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Reisen 
Oman: «Badni mabsut»

Festungen prägen das Bild im Hinterland des Sultanats Oman.

Das Sultanat entzieht sich dem Gigantismuswettrüsten aufder Arabischen Halbinsel. Das Land ist der Inbegriff von «Arabia Felix».

Von Renate V. Scheiper
13.03.2013

Mögen es auch nur einige Datteln und etwas arabischer Kaffee gewesen sein, im Oman dankt der Gast nach einer Einladung mit «Badni mabsut» (Glücklich ist mein Bauch). Spontan werden wir unterwegs auf dieser exklusiven Tour durch das Land öfter bewirtet, mal nach der Besichtigung der Wüstenfestung von Jabrin oder in Maskat im Palasthotel Al Bustan in der Lobby. Dort erfreut die Gäste zusätzlich ein Harfenist des Royal Oman Symphony Orchestra. Es gehört zum Royal Opera House, das im November 2011 als erstes auf der Arabischen Halbinsel vom kunst- und musikbegeisterten Sultan Qabus eröffnet worden ist.

Es gibt viel zu sehen in der Hauptstadt des Sultanats, die nicht im Wettbewerb himmelstrebender Wolkenkratzer erstickt, wie dies in Dubai oder Doha der Fall ist. Umrahmt wie eine Theaterkulisse im Südosten vom Indischen Ozean, im Nordwesten von den bis zu 3000 Meter hohen gezackten ­Bergen des Hadjar-Gebirges, wirken die meist marmornen Wohn- und Geschäftshäuser eher wie eingestreute orientalische ­Verzierungen, sogar der Palast des Herrschers. Natürlich wird emsig gebaut, aber mass- und stilvoll, blumenreich und mit sattgrünen Parkanlagen nach dem Willen des klugen Sultans Qabus. Über allem wachen auf schwarzen Vulkanfelsen am Meer Wehrtürme und Mauern, Relikte der Portugiesen, die ab 1507 für fast 150 Jahre Oman beherrschten.

Hochseetüchtige Segelschiffe

Im Volkskunde­museum von Maskat zeigen Karten die Seerouten dieses schon vor 3000 Jahren bedeutenden und reichen Handelsvolkes, das nach China und ins südliche Ostafrika Kupfer, im Norden bis Ägypten und ins riesige Römische Reich vor allem die Harzperlen des Weihrauchstrauches exportierte, der dort tonnenweise auf den Altären der Götter verbrannt wurde. Die «Dhau» genannten hochseetüchtigen Segelschiffe werden noch heute in einer Werft des einst bedeutenden Handelshafens Sur perfekt in Handarbeit gezimmert – ohne Computer und Pläne mit ­einfachsten Werkzeugen von Experten aus Kerala (Indien).

Viel Ungewöhnliches sehen und erleben wir auf dieser Tour durch das Reich. Unsere Karawane der sechs komfortablen Land Rover windet sich auf vierspurigen Autobahnen über­ ­Serpentinen in die kahle und doch grandiose Bergwelt des Hadjar-Gebirges mit einer Farbsymphonie aus allen Braun-, Ocker-, Zinnober-, Rot- und Gelbtönen. Beim Picknick auf ­einem Felsplateau in 2000 Metern Höhe mit Blick in drama­tische Tiefen mit winzigen Oasen holt sich eine Ziege aus dem Land Rover der Reiseleiterin die Hotelliste und frisst sie mit ­gutem Appetit. In einer Gemüse- und Obstplantage hingegen werden wir üppig gefüttert mit Früchten wie Papaya, Mango, Bananen, Kokosnuss sowie unbekannten Köstlichkeiten.

Jahrtausendealtes Bewässerungssystem

Das jahrtausendealte Aflaj-Bewässerungssystem, das auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco steht, macht es möglich. Das Wasser unterirdischer Quellen wird mit geringem Gefälle oft bis zu 20 und mehr Kilometer in vielfach verzweigte Kanäle geleitet, von denen aus nach genau festgelegtem Zeitplan stundenweise einzelne Felder bewässert werden. Neubauten vom Feinsten mit allem Komfort ersetzen die alten Lehm­häuser der Bauern. Nur einige sind erhalten und dienen als Museen. Mit traditioneller Bewirtung. «Badni mabsut».

Abends sind kleine Hotels mit grossen Pools und feiner ­Küche unsere Oasen. Auch der Komfort eines Wüstencamps verblüfft, das wie eine Fata Morgana in der unendlichen Weite der Wahiba Sands liegt. Hochnäsig daherschreitende Kamele denken nicht daran, der vierrädrigen Konkurrenz dort aus dem Weg zu gehen. Fast mystisch ist der Sonnenuntergang über den bis zu 150 Meter hohen rotgelben Sanddünen.

Zurück in Maskat bringt uns ein gut einstündiger Flug nach Salalah im Südwesten des Landes. Für die nächsten Tage ist ein Fünfsternehotel am weissen, palmengesäumten Sandstrand­ unser fast königlicher Ausgangspunkt für Tagestouren. Vom nahen antiken Hafen Sumharam, heute eine imposante ­archäologische Ausgrabung, wurde das kostbare Harz des nur hier im Hinterland des Dhofar gedeihenden Weihrauch­strau­ches verschifft. Heute beherrschen Frauen in langen schwarzen Abayas mit Gesichtsmaske im Souk von Salalah das ­Geschäft mit Weihrauch – sie verhandeln knallhart.

Die Recherche wurde unterstützt von Studiosus.

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