilenpreises kosten.

Lieblingsziel Dubai

Der «Meilenkönig» selbst fliegt übrigens am liebsten nach Dubai, wo er lange auch gelebt hat. Über 100 Mal habe er diese Strecke schon zurückgelegt. Weitere Lieblingsziele, sagt König, seien New York («immer etwas Neues zu entdecken») sowie die Malediven. Schon beim Überfliegen der zahlreichen Atolle komme sofort «perfekte Urlaubsstimmung auf», auch hier war er schon runde 20 Mal.

Mehr Vielreisende wie ihn selbst als Kunden zu gewinnen, das ist auch der Hintergrund für die Zusammenlegung von Königs Firma mit der «Lifestyle Community» Asmallworld, hinter der der Nestlé-Erbe Patrick Liotard-Vogt steht. Beide Plattformen operieren mit einem kostenpflichtigen Mitgliedschaftsmodell, und König zitiert Befragungen, wonach Asmallworld-Kunden «17 Mal pro Jahr reisen». Gemeinsam mit Liotard will König nun seine Dienstleistungen verbreitern, etwa mit zusätzlichen Events anreichern, und europäisieren: Der Launch einer englischsprachigen Website steht bevor.

«Schon ein einzelner Eintritt in die Business-Lounge am Flughafen Zürich kostet 49 Franken.»

Alexander Koenig, First Class & More

Wer übrigens auf den «Hon-Circle»-Status schielt, also mit eigener Limousine zum Flugzeug gebracht werden möchte: Dafür sind die Meilengutschriften von ungefähr 13 First-Class-Flügen an die US-Westküste notwendig. Eine von Königs Kundinnen hat es geschafft, diese 600 000 Meilen in nur drei Monaten einzufliegen. Dagegen nimmt sich die Hürde von 100 000 Meilen für den Aufstieg zum «Senator» fast bescheiden aus. Und wer es schafft, die von König zum Ziel erklärten Werte von «50 bis 70 Euro je 1000 Statusmeilen» zu erreichen, würde also 5000 bis 7000 Euro ausgeben, um sich zwei Jahre «Senator» nennen zu dürfen.

Immer noch viel Geld – doch wer berücksichtigt, dass schon ein einzelner Eintritt in die Business-Lounge der Swiss am Flughafen Zürich 49 Franken kostet, dass ein zusätzliches Gepäckstück schnell über 50 Franken pro Flugstrecke kosten kann, realisiert auch den Geldwert dieses neuen Status. Und ein geschmackvoller Titel ist ja ohnehin unbezahlbar.

Dieser Text erschien in der Februar-Ausgabe 02/2019 der BILANZ.